Konzentrationslager Sachsenhausen (1936-1945)

Evakuierung, Todesmärsche und Befreiung

Im KZ Sachsenhausen und seinen etwa 100 Außenlagern waren Anfang 1945 etwa 80.000 Menschen - Männer, Frauen und Kinder - inhaftiert, davon etwas 58.000 im Stammlager in Oranienburg. Als die Rote Armee die Oder erreicht hatte, befahl der Lagerkommandant am 1. Februar 1945, Vorbereitungen zur Räumung zu treffen. Daraufhin wurden als besonders gefährlich geltende Häftlinge, vor allem sowjetische und britische Offiziere, sowie als marschunfähig ausgesonderte Häftlinge im Industriehof des Lagers ermordet.

Auch bei der Evakuierung der östlich gelegenen Außenlager in das Stammlager wurden zahlreiche Häftlinge ermordet. In den folgenden Wochen verlegte die SS Tausende von Häftlingen in westlich gelegene Lager wie Mauthausen in Österreich oder Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide. Gleichzeitig trafen in großer Zahl vorwiegend jüdische Häftlinge aus Auschwitz oder direkt aus Ungarn in Sachsenhausen ein. Die Häftlinge der Berliner Außenlager wurden erst unmittelbar vor der Evakuierung des Stammlagers nach Oranienburg transportiert.

Die Räumung des KZ Sachsenhausen begann in den Morgenstunden des 21. April 1945. 33.000 der noch verbliebenen 38.000 Häftlinge wurden in Gruppen von 500 Häftlingen nach Nordwesten in Marsch gesetzt. Bei nasskaltem Wetter starben viele Häftlinge an Entkräftung oder wurden von der SS erschossen. Auf unterschiedlichen Strecken gelangten die Kolonnen in den Raum Wittstock. Im nahen "Belower Wald" wurden ab dem 23. April 1945 in einem großen Lager mehr als 16.000 Häftlinge zusammengezogen (Museum des Todesmarsches). Ab dem 29. April wurde das Waldlager aufgelöst, und die Häftlinge erreichten auf unterschiedlichen Wegen den Raum zwischen Parchim und Schwerin, wo sie, inzwischen von ihren SS-Bewachern verlassen, auf Einheiten der Roten Armee und der US Army trafen.

Das Stammlager in Oranienburg, wo 3.000 marschunfähige Häftlinge und Pfleger im Krankenrevier zurückgeblieben waren, wurde am 22. April 1945 von sowjetischen und polnischen Soldaten befreit. In den folgenden Wochen starben noch mindestens 300 ehemalige Häftlinge an den Folgen der KZ-Haft. Sie wurden in sechs Massengräbern an der Lagermauer im Bereich des Krankenreviers bestattet Die Gräber gerieten später in Vergessenheit und wurden erst 1995 wiederentdeckt und in einen würdigen Zustand versetzt.

Mehr Informationen:

Konzentrationslager Sachsenhausen (1936-1945)
idealtypisches Modelllager
"Konzentrationslager der Reichshauptstadt"
Häftlingsgesellschaft
Zwangsarbeit
Opfer
Evakuierung, Todesmärsche und Befreiung