Konzentrationslager Sachsenhausen (1936-1945)

"Konzentrationslager der Reichshauptstadt"

Zwar hatte auch das KZ Oranienburg schon als Konzentrationslager für die Reichshauptstadt Berlin gedient, wegen der Nähe zu Berlin und der dort ansässigen Zentrale der Gestapo wuchs dem KZ Sachsenhausen aber eine noch bedeutendere Stellung im System der Konzentrationslager zu. Hier wurden nicht nur SS-Leute wie der spätere Auschwitz-Kommandant Rudolf Höß, der 1938 in Sachsenhausen Schutzhaftlagerführer war, für spätere Aufgaben geschult und vorbereitet, sondern hierhin wurde 1938 auch mit der bis dahin in Berlin ansässigen "Inspektion der Konzentrationslager" die Verwaltungszentrale des gesamten KZ-Systems verlegt, für die Häftlinge des KZ Sachsenhausen einen wegen seines Grundrisses als "T-Gebäude" bezeichneten Neubau errichten mussten. Zum 388 Hektar umfassenden SS-Komplex in Oranienburg gehörten darüber hinaus umfangreiche Wohnsiedlungen für die höheren SS-Dienstgrade und ihre Familien sowie das ab 1938 an der Lehnitzschleuse errichtete Außenlager "Klinkerwerk". In zeitgenössischen Publikationen trägt Oranienburg den Beinamen "Stadt der SS".

Im Zellenbau des KZ Sachsenhausen sperrte die Berliner Gestapo Sonderhäftlinge ein wie den Bekenntnispfarrer Martin Niemöller, den Hitler-Attentäter Georg Elser oder Herschel Grynszpan, dessen Anschlag auf einen deutschen Botschaftsrat in Paris von der NS-Propaganda zum Anlass des Judenpogroms vom November 1938 erklärt wurde. In vier 1941 errichteten Sonderhäusern wurden ehemalige Regierungschefs besetzter Staaten wie der österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg und andere prominente Häftlinge, deren Aufenthaltsort nicht bekannt werden sollte, unter falschen Namen mit ihren Familien untergebracht. Das Krankenrevier des KZ Sachsenhausen schließlich diente 1944 der "Sonderkommission 20. Juli" als Haftlazarett, in dem Hitler-Gegner wie Hans von Dohnanyi, Hasso von Boehmer, Carl Hans von Hardenberg und Siegfried Wagner, die in der Haft erkrankt oder nach Selbsttötungsversuchen schwer verletzt waren, für weitere Vernehmungen oder ihre Hinrichtung wiederhergestellt werden sollten.

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idealtypisches Modelllager
"Konzentrationslager der Reichshauptstadt"
Häftlingsgesellschaft
Zwangsarbeit
Opfer
Evakuierung, Todesmärsche und Befreiung