Todesmarsch

Bei Heranrücken der Front trieb die SS am 21. April 1945 mehr als 30.000 Häftlinge des KZ Sachsenhausen, darunter auch Frauen und Kinder, zu Fuß Richtung Nordwesten auf einen Todesmarsch. Für die meisten von ihnen endete der Marsch zwischen dem 3. und 6. Mai 1945 im Raum Parchim-Ludwigslust-Schwerin mit der Befreiung, mehr als 1.000 starben unterwegs oder wurden von der SS erschossen.

 

Opfer des Todesmarsches,
April 1945 Foto: ICRC Genf

 

Häftlinge des KZ Sachsenhausen lagern
während des Todesmarsches auf einer
provisorisch hergerichteten Waldfläche,
April 1945 Foto: Willy Pfister, ICRC Genf
Auf dem Todesmarsch: Häftlinge und ein
Mann des Lager-Volkssturms (rechts) bei
einem LKW des Internationalen Roten Kreuzes,
April 1945 Foto: ICRC
 
Zwischen dem 23. und 29. April 1945 zog die SS einen Großteil der Kolonnen, mehr als 16.000 Häftlinge, im Belower Wald bei Wittstock zusammen. Sie lagerten ohne Unterkunft und Versorgung im Wald, mit Stacheldraht umzäunt und von einer SS-Postenkette bewacht. Während die SS-Lagerführung sich in nahe gelegenen Bauernhöfen einquartiert hatte, suchten die Häftlinge im Waldlager in selbst errichteten Unterständen und Erdlöchern Schutz vor der Witterung und versuchten, ihren Hunger mit Kräutern, Wurzeln und Rinde zu stillen. Nach Verhandlungen mit der SS wurde einer Delegation des Internationalen Roten Kreuzes gestattet, Lebensmittelpakete an die vollkommen geschwächten Häftlinge zu verteilen und im benachbarten Dorf Grabow ein Nothospital einzurichten. Auf dem Friedhof in Grabow sind 132 Häftlinge beigesetzt, die im Waldlager oder in einem Nothospital verstorben sind. Am 29. April 1945 verließen die Kolonnen das Waldlager.
 
 
 
Gedenkstätte
Die Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald wurde nach umfassender Neugestaltung im April 2010 anlässlich des 65. Jahrestages der Befreiung in Anwesenheit zahlreicher Überlebender aus aller Welt wiedereröffnet. Im Mittelpunkt steht das rund 20.000 m² große historische Waldgelände. Zahlreiche Bäume tragen Inschriften, die von Häftlingen stammen. Das Mahnmal wurde 1975 errichtet.

Historisches Waldgelände

 

 

Mahnmal
Projektwerkstatt
 
Open-Air-Ausstellung
Neben dem Wald befindet sich auf einem Plateau die neue Open-Air-Ausstellung "April 1945: Der Todesmarsch der Häftlinge des KZ Sachsenhausen". Auf Glasstelen informiert sie mit Texten, Fotos, Dokumenten, Zeichnungen und zahlreichen Berichten von Überlebenden über die Räumung des KZ Sachsenhausen, den Todesmarsch, das Waldlager in Below und die Befreiung. In einer klimatisierten Vitrine werden außerdem Fundstücke aus dem Belower Wald gezeigt. Ein Steg verbindet das Ausstellungsplateau mit dem historischen Waldgelände
 
Ausstellungsplateau
Vitrine mit Fundstücken
Jacov Tsur, Überlebender des Todesmarsches, an einer Karte mit den Streckenverläufen des Todesmarsches
 
Projektwerkstatt
Im ehemaligen Museumsgebäude, das 2002 bei einem rechtsextremistischen Brandanschlag schwer beschädigt wurde, befindet sich eine pädagogische Projektwerkstatt. Die Angebote der historisch-politischen Bildung bestehen aus unterschiedlichen Bausteinen, die je nach Umfang, Themen und Zielgruppen individuell zugeschnitten werden können. Durch die zahlreichen regionalen Bezüge eignet sich das Thema der Todesmärsche sehr gut für die Projektarbeit mit Schülern aus der Region.
 

Informationsstele

Projektwerkstatt

Jugendliche erkunden sie Spuren im historischen Waldgelände

Fotos: Stefan Erhard

 
 
Anschrift und Öffnungszeiten
Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald
Außenstelle der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen / Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
Belower Damm 1, 16909 Wittstock
Tel. 039925 / 2478 Fax 039925 / 77835
E-Mail: below@gedenkstaette-sachsenhausen.de
Information: www.stiftung-bg.de
 
Öffnungszeiten
Die Open-Air-Ausstellung und das historische Waldgelände sind bei Tageslicht begehbar.
Für pädagogische Projektarbeit und Führungen ist eine Voranmeldung erforderlich.
Das Büro und der Buchverkauf sind Mo bis Fr von 10 bis 16 Uhr geöffnet.
24.-26. Dezember, 31. Dezember sowie 1. Januar geschlossen
 
Erreichbar über die Straße Wittstock - Röbel