Sonderausstellung
"Von der Sachsenburg nach Sachsenhausen. Bilder aus dem Fotoalbum eines KZ-Kommandanten"

Konzentrationslager Columbia

Die ehemalige Militärarrestanstalt am Nordrand des Tempelhofer Flughafens wurde seit Mitte 1933 als Gestapo-Gefängnis genutzt, seit dem 27. Dezember 1934 als „Konzentrationslager Columbia“. Karl Otto Koch war zwischen April 1935 und Ende März 1936 Kommandant des KZ Columbia. Die in dieser Zeit entstandenen Fotos sind sorgfältig arrangierte Selbstdarstellungen der Lager-SS. Sie zeigen nicht die Realität der Gefangenenmisshandlung und der Unterernäherung, sondern einen scheinbar militärisch straffen Haftvollzug. Die Häftlinge auf den Fotos sind gut gekleidet, erhalten ausreichend Nahrung und genießen offensichtlich ihre Freizeit im sommerlichen Gefängnishof. Tatsächlich aber war das KZ Columbia im Sommer 1935 ein Ort systematischen Terrors gegen Häftlinge, vor allem gegen politische Gegner, Homosexuelle und so genannte „Berufsverbrecher“. Zwischen 1933 und der Auflösung Ende Oktober 1936 waren im KZ Columbia rund 8.000 Gefangene inhaftiert.

Strenge Einzelhäftlinge im Konzentrationslager Columbia August 1935Da wurde auf den Gängen gehüpft, da wurde gerollt. Unter der Parole „Auf die Bäume ihr Affen“ mussten Bäume erklettert werden, wobei das Seitengewehr oder ein Kolben den nötigen Nachdruck gab. Manchmal handelte es sich um alte und gebrechliche Leute, die einfach zusammenbrachen und laut schrieen. Sie wurden dann in eine Ecke geworfen und waren am nächsten Tage nicht mehr da. Sie haben sich selbst entlassen, hieß es dann lakonisch.

Werner Peuke, 1945

 

 

 

Strenge Einzelhäftlinge im K[onzentrations]L[ager]C[olumbia] August 1935
[Originalunterschrift] 1935

 

Gefangenen mit dem Vermerk „Einzelhaft” war jeder Kontakt mit anderen Gefangenen verboten. Links ist der Gewerkschaftsfunktionär und sozialdemokratische Widerstandskämpfer Max Urich zu sehen, die drei anderen Gefangenen sind unbekannt. Max Urich war zwischen Mai 1935 und Februar 1936 im KZ Columbia, danach bis 1939 in den KZ Sachsenburg und Buchenwald inhaftiert. 1944 erneut verhaftet, konnte er den Krieg überleben.

© Föderaler Sicherheitsdienst Russlands/Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

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Koch und das Selbstbild der Konzentrationslager-SS