Konzentrationslager Oranienburg 1933/34

KZ inmitten der Stadt

"Das Gebäude war reichlich groß, vorne mit Tor und Mauer, auf der hinteren Seite lediglich mit Spanischen Reitern gegen die Außenwelt abgesperrt, die unmittelbar daneben schon begann. Denn ringsherum waren die Häuser Oranienburgs, so dass das Lager eigentlich inmitten der Stadt lag."

Mit diesen Worten hielt Henry Marx, ein junger Berliner Journalist, in seinem Tagebuch eine Besonderheit des Konzentrationslagers Oranienburg fest, in dem er 1934 für zwei Wochen eingesperrt war. Die Oranienburger SA-Standarte 208 hatte das KZ am 21. März 1933 in den verlassenen Räumen einer ehemaligen Brauerei errichtet. Wenig später hatte es vom Regierungspräsidenten in Potsdam die staatliche Anerkennung erhalten. Es lag an der belebten Ausfallstraße nach Berlin, dem Amtsgericht und einem beliebten Vergnügungslokal gegenüber, zwischen Handwerksbetrieben, Mietshäusern und einer Eigenheimsiedlung.

Das verlassene Fabrikgelände wurde zunächst zu einem primitiven Lager für bis zu 700 Häftlinge ausgebaut. Die Lagerverwaltung bestand zunächst aus 14, im Sommer 1933 bereits aus doppelt so vielen SA-Funktionären. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich die Zahl der SA-Wachmannschaften von 50 auf 170. Das Lagerpersonal agierte als "Hilfspolizei" zusammen mit regulären Polizeibeamten. Das Lager wurden von verschiedenen staatlichen Instanzen nicht nur anerkannt, sondern auch finanziell gefördert und administrativ beaufsichtigt. Schließlich waren es mit den Bürgermeistern und Landräten Repräsentanten der kommunalen Verwaltung, die die Einweisung der meisten Häftlinge in das Lager verfügten.

Weitere Informationen:

Konzentrationslager Oranienburg 1933/34
KZ inmitten der Stadt
Haftort für Regime-Gegner aus Berlin
Lageralltag
Propaganda
Auflösung des Lagers