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Neue pädagogische Angebote in der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

Erweiterte pädagogische Angebote
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Die Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen erarbeitet zurzeit im Rahmen des Projekts "Erinnerungspädagogik für die Zukunft gestalten" neue pädagogische Angebote für verschiedene Ziel- und Altersgruppen. Für Studientage und mehrtägige Seminare suchen wir einzelne Gruppen, die Interesse haben, in der spannenden Erprobungsphase an diesen Seminaren teilzunehmen.

Im Mittelpunkt stehen immer der historische Ort und die Geschichte des Konzentrationslagers. Eine Ortsbegehung ist wesentlicher Bestandteil jedes Seminars.

Schwerpunkt der neuen Angebote ist zum einen die Kompetenzvermittlung historischen Lernens: Forschendes Lernen am historischen Ort und im Museum soll über Quellen (Fotos, Zeichnungen, Fundstücke) den Zugang zum Thema ermöglichen. Zum anderen sollen Aspekte der Geschichte des Konzentrationslagers Sachsenhausen auch im Kontext der Geschichte des 20. Jahrhunderts und gegenwartsrelevanter Fragestellungen vermittelt werden, ohne dabei die Geschichte des Konzentrationslagers aus den Augen zu verlieren (z.B. schwarze Häftlinge und Kolonialdiskurs, verfolgte Sinti und Roma und Antiziganismus u.ä.). Schließlich werden auch allgemeine Fragen des Gedenkstättenbesuchs (z.B. "Wozu soll man gedenken? Und wie?") unter pädagogischer Begleitung mit Teilnehmenden intensiver diskutiert sowie kulturpädagogische und projektorientierte Herangehensweisen in Mehrtagesveranstaltungen verstärkt.
Das pädagogische Angebot ist modular aufgebaut. Die einzelnen Module sind kombinierbar. Alle Seminare können entsprechend den Interessen der Teilnehmenden gestaltet werden. Das betrifft die inhaltliche Ausrichtung ebenso wie die Dauer der Seminare. Alle Seminare sind für Teilnehmende ab 15 Jahren geeignet. Für Seminare sollten Gruppen einen ganzen Tag, mindestens aber 5 Stunden mitbringen. Vorkenntnisse sind in der Regel nicht erforderlich, eine Vorbereitung der Teilnehmenden ist aber förderlich.

Selbstverständlich sind neben den neu entwickelten pädagogischen Angeboten weiterhin auch alle bisher angebotenen Projekte und Seminare buchbar.

Wenn Sie Interesse an dem Seminarangebot haben, beraten wir Sie gerne.

Das Projekt "Erinnerungspädagogik für die Zukunft gestalten" wird durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Landes Brandenburg gefördert.



Überblicksseminare mit verschiedenen methodischen Schwerpunkten

Archäologische Fundstücke - eine Spurensuche zum Alltag im KZ Sachsenhausen
Fundstücke, die im Bereich der Gedenkstätte archäologisch erschlossenen wurden, eignen sich in besonderer Weise zum forschenden Lernen. Im Rahmen des Seminarmoduls nähern sich die Teilnehmenden über diese Objekte dem historischen Ort und den konkreten Lebensbedingungen der Häftlinge: Hunger, Krankheit, Zwangsarbeit, Lagerhierarchien und Selbstbehauptung. Indem die Objekte als "Zeugen der Geschichte" ernst genommen und befragt werden, dienen sie nicht nur als Anschauungsmaterial. Vielmehr werfen sie selbst Fragen an die Geschichte auf, die schließlich von den Teilnehmenden durch eigene Recherchen und Quellenarbeit beantwortet werden.
Dauer: mind. 5 Stunden

Fotos als Quelle - eine fotohistorische Annäherung an das KZ Sachsenhausen
Aus dem KZ Sachsenhausen sind zahlreiche Fotografien erhalten. Im Seminar werden die Teilnehmenden zu "Forschenden", indem sie die Bildquellen als Ausgangspunkt nehmen, um die Geschichte des Lagers zu erschließen. Zunächst wird bildanalytisch gefragt, wie, wann und wo diese Bilder entstanden sind, aus welcher Perspektive sie auf das Dargestellte blicken und wofür sie genutzt wurden. Erinnerungsberichte von Überlebenden, historische Dokumente und Informationen zum Entstehungskontext helfen, die an das Bild gestellten Fragen zu beantworten. In Anlehnung an die Forschungstätigkeit des/r Historikers/in entsteht so ein Mosaik von Bildern der Geschichte Sachsenhausens. Die Bildanalyse fördert zugleich historisches Bewusstsein und kritische Medienkompetenz.
Dauer: mind. 5 Stunden

Zeichnungen als Quelle - Selbstzeugnisse der KZ-Häftlinge als Beweis und Überlebensmittel
Viele Häftlinge zeichneten während ihrer Haft heimlich Szenen des Lageralltags. In den Zeichnungen kommen die individuellen Erfahrungen der Häftlinge zum Ausdruck: Zwangsarbeit, Gewalt, Hunger, aber auch Freundschaft und gegenseitige Unterstützung. Was motivierte sie, dafür oft große Gefahren auf sich zu nehmen? Wie konnten die Zeichnungen erhalten bleiben? Und was sagen sie uns über die Situation im Lager? Im Seminar sind diese Quellen Ausgangspunkt der selbstständigen Beschäftigung der Teilnehmenden mit der Geschichte des Ortes, der Zeichner und ihrer Geschichte. Sie vermitteln - vor dem Hintergrund des damaligen Verbots im Lager zu fotografieren - oft wichtige Informationen über den Alltag im KZ Sachsenhausen.
Dauer: mind. 5 Stunden

Häftlinge des KZ Sachsenhausen - Arbeit mit Biografien
Die Nationalsozialisten verfolgten Menschen aus ganz unterschiedlichen Gründen: aus politischen, rassistischen, antisemitischen oder sozialhygienischen. Entsprechend klassifizierten und markierten sie die Häftlinge im KZ in Häftlingsgruppen, angelehnt an gesellschaftlich verbreitete Stereotype. Anliegen des Seminars ist es, die Vielschichtigkeit der Häftlinge im KZ und ihre unterschiedlichen Verfolgungskontexte deutlich zu machen. Die Beschäftigung mit Biografien und Erinnerungsberichten bietet zum einen die Möglichkeit empathischer Annäherung an die Lebensgeschichte eines Menschen. Zum anderen werden mittels der Biografien übergreifende Fragen thematisiert (Rassismus, eugenische Bewegung, Antisemitismus, etc.). So können bekannte wie auch unbekannte Häftlingsgruppen und der Kontext ihrer Verfolgung im Nationalsozialismus (wie u.a. Roma und Sinti, Befristete Vorbeugehäftlinge, schwarze und muslimische Häftlinge, etc.) thematisiert werden.
Dauer: mind. 5 Stunden


Seminare mit thematischen Schwerpunkten

Roma und Sinti im KZ Sachsenhauen
Sinti und Roma sind als NS-Verfolgte lange Zeit kaum beachtet worden. Erst 2012 wurde in Berlin ein zentrales Denkmal für im Nationalsozialismus ermordete Roma und Sinti eingeweiht. Zugleich sind Roma auch heute noch Benachteiligung, Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt. Im Seminar steht die Geschichte des KZ Sachsenhausen als Ort der Verfolgung im Vordergrund. Eine der Dauerausstellungen der Gedenkstätte befasst sich aber auch allgemein mit der Geschichte der Verfolgung von Sinti und Roma im Nationalsozialismus. Auf welche Stereotype konnte die Verfolgung von Sinti und Roma aufbauen und welche Vorläufer gab es in der Weimarer Republik? In welchen Etappen verliefen Ausgrenzung, Entrechtung und Verfolgung der Sinti und Roma in der NS-Zeit? Wer waren die nach Sachsenhausen Deportierten? Den Schwerpunkt des Seminars bilden die Biografien der Verfolgten. Darüber hinaus können auch Beispiele von aktuellem Antiziganismus zum Thema gemacht werden.
Dauer: 1-3 Tage

Schwarze Häftlinge im KZ Sachsenhauen
Wie hängen die deutsche Kolonialgeschichte und der Nationalsozialismus zusammen? Wie wirkten sich die Kolonialpläne der Nationalsozialisten auf die Situation von Schwarzen in Deutschland aus? Vor dem Hintergrund aktueller Debatten um die nicht verarbeitete koloniale Geschichte und die Verbindungen zwischen Kolonialismus und Nationalsozialismus rückt auch das Verfolgungsschicksal schwarzer Menschen im Nationalsozialismus stärker in den Fokus. Wie in vielen anderen Konzentrationslagern waren auch im KZ Sachsenhausen einige wenige Schwarze inhaftiert. Im Seminar wird das Schicksal dieser Menschen anhand von Biografien nachgezeichnet. Vor dem Hintergrund ihrer Lebensgeschichten lassen sich verschiedene Formen von Rassismus und deren jeweiligen Konsequenzen für die Betroffenen herausarbeiten. Daran lässt sich zeigen, dass sich im Nationalsozialismus widersprechende Interessen (Kolonialinteressen vs. sozialhygienische Absichten) gegenüberstanden. Das Seminar ist kombinierbar mit einer thematischen Stadterkundung zur deutschen Kolonialgeschichte in Berlin.
Dauer: 2 Tage

Die Inspektion der Konzentrationslager
Die jüngst eröffnete Dauerausstellung zur Inspektion der Konzentrationslager in Oranienburg bietet zahlreiche Möglichkeiten, sich mit der zentralen Steuerung aller Konzentrationslager durch die seit 1938 im KZ-Komplex Sachsenhausen angesiedelte SS-Behörde zu befassen. Im Rahmen des Seminars werden ideologisch und politisch motivierte Entscheidungen, sich verändernde Rahmenbedingungen, das Verwaltungshandeln und Zusammenspiel der staatlichen Behörden und der SS sowie die Lebensbedingungen der Häftlinge im Konzentrationslager im Verhältnis betrachtet. Die Teilnehmenden diskutieren über individuelle Verantwortung, Ideologie, sich verändernde Werterahmen und Entscheidungsstrukturen in modernen Verwaltungen.
Dauer: 6-8 Stunden


Mehrtagesseminare/ Projektlernen

"KunstRaumErinnerung" - kulturpädagogische Seminare
Die Aneignung der Geschichte während eines Gedenkstättenbesuchs ist auch durch Emotionen, sinnliche Wahrnehmungen oder persönliche Fragen geprägt, die oft nur schwer artikuliert werden können. Die im Projekt "KunstRaumErinnerung" (2007-2010 in der Gedenkstätte Sachsenhausen) entwickelte Verbindung von kulturpädagogischen Ansätzen mit historischem Lernen gibt diesen Fragen durch künstlerisch-kreative Herangehensweisen Raum. Zu den Methoden gehören beispielsweise die Zeichnung eines Comics, die fotografische Betrachtung des Ortes durch Lochbildkameras, das Schreiben eigener Texte, die Erstellung von Soundcollagen oder die gestalterische Auseinandersetzung mit dem Ort. In mehrtägigen Seminaren bildet eine solche Herangehensweise den Rahmen für forschendes Lernen am historischen Ort und in den Ausstellungen. Das mehrtägige Seminar wird von je einem/r Kultur- und einem/r Gedenkstättenpädagogen/in gemeinsam angeleitet.
Dauer: 3-5 Tage

Geschichte vor Ort erforschen - Projektwoche zu einem Außenlager des KZ Sachsenhausen
In den 1940er Jahren wurden in Berlin und Brandenburg zahlreiche kleinere und größere Außenlager des KZ Sachsenhausen errichtet. Über viele dieser Lager ist bis heute immer noch wenig bekannt. Wir wollen Schüler/innen dazu ermutigen, diese Geschichte "vor ihrer Haustür" zu erkunden. Im Rahmen einer Projektwoche oder unterrichtsbegleitender Workshops unterstützen wir sie bei der selbstständigen Forschung. Eigene Forschungen werden durch eine Einführung in die Themen Zwangsarbeit und KZ-Außenlager im Nationalsozialismus vorbereitet. Recherchen in der Gedenkstätte Sachsenhausen, aber auch Tipps zur Nutzung anderer Archive und zum Gespräch mit Expert/innen sind Teil des Projektes. Ergebnis des Projekts könnte z.B. eine öffentliche Präsentation, ein Zeitungsartikel, ein Gedenkzeichen vor Ort oder die Fortführung der Recherchen im Rahmen von Geschichts-AGs sein. Für Teile der Durchführung bietet sich die Jugendbegegnungsstätte an.
Dauer: je nach Projektumfang, mind. 1 Woche oder unterrichtsbegleitend


Zusatzmodul "Gedenken"

"... und wenn ich nichts fühle?" - Trauern, Erinnern und Gedenken heute
Das Seminar thematisiert die Gedenkstätte als Ort des Erinnerns und Gedenkens und regt die Seminarteilnehmer/innen zur eigenen Haltung an: Sind Emotionen an einem Gedenkort wichtig? Kann man Trauer empfinden, wenn man die Opfer nie gekannt hat? Ist Gedenken eine Haltung, ein Gefühl, eine Tätigkeit...? Wozu gedenken wir überhaupt? Was bedeutet Erinnerungskultur? Die Teilnehmenden lernen Beispiele des Gedenkens aus verschiedenen kulturellen Kontexten kennen und überlegen, wo und warum verschiedene Formen der Bezugnahme auf die Geschichte für sie selbst wichtig sein könnten. Dieses Modul stellt Bezüge zur heutigen Lebenswelt her, die mit dem Ort Sachsenhausen und dem historischen Thema verknüpft sind. Das Seminarmodul kann auch zur Vorbereitung eigener Gedenkveranstaltungen dienen oder zur Vorbereitung bzw. als Bestandteil internationaler Jugendbegegnungen/ Schulaustauschprogramme gebucht werden.
Dauer: 3-5 Stunden


Beratung und Anmeldung

Haben Sie noch Fragen oder wollen sich für ein Seminar anmelden? Gerne beraten wir Sie:

Frau Anders (Pädagogik Int. Jugendbegegnungsstätte, Projektmitarbeiterin): Tel. 03301/ 200-203, anders@gedenkstaette-sachsenhausen.de

Frau Stüwe/ Frau Grimm (Besucherdienst): Tel. 03301/ 200-200; Fax: 03301/ 200-201, besucherdienst@gedenkstaette-sachsenhausen.de

Gebühren: einmalig 15€ pro Gruppe (5-15 Teiln.), einmalig 25€ pro Gruppe (16-30 Teiln.).

Internationale Jugendbegegnungsstätte / Jugendherberge Sachsenhausen "Haus Szczypiorski"
Für Gruppen, die mehrere Tage Zeit für den Gedenkstättenbesuch mitbringen, empfehlen wir unseren Kooperationspartner, das Haus Szczypiorski. Unweit der Gedenkstätte bietet das Haus Übernachtungsmöglichkeiten und Verpflegung für bis zu 40 Personen. Seminar- und Medienräume, eine Bibliothek, ein weitläufiges grünes Außengelände und Freizeitangebote bieten optimale Voraussetzungen für Bildung und Entspannung.

Information: Tel: 03301/203396
http://sachsenhausen.djh-berlin-brandenburg.de

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