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„Von der Sachsenburg nach Sachsenhausen. Bilder aus dem Fotoalbum eines KZ-Kommandanten“

Am 27. August 2006 wurde in der Gedenkstätte und dem Museum Sachsenhausen die Sonderausstellung „Von der Sachsenburg nach Sachsenhausen. Bilder aus dem Fotoalbum eines KZ-Kommandanten“ eröffnet, die an die Gründung des KZ Sachsenhausen vor 70 Jahren erinnert.

Die Ausstellung präsentiert erstmals rund 200 Aufnahmen aus dem dienstlichen Fotoalbum des ersten Kommandanten von Sachsenhausen, Karl Otto Koch, das die Gedenkstätte in den Archiven des russischen Geheimdienstes fand. Aus dem Blickwinkel der SS-Täter wird darin nicht nur die Errichtungsphase des KZ Sachsenhausen dokumentiert, sondern auch der Aufbau des KZ-Systems in Deutschland von 1933 bis Juli 1937. Das Album mit insgesamt rund 500 Aufnahmen aus der Zeit zwischen Frühjahr 1933 und Sommer 1937 dokumentiert den Aufstieg Kochs vom SS-Führer zum Fachmann für die Reorganisation und den Neuaufbau von Konzentrationslagern. Das Album wurde vermutlich als Geschenk zu Kochs 40. Geburtstag 1937 angelegt.

Die Aufnahmen zeigen Koch als Kommandanten der Konzentrationslager Hohnstein, Sachsenburg, Columbia und Esterwegen, die er nach den im KZ Dachau von seinem Förderer, dem „Inspekteur der Konzentrationslager, Theodor Eicke, entwickelten Prinzipien der totalen Beherrschung der Häftlinge reorganisierte. Mit dem Aufbau des als Modell- und Schulungslager geplanten KZ Sachsenhausen ab Sommer 1936 begann eine völlig neue Phase der Konzentrationslager, die nach der Ausschaltung der innenpolitischen Opposition zu Instrumenten der rassischen und sozialen Verfolgung, der Bevölkerungspolitik und der Kriegsvorbereitung werden. In nur einem Jahr roden die Häftlinge – die Belegungsstärke steigt zwischen September 1936 und Juli 1937 von 900 auf rund 3000 Häftlinge an – etwa 80 Hektar Wald und errichten mehr als 100 Gebäude. Neben dem Häftlingslager entstehen die Kommandantur, das SS-Truppenlager, ein Industriehof sowie mehrere Wohnsiedlungen für die Familien der SS-Führer.

Die Ausstellung präsentiert die Bilder im vereinheitlichten Format 18 x 24 cm. An einer PC-Station können die Besucher sich durch die digitalisierten Seiten des Originalalbums blättern, das aufgrund des Konflikt um „Beutekunst“ zwischen Deutschland und Russland nicht gezeigt werden kann. An zwei Hörstationen erzählen ehemalige Häftlinge aus der Zeit von 1936/37 über ihre Erfahrungen während des Aufbaus von Sachsenhausen.

Die Bilder sind nicht nur von einem außerordentlich hohen wissenschaftlichen Erkenntniswert im Hinblick auf die Formierung des KZ-Systems und die Aufbauphase des KZ Sachsenhausen, von der bisher überhaupt keine Bilder existierten. Das gilt übrigens auch für einige der anderen frühen Lager. Was die Bilder des Dienstalbums von Koch von allen bisher bekannten Bildquellen unterscheidet, ist der unmittelbare, durch keine Inszenierung verfremdete Blick auf das Selbstbild der Konzentrationslager-SS. Die Bilder zeigen, wie Menschen von der SS im Konzentrationslager zu Untermenschen abgerichtet werden. Dem gegenüber steht das zynische, lustvoll ausgelebte Herrenmenschentum der SS, das äußerlich von Sauberkeit, Disziplin und Ordnung geprägt ist. In der Ausstellung werden dieser Perspektive der Täter Berichte von ehemaligen Häftlingen entgegengestellt, die auf die Bilder Bezug nehmen und diese konterkarieren.

Im November 2007 erscheint im METROPOL VERLAG im Rahmen der Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten ein umfangreicher Katalog mit mehr als 200 Abbildungen und Beiträgen von Dr. Carina Baganz, Wassilij Stepanowitsch Christoforov, Kurt Buck, Dr. Insa Eschebach, Habbo Knoch, Prof. Dr. Günter Morsch, Dr. Johannes Tuchel, Dr. Christl Wickert und Ute Wrocklage.

Die Ausstellung ist bis zum 28. Oktober 2007 im Neuen Museum der Gedenkstätte Sachsenhausen zu sehen.