Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
25. Januar 1896 - 5. September 1948

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Franz Brüning (Quelle: Horst Klein, Strausberg).

Franz Brüning (Quelle: Horst Klein, Strausberg).

“Faschismus oder Sowjetdeutschland” – zu einer öffentlichen Versammlung mit diesem Titel lud die KPD-Ortsgruppe Strausberg im September 1930. Ihren Feind sahen die Strausberger Kommunisten allerdings nicht allein im Nationalsozialismus: In einem vorab zur Versammlung verfassten Artikel betonte KPD-Ortsleiter Franz Brüning, dass die Arbeiterklasse begreifen werde, “daß der Pfahl in das Fleisch der Sozialdemokratie so tief getrieben werden muß, daß die SPD, und mit ihr der Kapitalismus verschwindet”. Klare Worte eines überzeugten Kommunisten. Ein solcher blieb Franz Brüning sein Leben lang – trotz Folter im Konzentrationslager Oranienburg, deren Spätfolgen ihn 1948 das Leben kosteten.

Von Günter Bartsch

Seine Biografie reflektiere die politischen, ideologischen und sozialen Widersprüche und Konflikte seiner Zeit, schreibt Horst Klein über Franz Brüning, der am 25. Januar 1896 als Arbeiterkind in Lebus geboren wurde1. Das trifft schon auf die jungen Jahre des gelernten Gärtners zu, der als Gewerkschafts- und Parteifunktionär regelmäßig in Schwierigkeiten geriet. Maßregelungen am Arbeitsplatz begleiteten sein Engagement, sodass er mehrmals den Beruf wechselte. Brüning war bereits 1912 dem Gärtnerverband beigetreten und hatte nach der Rückkehr als Soldat aus dem Ersten Weltkrieg eine Ortsgruppe des Verbandes in Strausberg organisiert. Nach Maßregelung als Gärtner wechselte Brüning zur Strausberger Schuhfabrik “Max Tack”, einem der größten Arbeitgeber der Stadt. Als Vorsitzender des Betriebsrats und des örtlichen Schuhmacherverbandes wurde er erneut gemaßregelt, wechselte 1926 abermals den Beruf und wurde Maurer. Im selben Jahr brachte seine Frau Emilie, geborene Seyfert, Tochter Rose-Ruth zur Welt.

Nicht weniger konfliktreich verlief Brünings Gewerkschaftsarbeit selbst: Wie er in seinem Lebenslauf schreibt, wählte ihn die Bezirkskonferenz des Schuhmacherverbandes in Berlin als Bezirksleiter – der Hauptvorstand bestätigte die Wahl jedoch nicht2. Auch beim Baugewerksbund erging es Brüning nicht besser: 1930 wurde er aus der Gewerkschaft ausgeschlossen – aufgrund seiner “revolutionären Tätigkeit”, wie Brüning schreibt.

Sein parteipolitisches Engagement begann in der USPD, von der er im Dezember in die von Carl Leuenberg gegründete KPD-Ortsgruppe wechselte. Von 1922 bis 1931 war er der politische Leiter der Strausberger KPD und zugleich von 1924/25 bis 1933 Stadtverordneter und Abgeordneter des Kreistages Oberbarnim sowie Mitglied der KPD-Bezirksleitung Berlin-Brandenburg. Ab 1931 war Brüning hauptamtlicher Instrukteur für den Berliner Bezirk Süd-Ost, später Neukölln, und 1932/33 Sekretär der Unterbezirksleitung der KPD in der Lausitz. Unter den Bedingungen der Illegalität wurde er in das Zentralkomitee der KPD kooptiert. Bis zu seiner Verhaftung im November 1933 leitete er illegal die Organisationsabteilung der KPD Berlin-Brandenburg.

Brüning befand sich bis Juni 1935 in Haft, unter anderem im Konzentrationslager Oranienburg, im Columbiahaus und im Polizeipräsidium Berlin. Anschließend arbeitete er wieder als Maurer, wurde nach eigenen Angaben von NSDAP und Polizei “stark beobachtet”. 1939 sei er zum Militärdienst “eingezogen” worden. Horst Klein schreibt demgegenüber: “Auf Anraten seiner Partei und aus persönlichen Sicherheitsgründen meldete er sich 1939 freiwillig zum Dienst in der Wehrmacht3.” Als ehemaliger Soldat des Ersten Weltkrieges diente Brüning im Dienstgrad Feldwebel im Landesschützen-Bataillon 311 in Berlin.

Wie es ihm im KZ ergangen sein muss, lassen folgende Zeilen aus seinem Lebenslauf erahnen: “Im Januar 1945 erlitt ich ein grösseres Leiden (Magenbluten), und wurde ins Lazarett eingeliefert. Dieses Leiden zog ich mir insbesondere durch die Misshandlungen im KZ-Lager zu4.” Von Januar bis März 1945 befand sich Brüning im Lazarett Meiningen, von wo er sich aus der Wehrmacht absetzte. Als Strausberg befreit wurde, half Brüning beim Wiederaufbau des kommunalpolitischen Lebens, kurzzeitig war er als stellvertretender Bürgermeister, dann als stellvertretender Landrat des Kreises Oberbarnim eingesetzt. Im August 1945 berief ihn die KPD-Führung in die Leitung des Provinzialverbandes Mark Brandenburg. Mit der Gründung der SED im April 1946 wurde er einer der stellvertretenden Vorsitzenden des SED-Provinzialvorstandes beziehungsweise des Landesvorstandes in Potsdam.

Sein Magenleiden führte im Sommer 1948 dazu, dass Franz Brüning bei der Arbeit zusammenbrach. Am 5. September 1948 verstarb er im Krankenhaus Cottbus im Alter von 52 Jahren. Sein Leichnam wurde nach Potsdam überführt und im Sitzungssaal des Landesvorstandes aufgebahrt: “Genosse Friedrich Ebert und Genosse Arthur Wölk übernahmen als erste die Ehrenwache”, ist in einer Biografie nachzulesen5. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Neuen Friedhof in Potsdam.

1 Vgl. Klein, Horst: Franz Brüning – ein kommunistischer Visionär in der Strausberger Geschichte 1896–1948. In: Die Linke.PDS Impulse, Informationen des Stadtverbandes der Linkspartei.PDS Strausberg, Mai 2007. 

2 Vgl. BLHA, Rep. 203, Ministerium des Innern, PA Nr. 111 (Personalakte, 27. Juni 1945). 

3 Klein: Franz Brüning. 

4 Personalakte, 27. Juni 1945. 

5 BLHA, Rep. 530, SED-Bezirksleitung Potsdam, Nr. 8485 (Biografische Skizze von Carmen Märker im Rahmen der Diplomarbeit “Zur politischen Tätigkeit revolutionärer Arbeiterführer und antifaschistischer Widerstandskämpfer (Biographische Skizzen)”, S. 331: “Ein Kämpfer für die Befreiung der Arbeiterklasse – Franz Brüning”, 1978). 

Soziale/Regionale Herkunft: Vater Bergarbeiter; Lebus

Ausbildung/Berufstätigkeit: Volksschule; gelernter Gärtner; in den 1920er Jahren: Schuhfabrik Max Tack; ab 1926 Tätigkeiten als Maurer

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Verband der Gärtner und Gärtnereiarbeiter, Gründer der örtlichen Gewerkschaftsgruppe; Deutscher Baugewerksbund (1930 Ausschluss aufgrund kommunistischer Tätigkeit)

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: zunächst USPD; ab 1920 KPD (1922-31 politischer Leiter), Mitglied der KPD-Bezirksleitung Berlin-Brandenburg, ab 1931 hauptamtlicher Instrukteur für den Berliner Bezirk Süd-Ost, später Neukölln und 1932/33 Sekretär der KPD-Unterbezirksleitung in der Lausitz, 1933 in das KPD-Zentralkomitee kooptiert, bis zur Verhaftung im November 1933 Leiter der KPD-Organisationsabteilung Berlin-Brandenburg (illegal).

Politische Mandate/Aktivitäten: 1924/25-33 Stadtverordneter und Abgeordneter des Kreistages Oberbarnim

Widerstandsaktivitäten: Illegale Tätigkeit als Sekretär der Unterbezirksleitung der KPD in der Lausitz; Leiter der Organisationabteilung der KPD Berlin-Brandenburg

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: November 1933 – Juni 1935: u. a. KZ Oranienburg, KZ Columbiahaus und Polizeipräsidium Berlin

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: Kurzzeitig als stellvertretender Bürgermeister, dann als stellvertretender Landrat im Oberbarnim eingesetzt; ab August 1945 Leiter des KPD-Provinzialverbandes Mark Brandenburg; ab SED-Gründung im April 1946 stellvertretender Vorsitzender des SED-Provinzialvorstandes bzw. des Landesvorstandes in Potsdam

Erinnerungskultur/Ehrungen: Franz-Brüning-Straße in Eberswalde

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