Die Inspektion der Konzentrationslager, ca. 1942





Brotwaage aus dem KZ Buchenwald (Grabungsfund), 1944/45





Zyklon-Blechdose der Firma Tesch & Stabenow, 1940er Jahre




 

Die Zentrale des KZ-Terrors. Die Inspektion der Konzentrationslager 1934 bis 1945. Eine Ausstellung am historischen Ort

 

Der wichtigste, weitgehend original erhaltene Ort der nationalsozialistischen Schreibtischtäter steht im Mittelpunkt der Ausstellung „Die Zentrale des KZ-Terrors“: Im ehemaligen Gebäude der „Inspektion der Konzentrationslager“ (IKL) informiert die Schau über die Geschichte der SS-Behörde, von der aus zwischen 1934 und 1945 alle Konzentrationslager zentral verwaltet wurden. Die Ausstellung veranschaulicht, wie etwa 100 SS-Männer 32 KZ-Hauptlager mit über 1.000 Außenlagern zentral gesteuert haben. Gezeigt werden nicht nur die Befehlsketten der Täter, sondern vor allem auch, welche konkreten Folgen diese für die Häftlinge aus ganz Europa in den Konzentrationslager hatten. Dabei wird deutlich, dass die zentrale Steuerungsfunktion der IKL wesentlich stärker war, als in der Forschung bisher vielfach angenommen wurde.


Auf rund 200 m² präsentiert die Ausstellung zahlreiche Fotos, Dokumente, Zeichnungen und Filme sowie dreidimensionale Objekte, wie zum Beispiel eine von Häftlingen gefertigte Brotwaage aus dem KZ Buchenwald, einen Granitstein aus dem berüchtigten Steinbruch des KZ Mauthausen sowie eine originale Zyklon-Blechdose der Firma Tesch & Stabenow. Im Zentrum stehen die Verbrechenskomplexe, an denen die Schreibtischtäter der IKL maßgeblich beteiligt waren: die mörderischen Lebensbedingungen in den Konzentrationslagern, medizinische Verbrechen, die Ermordung von mindestens 30.000 sowjetischen Kriegsgefangenen, der „Arbeitseinsatz“ der Häftlinge, der Völkermord an den europäischen Juden und den Roma und Sinti sowie die Todesmärsche.


Zahlreiche Interaktive Medienstationen bieten unter anderem vertiefende Information über die zum KZ-Kosmos gehörenden 32 Hauptlager sowie Biografien der Schreibtischtäter der IKL, von denen nur zwei nach 1945 wegen ihrer Arbeit in der IKL bestraft wurden. Ein neuartiges virtuelles Aktenregal, das vor allem auch in der pädagogischen Arbeit mit Gruppen eingesetzt werden kann, bietet die Möglichkeit, Einblicke in den bürokratischen Apparat der IKL zu gewinnen.


Die von Dipl.-Des. (FH) Clemens Franke, Messe- und Ausstellungsgestaltung (Berlin), gestaltete Ausstellung im original erhaltenen Gebäude der ehemaligen IKL, das heute hauptsächlich vom Finanzamt Oranienburg genutzt wird, befindet sich im Foyer, im Treppenhaus, im „großen Sitzungssaal“ sowie im ehemaligen Dienstzimmer des KZ-Inspekteurs. Mit großformatigen Bildern werden die Besucher bereits beim Betreten auf die besondere historische Bedeutung aufmerksam gemacht. Mit der neuen Ausstellung, die in das dezentrale Museumskonzept der unmittelbar benachbarten Gedenkstätte Sachsenhausen integriert ist, verbindet sich die Hoffnung, dass die weithin unbekannte Zentrale des KZ-Terrors die ihr gebührende öffentliche Aufmerksamkeit findet.