Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
17. März 1903 - 9. Februar 1963

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Karl Mariaschk.
Quelle: PA Susanne Lamprecht (Tochter von Karl Mariaschk).

Karl Mariaschk. Quelle: PA Susanne Lamprecht (Tochter von Karl Mariaschk).

Von Axel Olearius

Karl Mariaschk wurde am 17. März 1903 in Jüterbog in Brandenburg geboren. Sein Vater war Oberlehrer, seine Mutter Hausfrau. Nach achtjähriger Volksschulzeit machte Mariaschk eine Ausbildung zum kaufmännischen Angestellten und arbeitete im Landratsamt Jüterbog. Er war Mitglied im Zentralverband der Angestellten (ZdA) und Vorsitzender des Jüterboger Ortskartells des Allgemeinen freien Angestelltenbundes (AfA-Bund). Die Ortskartelle des AfA-Bundes, dem Dachverband der freien Angestellten-Gewerkschaften, beschäftigten sich vor allem mit sozial- und wirtschaftspolitischen Angelegenheiten ihrer Mitglieder. Tarif- und Lohnfragen blieben hingegen Aufgaben der Einzelgewerkschaften wie dem ZdA. Es ist nicht bekannt, wann Mariaschk seine gewerkschaftliche Tätigkeit begann und wann er der SPD beitrat. Am 22. August 1931 heiratete Karl Mariaschk die 1908 in Luckenwalde geborene Elisabeth Dressler.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verfügte der Landrat des Kreises Jüterbog-Luckenwalde am 24. Juni 1933, dass Karl Mariaschk in „Schutzhaft“ zu nehmen und in das Konzentrationslager Oranienburg zu überstellen sei. Mariaschk hätte sich an „führender Stelle in der SPD und im Reichsbanner betätigt“, und es bestehe die Gefahr, „daß Mariaschk auch nach Auflösung der SPD weiterhin versuchen wird, staatsfeindliche Massnahmen durchzuführen1“.
Mariaschk wurde vier Tage nach diesem Beschluss, am 28. Juni 1933, im KZ Oranienburg inhaftiert. Mitte Juli bat seine Frau die Verwaltung des Konzentrationslagers schriftlich um eine Besuchserlaubnis. Ob ihr diese gewährt wurde, ist nicht bekannt. Am 24. Juli 1933 schrieb Kurt Speike, der Cousin von Mariaschk, einen Brief an den „Sturmbannführer Schäfer, als Führer des Konzentrationslagers Oranienburg“, um den Grund der Inhaftierung zu erfahren, da die Polizei in Jüterbog ihm „keine Auskunft“ geben konnte: „Als Ihnen unbekannter Pg. (Parteigenosse, A.O.) und langjähriger SA-Mann, wende ich mich heute mit einer Bitte an Sie, für deren Erfüllung ich Ihnen sehr dankbar wäre. [...] Ich bitte Sie nochmals, mir den Grund der Inhaftierung des Karl Mariaschk, bzw. deren Dauer mitzuteilen und verbleibe mit bestem Dank und Heil-Hitler2!“ Dem Brief zu Folge bat Speike auch die Gauleitung Kurmark und den ihm bekannten Leiter des Gaues Brandenburg um Auskunft. Am 28. Juli 1933 wurde er von Sturmbannführer Schäfer an das Landratsamt Jüterbog verwiesen. Es ist zu vermuten, dass die schriftlichen Erkundigungen Einfluss auf Mariaschks Haftdauer hatten, denn der Landrat verfügte am 21. August 1933 die Aufhebung der „Inschutzhaftnahme“. Mariaschk wurde fünf Tage später entlassen und musste die übliche Erklärung unterschreiben, dass kein Zwang auf ihn ausgeübt worden sei und dass er sich „nie gegen den neuen Staat oder seine Einrichtungen in Rede und Schrift wenden werde3“. Mariaschk war auf Verfügung des Landrats des Kreises Jüterbog-Luckenwalde verpflichtet, sich nach seiner Entlassung zweimal wöchentlich bei der Ortspolizeibehörde zu melden.
Er arbeitete 1933 und 1934 als Verwaltungsgehilfe und wohnte in Jüterbog. Ungefähr ein Jahr nach der Geburt der Tochter Susanne im Jahr 1935 zog die Familie Mariaschk nach Königsberg in Ostpreußen und wohnte dort in der Goltzallee 12. Karl Mariaschk arbeitete nach den Angaben seiner Tochter in einer Baufirma mit dem Namen „Robert Zimmer Nachfolger“. 1942 kam der Sohn Klaus auf die Welt. Elisabeth Mariaschk brachte ihre beiden Kinder im Jahr 1944, vermutlich auf Grund des Krieges, zu den Großeltern nach Luckenwalde und Jüterbog. Sie selbst folgte ihren Kindern 1945. Karl Mariaschk geriet während des Krieges als Soldat in russische Gefangenschaft. Aus dieser kehrte er erst 1949 zurück nach Brandenburg.
Nach seiner Rückkehr zog er von Luckenwalde nach Jüterbog, wo er nach der Scheidung von seiner ersten Ehefrau im Jahre 1951 Magda Rathmann heiratete. 1952 zog er mit seiner neuen Ehefrau nach Fürstenwalde. Die Ehe blieb kinderlos. Über Mariaschks Tätigkeiten nach dem Krieg ist nach Angaben seiner Kinder nur bekannt, dass er zum einen im Vorstand der Konsumgenossenschaft tätig war. Zum anderen engagierte sich Mariaschk in der Urania, die 1954 nach sowjetischem Vorbild als „Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse“ gegründet worden war. Die Aufgabe der Urania-Mitglieder war es, mit populärwissenschaftlichen Vorträgen, Kursen und Ausstellungen zur sozialistischen Allgemein- und Erwachsenenbildung beizutragen. Mariaschk hielt beispielsweise vor dem Personal des Jüterboger Krankenhauses politische Vorträge.
Karl Mariaschk starb am 9. Februar 1963 im Alter von 62 Jahren in Neuruppin. Seine Kinder leben heute im Land Brandenburg.

1 BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/22, Bl. 208. 

2 Ebd., Bl. 210. 

3 Ebd., Bl. 205. 

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Quellen:

  • AS, Liste KZ Oranienburg, S. 68.
  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/22, Bl. 205-211 (Schutzhaftunterlagen Karl Mariaschk).
  • Interview mit Susanne Lamprecht, Tochter von Karl Mariaschk, am 8. und 13.6.2002.
  • Interview mit Klaus Mariaschk, Sohn von Karl Mariaschk, am 8.6.2002.
  • Meldeamt Stadt Jüterbog, Meldedaten zu Karl Mariaschk.
  • Bundesamt für innerdeutsche Beziehungen (Hrsg.), DDR Handbuch, Bd. 2, 3. überarbeitete u. erweiterte Aufl., Köln 1985.
  • Heyde, Ludwig (Hrsg.), Internationales Handwörterbuch des Gewerkschaftslebens, Band 1, Berlin 1931/Band 2, Berlin 1932.

Soziale/Regionale Herkunft: Jüterbog in Brandenburg; Sohn eines Oberlehrers

Ausbildung/Berufstätigkeit: Ausbildung als Kaufmännischer Angestellter; Landratsamt Jüterbog

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Mitglied im Zentralverband der Angestellten (ZdA); Vorsitzender des Jüterboger Ortskartells des Allgemeinen freien Angestelltenbundes (AfA-Bund)

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: SPD

Politische Mandate/Aktivitäten: nicht bekannt

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 28. Juni 1933 - 26. August 1933: KZ Oranienburg;

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: Vorstand einer Konsumgenossenschaft

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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