Der Zellenbau des
Konzentrationslagers Sachsenhausen

Erkenntnisse aus den Verfahren gegen SS-Täter bilden die wichtigste Quelle für die 1999 eröffnete Dauerausstellung zur Geschichte des Lagergefängnisses im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen.
Fotos, Zeichnungen und Dokumente sowie Biografien ehemaliger Häftlinge des Zellenbaus informieren über die Geschichte und Funktion dieses KZ-Bereichs. Bestandteil der Neukonzeption ist ein zwei Zellen umfassender Bereich für Wechselausstellungen, die einzelnen Häftlingen oder Häftlingsgruppen des Zellenbaus gewidmet sind.

Bei der Erarbeitung der neuen Dauerausstellung war es ein zentrales Anliegen, den originalen Charakter des Gebäudes zu erhalten. Daher wurden nur sechs von insgesamt 26 Zellen des noch vorhandenen Gebäudeflügels für Ausstellungszwecke genutzt. Die Ausstellungselemente
wurde so zurückhaltend gestaltet, dass der Charakter der Gefängniszellen möglichst erhalten bleibt: An den Wänden dreier Zellen befinden sich schmale Pulte und in einer Doppelzelle ist ein Vitrinenband angebracht. Eine weitere Zelle enthält eine Modell, das den ursprünglichen Zustand des Gebäudes vergegenwärtigt.


In der Zelle I wird die Geschichte des Gebäudes von 1936 bis 1961 dargestellt. Für die Häftlinge des KZ Sachsenhausen waren der Zellenbau und sein vom übrigen Lager abgetrennter Hof Orte unvorstellbarer Leiden.
Dieser Bereich diente der SS als Straf- und Arrestbereich für die Häftlinge des Lagers. Außerdem hielt die Berliner Gestapo-Zentrale im Zellenbau Untersuchungs- und Sonderhäftlinge in Einzelhaft.

In der Zeit des sowjetischen Speziallagers Nr. 7 / Nr. 1 (1945-1950) nutzte die sowjetische Kommandantur das Lagergefängnis hauptsächlich für Arreststrafen und zeitweise als Quarantäne- und Sammelblock.

Vom Lagergefängnis mit seinen ursprünglich rund 80 Zellen war ein Flügel als Ruine erhalten geblieben, der bei der Errichtung der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte 1961 instand gesetzt und museal gestaltet wurde.


Thema in Zelle II sind die so genannten "Lagerstrafen", die im Zellenbau von der SS vollstreckt wurden. Hier führte die SS Strafen für Verstöße gegen die Lagerordnung durch - Dunkelarrest, Prügelstrafen, Pfahlhängen und zeitweise auch Erhängungen. Die SS sperrte auch solche Häftlinge in den Zellenbau ein, die sie fernab von aller Beobachtung quälen und töten oder zum Selbstmord zwingen wollte. Zahlreiche Erinnerungsberichte belegen, dass die Häftlinge im Zellenbau von den SS-Männern weit über das offizielle Strafmaß hinaus gequält wurden und zudem der Willkür der Blockführer und SS-Wachmannschaften ausgesetzt waren.

In Zelle III geht es um das Schicksal der Untersuchungs- und Sonderhäftlinge der Gestapo, das an fünf exemplarischen Beispielen dargestellt wird. Vorgestellt werden der Kommunist Herbert Nicolai, der Hitler-Attentäter Georg Elser, der polnischen Weihbischof Wladyslaw Goral, der französischen Ministerpräsidenten Paul Reynaud sowie der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Martin Luther.

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