Auftakt zum Holocaust: Die "T4-Sonderaktion" gegen jüdische Patienten



 

Bei der "Aktion T4" behandelte man jüdische Patienten anders als nichtjüdische Kranke. Sie wurden ab Sommer 1940 - unabhängig von der Art ihrer Erkrankung oder dem Grad der Arbeitsfähigkeit - allein aufgrund ihrer jüdischen Herkunft getötet. Dieser erste planmäßig organisierte Massenmord an Juden im Deutschen Reich begann in Brandenburg/Havel.


Im Juli 1940 wurden alle als "Volljuden" geltenden Anstaltsinsassen aus Berlin und Brandenburg in der Heilanstalt Berlin-Buch konzentriert. Von dort wurden sie wenig später angeblich "in eine auswärtige Anstalt" verlegt. Zeugenaussagen und Notizen des T4-Arztes Irmfried Eberls belegen jedoch, dass die Transporte in die Tötungsanstalt Brandenburg gingen.

Die Familien verlegter und ermordeter jüdischer Patienten wurden lange darüber im Unklaren gelassen, wohin man ihre Angehörigen gebracht hatte. Ab Herbst 1940 verschickte die T4-Zentrale dann Todesmitteilungen mit Absender "Irrenanstalt Cholm" (polnisch: Chelm) bei Lublin für die in Wirklichkeit bereits Monate zuvor in Brandenburg ermordeten jüdischen Patienten. Den Schreiben lagen Sterbeurkunden eines Standesamtes "Chelm" bei. Tatsächlich waren diese Schriftstücke in Berlin ausgefertigt und per Kurier nach Lublin gebracht worden, um von dort an Angehörige und Behörden verschickt zu werden.

 


Weitere Informationen:

Gedenkstätten Brandenburg an der Havel
Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde
Die "T4-Sonderaktion" gegen jüdische Patienten
Transfer von T4-Tötungspersonal zur "Aktion Reinhardt"
Berufsspezifische Studientage
Öffnungszeiten, Führungen, Anfahrt, Publikationen
Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten