Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
19. Oktober 1883 - ?

Dokumente und Bilder
(zum Vergrößern anklicken)

Erklärung von Rudolf Schönberg, 24. August 1933.
Quelle: BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/35.

Erklärung von Rudolf Schönberg, 24. August 1933. Quelle: BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/35.

Von Sylvia Rochow

Rudolf Schönberg wurde am 19. Oktober 1883 im Herzberg bei Neuruppin geboren. Über seine familiären Verhältnisse, Kindheit und Jugend konnten keine Informationen ermittelt werden.
Schönberg war Fabrikarbeiter und wurde Mitglied des Fabrikarbeiter-Verbandes, später Gewerkschaftsangestellter. Ab dem 1. März 1920 übte Schönberg in seinem neuen Wohnort, dem osthavelländischen Velten, die Funktion eines Geschäftsführers in seinem Verband aus. Sein Büro hatte er in der Breite Straße 12. Er war zudem Gemeindevertreter, Kreistags- sowie Provinziallandtagsabgeordneter.
Rudolf Schönberg saß nach einem Schreiben des Landrats Osthavelland an das KZ Oranienburg im Juli 1933 wegen „staatsfeindlicher Umtriebe“ im „Lager Börnicke“ ein1. Das KZ Börnicke im Havelland gehörte zu den früh erbauten Lagern. Es wurde im Mai 1933 in dem Fabrikgebäude einer Wehrsportschule errichtet. Die SA war für die Bewachung des Konzentrationslagers zuständig. Ursprünglich für 50 Gefangene gedacht, sollte Börnicke bald für 150 bis 200 Gefangene ausgebaut werden. Die Häftlinge wurden zum Beispiel für Forstarbeiten und zum Straßenbau eingesetzt. Die Bedingungen waren schwer und schikanös. Am 20. Juni waren 107, zwei Wochen später zirka 140 Menschen in Börnicke eingesperrt, unter ihnen Rudolf Schönberg. Am 11. Juli wurde das KZ aufgelöst. Die Inhaftierten kamen nach Oranienburg. Ein Grund für die Schließung sollen Straftaten der Wachmannschaften an Außenstehenden gewesen sein, wie die Vergewaltigung einer jungen Frau durch SA-Bewacher am 15. Juni. Vermutlich wurde Rudolf Schönberg von Börnicke aus am 7. Juli 1933 in das Konzentrationslager Oranienburg überstellt. Er trug die Häftlingsnummer 775. Zu seiner Gefangenschaft konnten keine weiteren Angaben ermittelt werden. Es kann jedoch vermutet werden, dass Schönberg im KZ Oranienburg auf das Mitglied des Zimmererverbands Karl Münchow aus Nauen traf, denn der Zeitraum ihrer Inhaftierung ist nahezu gleich. Rudolf Schönberg wurde am 24. August 1933 aus dem KZ Oranienburg nach Velten entlassen. Er musste die übliche Erklärung unterschreiben, dass er sich „nie gegen den neuen Staat oder seine Einrichtungen in Rede und Schrift wenden werde2“.
Über Rudolf Schönbergs weiteren Lebensweg ist nichts bekannt.

1 BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/35, Bl. 74. 

2 Ebd, Bl. 73. 

— — —

Quellen:

  • AS, Liste KZ Oranienburg, S. 103.
  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/35, Bl. 72ff. (Schreiben des Landrats Osthavelland an das KZ OR; Erklärung Rudolf Schönberg).
  • Handbuch des Vereins Arbeiterpresse, hrsg. vom Vorstand des Vereins Arbeiterpresse, Berlin 1927, S. 583.
  • Drobisch, Klaus, Wieland, Klaus, System der NS-Konzentrationslager: 1933-1939, Berlin 1993.

Soziale/Regionale Herkunft: Herzberg bei Neuruppin

Ausbildung/Berufstätigkeit: Fabrikarbeiter

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: 1. März 1920: Geschäftsführer des Fabrikarbeiter-Verbandes im osthavelländischen Velten

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: nicht bekannt

Politische Mandate/Aktivitäten: Gemeindevertreter, Kreistags- sowie Provinziallandtagsabgeordneter

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: Juli 1933: KZ Börnicke; 7. Juli 1933 - 24. August 1933: KZ Oranienburg (Häftlingsnummer 775)

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: nicht bekannt

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

Impressum