Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
5. März 1903 - ?

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Hans Stahlkopf, ein gelernter Gutssekretär, war seit 1931 SA-Mitglied. Er kam über die SA-Brigade Brandenburg-Ost nach Oranienburg und leitete ab 1933 im Konzentrationslager die Politische Abteilung. Später wurde er im KZ Oranienburg stellvertretender Lagerkommandant. Stahlkopf war für seine Foltermethoden gefürchtet.

Von Jana Rahmlow

Hans Stahlkopf
stellvertretender Lagerkommandant

Familiärer Hintergrund und schulische Bildung (1903-1920)

Hans Stahlkopf wurde am 5. März 1903 in Stettin geboren und evangelisch getauft. Seine Eltern waren der Gastwirt Carl Stahlkopf und dessen Ehefrau Friedchen, geborene Paetow. Stahlkopf besuchte bis zu seinem 17. Lebensjahr verschiedene Bildungsanstalten. Er absolvierte zuerst die Gemeindeschule, später die Realschule und anschließend die Handelsschule der Ältesten der Kaufmannschaft von Berlin. In Stettin war er bei der Firma Büro-Maschinen-Zentrale Müller als Volontär beschäftigt.

Ausbildung und Arbeitszeit (1920-1933)

Stahlkopf schloss sich 1921 für kurze Zeit der Deutschvölkischen Freiheitspartei an und ging 1922 mit der Sturmabteilung Rossbach nach Mecklenburg. Dort bewarb er sich auf dem Gutshof Domäne Schlicht als Gutssekretär. Diese Stellung trat er am 1. Oktober 1923 an, beendete das Arbeitsverhältnis aber bereits am 10. Oktober 1924 wieder. Vom 15. Oktober 1924 bis zum 31. März 1925 nahm er an einem landwirtschaftlichen Verwaltungskursus in Berlin teil. Nach erfolgreicher Beendigung arbeitete er vom 7. Dezember 1925 an fünf Monate auf dem Rittergut Röstchen Uckermark und drei Jahre lang bei der von Langenn Steinkellerschen Güterverwaltung in Birkholz Uckermark. Dort war er unter anderem im Rentamt in Crussow angestellt. Im Oktober 1929 bekam Stahlkopf eine besser dotierte Stelle angeboten und wechselte nach Hammer bei Schönlake in der Grenzmark. Er war dort auf dem Gut Anna Günther als Rechnungsführer und Hofverwalter tätig und wurde im Oktober 1931 wegen einer Betriebsänderung entlassen. Anna Günther beschrieb ihn als „streng national1“.
Am 1. Juni 1930 trat Stahlkopf der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (NSDAP) und 1931 der Sturmabteilung (SA) bei2. In der NSDAP bekam er die Mitgliedsnummer 248546. Vom 1. Juli 1932 bis zum 30. Juni 1933 arbeitete Stahlkopf im Stabe der damaligen Untergruppe der späteren SA-Brigade Brandenburg-Ost in Berlin. Ihm wurde vom Führer der Brigade, Kaul, „große Sorgfalt und Umsicht“ bei der Leitung des Büros attestiert3. 1933 ließ er sich auf eigenen Wunsch aus Karrierregründen ins Konzentrationslager Oranienburg versetzen.

Im Konzentrationslager Oranienburg (1933-1934)

Stahlkopf begann im Juli 1933 seine Arbeit im KZ Oranienburg. Er erwarb das Vertrauen des Kommandanten Werner Schäfer durch seine „erfolgreiche Arbeit“ zunächst als stellvertretender Leiter der Vernehmungsabteilung und ab Oktober 1933 als ihr Leiter. Er erwies sich als „pünktlicher und gewissenhafter SA-Führer“, der in allen Abteilungen für Zucht und Ordnung sorgte4. Seine Gewissenhaftigkeit und Loyalität der NSDAP gegenüber wurde vielen politischen Häftlingen zum Verhängnis.

Nach Schließung des Konzentrationslagers (1934)

Nachdem die SS im Juli 1934 das Lager übernommen und anschließend geschlossen hatte, versuchte Stahlkopf eine Anstellung in Berlin zu finden. Er bewarb sich im August 1934 ohne Erfolg bei der SS-Leibstandarte Adolf Hitlers in Lichterfelde-Ost. Er wurde lediglich für den Bedarfsfall vorgemerkt5. Auch seine Bewerbung auf den freigewordenen Posten des Verwaltungsführers der Reichsnachrichtenschule in Lichtenberg blieb ohne Erfolg.

Stefan Szende, ein ehemaliger Häftling des KZ Oranienburg, beschreibt in seinem Buch “Zwischen Gewalt und Toleranz”, er habe vom Selbstmord Stahlkopfs erfahren, als er 1935 in Luckau einen ehemaligen Wachmann aus Oranienburg traf6. Andere Häftlinge bestätigten diese Aussage.
Demnach nahm sich Hans Stahlkopf Ende 1934 bzw. Anfang 1935 am Grab seiner Mutter das Leben.

1 BArch, Akte ZB II 5781 A24, Zeugnis für Stahlkopf von Anna Günther. 

2 Vgl. ebd., Lebenslauf Stahlkopf. 

3 Ebd., Zeugnis der Brigade Brandenburg-Ost für Stahlkopf. 

4 Ebd., Zeugnisabschrift Schäfers für Stahlkopf. 

5 Vgl. ebd., Absageschreiben vom 14.08.1934, SS-Leibstandarte 

6 Vgl. Stefan Szende: “Zwischen Gewalt und Toleranz”, Frankfurt am Main/Köln 1975, S. 43. 

Soziale/Regionale Herkunft:

Ausbildung/Berufstätigkeit:

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung:

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen:

Politische Mandate/Aktivitäten:

Widerstandsaktivitäten:

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen:

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945:

Erinnerungskultur/Ehrungen:

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