Das Sowjetische Speziallager Sachsenhausen Nr. 7/ Nr. 1 (1945-1950)

Internierte und Verurteilte

Dem Doppelcharakter der sowjetischen Speziallager als Mittel zur Sicherung der Besatzungsmacht und Teil des stalinistischen Terrorsystems entsprach die sehr unterschiedliche Zusammensetzung der Häftlinge im Speziallager Sachsenhausen. Unter den Häftlingen befanden sich tatsächliche oder vermeintliche Gegner des Sowjetsystems, von denen viele bereits vom NS-Regime verfolgt worden waren wie z. B. Max Emmendörfer, der als Kommunist 1936/37 im KZ Sachsenhausen inhaftiert gewesen war. 1942 lief er als Soldat an der Ostfront zur Roten Armee über und schloss sich dem "Nationalkomitee Freies Deutschland" an. Nach seiner Rückkehr nach Berlin im Frühsommer 1945 wurde er als angeblicher Gestapo-Spitzel verhaftet und in das Speziallager Sachsenhausen verschleppt. Von dort wurde er 1947 in die Sowjetuniongebracht, aus der er erst 1956 in die DDR zurück kehren konnte.

Andere waren auf Grund von Denunziationen oder bloßer Willkür verhaftet worden. So kamen 1946 beispielsweise 38 Jugendliche aus der thüringischen Kleinstadt Greußen ins Lager, die von einem geltungssüchtigen Kommunisten als "Werwölfe" denunziert und von einem sowjetischen Militärgericht verurteilt worden waren. Sie wurden selbst dann nicht entlassen, als der Denunziant wegen erwiesener Unhaltbarkeit seiner Anschuldigungen von einem DDR-Gericht verurteilt wurde. Nur 14 der Jugendlichen überlebten die Haft.

Eine andere Häftlingsgruppe waren Prominente und Künstler, die für die Propaganda oder die Kriegspolitik des NS-Regimes gearbeitet hatten. Einer von ihnen war der populäre Schauspieler und Intendant des Berliner Schiller-Theater Heinrich George, der 1946 im Lager starb. Der Trickfilmpionier Hans Fischerkösen, der Lehrfilme für die Wehrmacht produziert hatte, war von 1945 bis 1948 im Speziallager Sachsenhausen interniert.

Neben einer Vielzahl von kleineren und mittleren Funktionären der NSDAP und ihrer Gliederungen befanden sich auch Angehörige der nationalsozialistischen Terrorapparate im Lager. Aufseherinnen des Frauen-KZ Ravensbrück und Angehörige des Kommandanturstabes des KZ Sachsenhausen waren im Speziallager Nr. 7/ Nr. 1 inhaftiert. Der erste Leiter der 1944 im KZ Sachsenhausen eingesetzten Sonderkommission der Gestapo, Carl August Rikowski, kam im Februar 1949 im Lager ums Leben. Außerdem befanden sich NS-Täter im Lager, die sich an NS-Massenmorden beteiligt hatten, wie Medizinprofessor Hans Heinze, der als Leiter der Psychiatrischen Landesanstalt Brandenburg-Görden zwischen 1938 und 1945 maßgeblich an der Planung und Durchführung der "Kinder-Euthanasie", des "Krankenmordes an Kindern" beteiligt war.

Weitere Informationen:

Sowjetisches Speziallager Sachsenhausen
Vorgeschichte
Errichtung des Speziallagers Nr. 7 / Nr. 1
Multifunktionalität des Lagers
Entlassungen und Auflösung
Internierte und Verurteilte
Leben und Sterben im Lager
Ende des Schweigens
Museum "Sowjetisches Speziallager"