Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
16. Februar 1894 - ?

Dokumente und Bilder
(zum Vergrößern anklicken)

Von Albert Krämer

Otto Albert Franz Michael wurde am 16. Februar 1894 in Grüneberg, jetzt Kreis Löwenberger Land, als zweiter Sohn des Arbeiters Hermann Michael und der Hausfrau Emilie Michael in der elterlichen Wohnung geboren. Über seinen schulischen und beruflichen Werdegang ließen sich keine Angaben ermitteln.
Die Mitgliedschaft Otto Michaels im Verband der Zimmerer und seine Herkunft lassen den Schluss zu, dass er vermutlich als Zimmerer in Oranienburg und Umgebung arbeitete. Außer dem Hinweis auf eine Eheschließung unbekannten Datums waren keine weiteren Daten zu seinen familiären Verhältnissen zu finden.
Am 9. Januar 1926 wählte die Zahlstelle Oranienburg auf ihrer Generalversammlung Otto Michael zu ihrem neuen Vorsitzenden. Wahrscheinlich hatte Michael den Vorsitz der Zahlstelle Oranienburg bis zur zwangsweisen Auflösung des Verbandes 1933 durch die Nazis inne. Als Vorsitzender der Zahlstelle war er unter anderem für die Einberufung, Organisation und Durchführung sämtlicher Versammlungen und Gewerkschaftssitzungen der Zahlstelle verantwortlich. Daneben standen die Unterrichtung der Mitglieder zu aktuellen Tarifrechtsfragen und die Rekrutierung von neuen Mit­gliedern im Vordergrund. Unter der Führung Michaels gelang es der Zahlstelle Oranienburg, die im Jahr 1926 zusammen mit benachbarten Ortsgruppen die 118. Wahlabteilung des Zimmerer­verbandes bildete, für den 24. ordentlichen Verbandstag 1926 mit Max Schulz erstmals einen Kandidaten aus den eigenen Reihen zu entsenden. Ebenfalls stellte man den Delegierten für den 6. außerordentlichen Verbandstag im Jahr 1927. Ferner konnte unter seiner Leitung die Zahlstelle Oranienburg expandieren. Beispielsweise kam 1929 der Bezirk Teschendorf zur Zahlstelle Oranienburg hinzu.
Vom 24. März bis 28. März und vom 6. Mai bis 13. Mai 1933 war Otto Michael aus unbekannten Gründen im Konzentrationslager Oranienburg inhaftiert. Am 2. Februar 1935 wurde Michael erneut in Oranienburg durch seinen Nachbarn, den Obersturmbannführer Plessow, verhaftet. Otto Michael trug zum Zeitpunkt seiner Verhaftung eine Tasche mit einem Exemplar der illegalen Schrift „Der Kommunist“ bei sich. Von Oranienburg aus kam er am 5. Februar in das Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit. Mit einer kurzen Unterbrechung blieb Michael dort bis zum Ende seines Prozesses inhaftiert. Der 4. Strafsenat des Kammergerichts in Berlin verhandelte am 24. und 25. Juni 1935 in Potsdam die Strafsache „Michael und Genossen“. Die Anklage lautete auf „Vorbereitung zum Hochverrat“. Aus den Prozessunterlagen geht hervor, dass sein eigener Schwager, ein gewisser Otto Scheffran, ihn denunziert hatte. Als einziger der insgesamt dreizehn Angeklagten wurde er aus Mangel an Beweisen freigesprochen.
Der weitere Lebensweg von Otto Michael konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

— — —

Quellen:

  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/22/1 (KZ Karteikarte von Otto Michael).
  • Der Zimmerer, Organ des Zentralverbands der Zimmerer und verwandter Berufsgenossen Deutschlands, 38. Jg, Hamburg 1927, Nr. 4, S. 29, Nr. 51, S. 299.
  • Jahrbuch 1929, hrsg. vom Zentralverband der Zimmerer und verwandter Berufsgenossen Deutschlands, Hamburg 1930, S. 321.
  • SAPMO-BArch, NJ 11863 (Justiz-Prozessakte, Urteilsschrift „Michael und Genossen“ (AZ 7a O.Js. 62. 35)).
  • SAPMO-BArch, DY 55/V287/813 – VVN (Anklageschrift A. (AZ 7a O.Js. 62. 35)).
  • Standesamt Gransee, Schreiben an den Verfasser vom 19 9.2002.

Soziale/Regionale Herkunft: Grüneberg; Sohn eines Arbeiters

Ausbildung/Berufstätigkeit: vermutlich Zimmerer

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Verband der Zimmerer; Vorsitzender der Zahlstelle Oranienburg

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: nicht bekannt

Politische Mandate/Aktivitäten: nicht bekannt

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 24. März bis 28. März und vom 6. Mai bis 13. Mai 1933: KZ Oranienburg; 2. Februar 1935: erneute Verhaftung, 5. Februar: Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit; 24. und 25. Juni 1935: Freispruch

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: nicht bekannt

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

Impressum