Illegale Morgenandacht im KZ Sachsenhausen, Zeichnung des norwegischen Häftlings Thorvald M. Davidsen (undatiert), ©Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

„Religion: Evangelisch“. Protestanten KZ Sachsenhausen 1936-1945

Ausstellungseröffnung am 18. März

Am Sonntag, 18. März 2018, wird um 14.00 Uhr in der Gedenkstätte Sachsenhausen die Ausstellung „‘Religion: Evangelisch‘. Protestanten im Konzentrationslager Sachsenhausen 1936-1945“ eröffnet. Bei der Eröffnungsveranstaltung wird auch der heute 93-jährige Klaus Reichmuth sprechen, der 1942 als Gymnasiast zusammen mit einem Mitschüler für sechs Monate im KZ Sachsenhausen inhaftiert war. Beide waren Söhne bekannter Pastoren in Stettin, die der Bekennenden Kirche angehörten.

Die biografisch angelegte Ausstellung veranschaulicht auf 18 Schautafeln die Bandbreite der evangelischen Häftlinge im KZ Sachsenhausen im Hinblick auf soziale und nationale Herkunft, politische Motivlagen und religiöse wie soziale Praktiken im Mikrokosmos eines Konzentrationslagers. Außerdem werden zwei SS-Angehörige vorgestellt, die aktive Mitglieder der evangelischen Kirche waren.

Zu den prominenten evangelischen Häftlingen gehören der Bischof der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Juliusz Bursche, der führende Vertreter der Bekennenden Kirche, Martin Niemöller, sowie der Jurist Friedrich Weißler, der als Mitverfasser einer an Hitler gerichteten Denkschrift der Bekennenden Kirche 1937 im KZ Sachsenhausen ermordet wurde. Aber auch weniger bekannte Schicksale werden vorgestellt wie das von Klaus Reichmuth und seinem Mitschüler Klaus Rendtorff, aber auch diejenigen eines norwegischen und zweier niederländischer Pastoren.

Den insgesamt 15 vorgestellten Biografien geht eine Einführung voraus, die die Rolle der evangelischen Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus aufzeigt. Außrdem wirft sie einen Blick auf eine durchaus spezielle Gemengelage vor Ort in Oranienburg/Sachsenhausen: Aus der Perspektive eines der führenden Vertreter der Bekennenden Kirche in Berlin und Brandenburg, des Sachsenhausener Pfarrers und späteren Bischofs Kurt Scharf, wird dabei insbesondere die Nähe von KZ, Kommune und Kirchengemeinde ausgeleuchtet.

Dargestellt wird in diesem Zusammenhang auch die Rolle von Hans Helwig, der 1937/38 Kommandant des KZ Sachsenhausen war. Seit 1927 war er Kirchenältester in seiner Heimatgemeinde im Schwarzwald und gehörte immerhin bis 1942 der evangelischen Kirche an. Helwig starb 1952 in seinem Geburtsort, ohne dass er sich jemals strafrechtlich für seine Tätigkeiten in den Konzentrationslagern verantworten musste.

In einem Ausblick veranschaulicht die Ausstellung schließlich, in welchen Formen unter wechselnden politischen Rahmenbedingungen an evangelische Häftlinge des KZ Sachsenhausen erinnert wurde – und wie sie selbst auf die KZ-Haft und deren Folgen für ihr weiteres Leben zurückgeblickt haben.

Die von der Gedenkstätte Sachsenhausen in Kooperation mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz erarbeitete Wanderausstellung wird im Anschluss an die Präsentation in der Gedenkstätte Sachsenhausen vor allem in Einrichtungen der evangelischen Kirche gezeigt werden.


Sonntag, 18. März 2018, 14.00 Uhr
Ausstellungseröffnung: „Religion: Evangelisch“. Protestanten im Konzentrationslager Sachsenhausen 1936-1945

Begrüßung
Prof. Dr. Günter Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
Dr. Christian Stäblein, Propst der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
Ansprachen:
Dr. Ulrich Prehn, Kurator der Ausstellung
Klaus Reichmuth, Überlebender des KZ Sachsenhausen

Ort: ehem. Häftlingswäscherei (bis 27. Mai 2018)
Öffnungszeiten: tägl. 8.30 bis 18.00 Uhr

Mit finanzieller Unterstützung von Andere Zeiten e.V.
Gefördert mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien


Begleitende Veranstaltung:
Dienstag, 10. April 2018, 18.30 Uhr
Martin Niemöller im KZ Sachsenhausen 1938-1941: Isolation und Konversion

Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Benjamin Ziemann, University of Sheffield
Moderation: Martina Voigt, Historikerin
Ort: Besucherinformationszentrum



 

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