Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
18. März 1895 - 19. Dezember 1939

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Von Heiko Tammena

Geboren am 18. März 1895 in der Industriestadt Luckenwalde, ging Martin Schmidt nach der Volksschule in eine kaufmännische Lehre bei der Tuchfabrik Boenicke. Zum 2. Januar 1915 trat er als Bürohilfsarbeiter in den Dienst der städtischen Sparkasse ein. Vom Juni 1915 wurde er bis zum März 1918 musste er als Soldat in den Ersten Weltkrieg. Nach einer Verwundung wurde er aus dem Militärdienst entlassen und konnte seine Tätigkeit bei der Sparkasse wieder aufnehmen. Zum 1. April 1920 wechselte er als Stadtassistent in das Rathaus und war hier im Versicherungsamt sowie als stellvertretender Standesbeamter tätig. Im März 1922 trat Martin Schmidt in die SPD ein, die in der Luckenwalder Kommunalpolitik seit 1919 mit absoluter Mehrheit bestimmend war.
Im März 1925 wurde in Luckenwalde auch die freigewerkschaftlich orientierte Reichsgewerkschaft der Kommunalbeamten (RdK) gegründet, die der Komba im Deutschen Beamtenbund (DBB) Konkurrenz machte. Schmidt wurde in der „roten Hochburg“ Luckenwalde Vorsitzender dieser neuen Einzelgewerkschaft wie auch des Ortsausschusses des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes (ADB), der Dachorganisation der freigewerkschaftlichen Beamtenorganisationen in Luckenwalde. 1927 trat Martin Schmidt beim Brandenburgischen Städtetag in Crossen bereits als Provinzialvorsitzender der RdK von Brandenburg auf.
1928 zum städtischen Obersekretär aufgestiegen, wurde Martin Schmidt im November 1929 zum Stadtverordneten gewählt und übernahm im Stadtparlament den Vorsitz der SPD-Fraktion. Nach der Machtübernahme der NSDAP wurde Martin Schmidt am 18. April 1933 vom parteilosen Bürgermeister in Luckenwalde beurlaubt und als „Parteibuchbeamter“ denunziert, vor allem vom Vorsitzenden der Komba im DBB, der im April 1933 als Obmann der Beamtenabteilung der NSDAP auftrat. Am 24. Juni 1933 kam Schmidt mit etwa 20 Genossen aus Luckenwalde in „Schutzhaft“ der SA und wurde vom 28. Juni bis 10. August 1933 im KZ Oranienburg inhaftiert. Nach der Entlassung versuchte er, eine berufliche Existenz als Bücherrevisor aufzubauen. Martin Schmidt starb jedoch am 19. Dezember 1939 an den Folgen einer Operation, die aus den gesundheitlichen Schäden durch die KZ-Haft resultierte.

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Quellen:

  • AS, Liste KZ Oranienburg, S. 101.
  • BLHA, Pr. Br. Rep. 8 Stadt Luckenwalde, Personalakte Martin Schmidt.
  • Handbuch des Vereins Arbeiterpresse, hrsg. vom Vorstand des Vereins Arbeiterpresse, Berlin 1927, S. 454.
  • Tammena, Heiko, Unser schönes rotes Luckenwalde. Lager, Milieu und Solidargemeinschaft der sozialistischen Arbeiterbewegung zwischen Ausgrenzung und Verstaatlichung, Münster u. a. 2000.

Soziale/Regionale Herkunft: Luckenwalde

Ausbildung/Berufstätigkeit: Kaufmännische Lehre; Bürohilfsarbeiter bei der städtischen Sparkasse

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Vorsitzender der Reichsgewerkschaft der Kommunalbeamten (RdK) in Luckenwalde; Vorsitzender des Ortsausschusses des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes (ADB); Provinzialvorsitzender der RdK von Brandenburg

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: SPD

Politische Mandate/Aktivitäten: 1929: Stadtverordneter in Luckenwalde und Vorsitz der SPD-Fraktion

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 28. Juni bis 10. August 1933: KZ Oranienburg

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: entfällt

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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