Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
26. Juli 1870 - ?

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Max Purfürst, 1927.
Quelle: Deutscher Baugewerksbund, 1928.

Max Purfürst, 1927. Quelle: Deutscher Baugewerksbund, 1928.

Von Björn Lampe

Friedrich Wilhelm Max Purfürst kam am 26. Juli 1870 als unehelicher Sohn von Robert Hermann Purfürst und Christiane Emilie Hanke in Lindenau bei Leipzig zur Welt. Sein Vater war Friseur, über den Beruf der Mutter ist nichts bekannt. Purfürst besuchte die Malteserschule in Lindenau und er­lernte anschließend den Beruf des Glasers. Im Jahre 1888 trat er dem damaligen Verband der Glasergesellen bei. Er übte seinen Beruf in den Folgejahren als wandernder Geselle aus und arbeitete unter anderem in Süddeutschland, dem Rheinland und in Elsass-Lothringen. Sein unehelicher Sohn Alfred kam am 18. November 1890 zur Welt. Ein Jahr später wurde Max Purfürst zum Militär einberufen und war bis Ende 1894 im 17. bürgerlichen Infanterie-Regiment stationiert. Am 26. Oktober 1894 heiratete er in einem Leip­ziger Standesamt Anna Franziska Artus. Noch im selben Jahr trat er dem 1893 gegründeten Glaserverband bei und 1896 auch der SPD. Im Jahre 1910 beantragte Purfürst die Bürgerschaft in Leipzig, die ihm am 21. April 1911 zugesprochen wurde. Am 25. Februar 1913 wurde sein zweiter Sohn Hans in Leipzig ge­­boren.
Im Jahre 1918 wurde er in Berlin beim Glaserverband angestellt. Als der Glaserverband sich 1923 mit dem Deutschen Bauarbeiterverband und dem Zentralverband der Töpfer und Berufsgenossen Deutschlands zum Deutschen Baugewerksbund zusammenschloss, wurde Purfürst als Angestellter übernommen. Beim Verbandstag der Glaser am 1. September 1925 in Hamburg war Purfürst als Delegierter anwesend. Dort sprach er sich insbesondere für den Abschluss eines eigenen Tarifvertrages für das Glasergewerbe und gegen einen Anschluss an den Reichstarifvertrag des Bau­ge­werbes aus. Auch an den Kongressen in den folgenden zwei Jahren nahm Purfürst als Abgeordneter teil. Auf dem Bundestag im Jahre 1927 sagte er: „Leider existiert heute in einzelnen mittleren Städten, wo wir früher eine Zahlstelle des Glaserverbandes hatten, keine Fachgruppe der Glaser des Baugewerksbundes. Ich gebe die Schuld daran nicht allein den Baugewerkschaften, sondern das hängt auch mit den wirtschaftlichen Verhältnissen zusammen, mit der großen Arbeitslosigkeit, die einen Teil der Glaser gezwungen hat, zu einem and[e]ren Beruf überzugehen. Ich muss aber auch feststellen, dass ein Teil der Baugewerkschaften in den kleineren und mittleren Städten sich um die Glaser nicht kümmert. Allerdings geben sich auch die Kollegen vielfach keine Mühe, die Rechte, die sie auf Grund der Satzung haben, für sich in Anspruch zu nehmen. Ich möchte sie bitten, es ihren Kollegen in den Baugewerkschaften zur Pflicht zu machen, auf den Baustellen dafür zu sorgen, dass die Kontrolle der Verbandsbücher wieder eingeführt wird1.“
Im Jahre 1929 eröffnete der Deutsche Baugewerksbund in Fangschleuse, Kreis Niederbarnim, ein Schulungsheim für jüngere Gewerkschaftsfunktionäre. Purfürst wurde dort als Verwalter eingesetzt und zog mit seiner Familie nach Fangschleuse. Am 21. März 1933 wurde das Schulungsheim durch die SA besetzt und Purfürst für einen Tag im Konzentrationslager Oranienburg inhaftiert. Am 28. März wurde er ein weiteres Mal für einen Tag inhaftiert, bevor er am 30. März gemeinsam mit seinem Sohn Hans wiederum ins Konzentrationslager Oranienburg verschleppt wurde. Hans Purfürst wurde dort bis zum 3. April festgehalten, sein Vater wurde am 6. April wieder freigelassen. Purfürst überlebte den Krieg und trat 1945 wieder der SPD bei.
Weitere Informationen konnten nicht in Erfahrung gebracht werden.

1 Niederschriften über die Verhandlungen des 2. ordentlichen Bundestages, S. 425. 

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Quellen:

  • AS, Liste KZ Oranienburg, S. 87.
  • BArch, R 58/3375 (Brief des Bundesvorstand Deutscher Baugewerksbund an das Preußische Ministerium des Innern).
  • Handbuch des Vereins Arbeiterpresse, hrsg. vom Vorstand des Vereins Arbeiterpresse, Berlin 1927, S. 188.
  • LA Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 21281 (handgeschriebener Lebenslauf, Fragebogen).
  • PA Donald Purfürst, Arizona, USA.
  • Niederschriften über die Verhandlungen des 2. ordentlichen Bundestages vom 25.9. bis 1.10.1927 in Dresden, hrsg. vom Deutschen Baugewerksbund, Hamburg 1928.

Soziale/Regionale Herkunft: Sohn des Friseurs Robert Hermann Purfürst und Christiane Emilie Hanke; Lindenau

Ausbildung/Berufstätigkeit: Lehre als Glaser; Wanderschaft in Süddeutschland, Rheinland und Elsass-Lothringen

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: 1918: Angestellter beim Glaserverband; 1923: Angestellter des Deutschen Baugewerksbundes; 1929: Verwalter eines Schulungsheims für jüngere Gewerkschaftsfunktionäre in Fangschleuse

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: SPD

Politische Mandate/Aktivitäten: nicht bekannt

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 21. März 1933 - 22. März 1933: KZ Oranienburg; 28. März 1933 - 29. März 1933: KZ Oranienburg; 30. März 1933 - 3. April 1933: KZ Oranienburg

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: SPD

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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