Das erste Konzentrationslager Preußens in der Kreisstadt Oranienburg
bei Berlin nahm bei der Verfolgung von tatsächlichen und potentiellen Gegnern
des sich etablierenden NS-Regimes in der Reichshauptstadt eine Schlüsselstellung
ein. Nach der staatlichen Anerkennung des KZ Oranienburg wurden auf Weisung
des Potsdamer Regierungspräsidenten die kleineren Lager im Regierungsbezirk
beschlossen und deren Insassen nach Oranienburg überführt. Unter den
Häftlingen waren Abgeordnete des Reichstages und des Preußischen
Landtages, führende Mitarbeiter des Berliner Rundfunks und zahlreiche Intellektuelle.
Waren es zu Anfang fast ausschließlich Kommunisten, so kam ab Juni/Juli
1933 auch eine geringe Anzahl Sozialdemokraten hinzu. Einige Häftlinge
gehörten den Mitte- und Rechtsparteien an wie der Deutschen Zentrumspartei
oder der Deutschnationalen Volkspartei. Vereinzelt stammten Häftlinge sogar
aus dem "Stahlhelm", der NS-Betriebszellenorganisation oder aus der
NSDAP. Letztere erhielten jedoch als "Ehrenhäftlinge" privilegierte
Haftbedingungen. Mit 735 Häftlingen erreichte die Belegung des Lagers im
Dezember 1933 ihren Höhepunkt. Insgesamt waren im KZ Oranienburg 3.000
Männer und drei Frauen inhaftiert.