Mark Tilewitsch (1922-2017)

Die Gedenkstätte Sachsenhausen trauert um Mark Tilewitsch

Ehren-Vizepräsident des Internationalen Sachsenhausen Komitees im Alter von 95 Jahren in Moskau verstorben

Die Gedenkstätte Sachsenhausen trauert um den KZ-Überlebenden Mark Tilewitsch, der am Montag dieser Woche im Alter von 95 Jahren in Moskau verstorben ist. Mark Tilewitsch war langjähriger Vizepräsident und seit 2015 Ehren-Vizepräsident des Internationalen Sachsenhausen Komitees (ISK) und Mitglied im internationalen Beirat der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.

Der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Prof. Dr. Günter Morsch würdigte den Verstorbenen als großen Freund der Gedenkstätte Sachsenhausen und eindrucksvollen Zeitzeugen: „Mit seiner zugleich sanften, menschenfreundlichen und sensiblen Art gelang es Mark Tilewitsch stets, die Jugendlichen, die seinen Berichten zuhörten, zu fesseln und ihre emphatischen Empfindungen anzusprechen“, sagte Morsch heute in Oranienburg. „Auch ist es vor allem ihm zu verdanken, dass viele KZ-Überlebende aus Russland zu den runden Jahrestagen der Befreiung 1995 und 2005 an die Orte ihres Leidens zurückkehren konnten. Für seine KZ-Kameraden, die nicht selten in großer materieller Not lebten, hatte der russische Vizepräsident des Internationalen Sachsenhausen Komitees stets ein offenes Ohr und ein weites Herz. Die Gedenkstätte und das Museum Sachsenhausen und die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten verlieren mit Mark Tilewitsch einen langjährigen Mitstreiter, den eine große Herzlichkeit und Offenheit auszeichnete. Er wird uns sehr fehlen“, sagte Morsch.

Mark Tilewitsch kam am 10. Juli 1922 in Moskau zur Welt. Mit 18 Jahren wurde er zum Militärdienst einberufen. Als die deutschen Truppen am 22. Juni 1941 die Sowjetunion überfielen, leistete er den Armeedienst an der Grenze und geriet kurz darauf in deutsche Kriegsgefangenschaft. Mit Unterstützung seiner sowjetischen Kameraden gelang es ihm, sich der Aussonderung und Ermordung als Politoffizier und Jude zu entziehen.

Nach zweimaligen Fluchtversuchen aus dem Kriegsgefangenenlager Wietzendorf wurde er der Gestapo übergeben und 1943 in das KZ Sachsenhausen überstellt. Auch im KZ Sachsenhausen, wo im Herbst 1941 mehr als 10.000 sowjetische Kriegsgefangene ermordet worden waren, fürchtete er stets, als Jude verraten und exekutiert zu werden. Geschwächt und gestützt von Kameraden, überlebte er den Todesmarsch.

Nach der Befreiung und der Rückkehr in seine Heimatstadt studierte Mark Tilewitsch Redaktionswesen am Institut für Polygraphie. Später arbeitete er als Journalist und war lange Jahre als stellvertretender Chefredakteur der populären Automobilzeitschrift „Sa Ruljom“ („Am Steuer“) tätig. Neben seinem Beruf engagierte er sich im 1957 gegründeten sowjetischen Komitee der Kriegsveteranen und übernahm dort leitende Funktionen in der Sektion ehemaliger KZ-Häftlinge. Hier fand er eine politische Nische, in der er seine Vorstellungen von Internationalismus und Solidarität umzusetzen versuchte.

Mehrere Jahrzehnte war Tilewitsch als Vertreter der Sowjetunion/Russlands im Internationalen Sachsenhausen Komitee aktiv und seit 1993 Mitglied im internationalen Beirat der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Auf seine Initiative hin konzipierten und realisierten das Kulturministerium Russlands und die Gedenkstätte Sachsenhausen 2001 aus Anlass des 60. Jahrestages der Ermordung der sowjetischen Kriegsgefangenen im KZ Sachsenhausen gemeinsam eine Sonderausstellung zu den Ursachen und Hintergründen dieser Massenmordaktion. Die Ausstellung konnte außer in Oranienburg auch im „Museum des Großen Vaterländischen Krieges“ in Moskau gezeigt werden. Bis zuletzt war Tilewitsch als Zeitzeuge eng mit einer Moskauer Schule verbunden. Aus dieser Zusammenarbeit ist die Mark-Tilewitsch-Stiftung hervorgegangen, die sich der historischen Erinnerung und der Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements widmet.

 

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