„Die Lagerleitung hatte sich ausgedacht, dass es sicher in Oranienburg ein großes Aufsehen hervorrufen würden, wenn man die ‚Prominenten‘ unter den Lagerinsassen durch die Stadt führen und zwingen werde, alle (…) Spuren früherer Wahlkämpfe zu beseitigen.“
„Besonders stark fühlte sich Krüger, wenn nationalsozialistischer Besuch kam und er uns vorführen konnte. Wie der aufgeblasene Dompteur eines kleinen Wanderzirkus stelzte er dann im Lager herum, zitierte alle ‚Prominenten‘ des Lagers zu sich und führte sie dem Besuch gegenüber mit den gemeinen Bemerkungen vor: ‚(…) Dieses Judenschwein hier hat seine dreckige Fresse gegen unseren Führer aufgerissen!‘ “
Zitate aus: Seger, Gerhart: Oranienburg. Erster authentischer Bericht eines aus dem Konzentrationslager Geflüchteten. Karlsbad 1934 (Volltext).
Friedrich Ebert jun. beim Hoffegen im KZ Oranienburg 1933 (Quelle: Stiftung Archiv Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv).
Das KZ Oranienburg lag im Zentrum der Stadt. Unter den Häftlingen befanden sich viele prominente Repräsentanten der Weimarer Republik, wie zum Beispiel zahlreiche Abgeordnete verschiedener Parlamente. Unter den Augen der Bevölkerung mussten die Häftlinge Kanäle ziehen, Sümpfe trocken legen, Wege schottern und Fahrradwege bauen. Die nationalsozialistische Propaganda verhöhnte die prominenten Häftlinge, demütigte sie und führte sie aller Öffentlichkeit vor Augen. Mehr erfahren…