Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
26. November 1900 - ?

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Von Siegfried Mielke

Karl Otto Emil Feuerhak, geboren am 26. November 1900 in Beenz, wohnte und arbeitete während der Weimarer Republik in Prenzlau (Brandenburg). Über seine soziale Herkunft, schulische Ausbildung und Arbeitsstätten konnten keine Informationen ermittelt werden. Feuerhak war ungelernter Arbeiter und engagierte sich gewerkschaftlich im Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. Politisch gehörte er als Mitglied der KPD an. Das Adressenverzeichnis der Funktionäre des Fabrikarbeiterverbandes von Mai 1932 weist ihn als Vorsitzenden der Prenzlauer Zahlstelle dieser Organisation aus. Nach einer Darstellung der Verfolgerbehörden von 1934 war er bis 1933 gleichzeitig KPD-Vorsitzender in Prenzlau. Das bedeutet, dass der kommunistische Gewerkschafter Feuerhak – ebenso wie Gustav Gersinski und andere – nicht der KPD-Politik gefolgt war, ab 1929 die Bildung revolutionärer/roter Verbände im Rahmen der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition (RGO) zu gründen. Über die Politik der Zahlstelle des Fabrikarbeiterverbandes in Prenzlau fehlen jedoch jegliche Informationen.
Nach der Zerschlagung der freien Gewerkschaften wurde Feuerhak von der Ortspolizeibehörde in Prenzlau festgenommen, im dortigen Gerichtsgefängnis inhaftiert und am 28. Juni 1933 in das Konzentrationslager Oranienburg überführt. Während das Gros der politischen Häftlinge (64 %) nach einem Vierteljahr wieder freigelassen wurde, blieb Feuerhak über ein Jahr in Oranienburg und Lichtenburg in Haft. Mehrere Anfragen, ob Feuerhak aus der KZ-Haft entlassen werden könne, wurden negativ beschieden, unter anderem mit den Argumenten, bei Feuerhak und seinem Prenzlauer Genossen Robert Schulz handele es sich „um kommunistische Funktionäre übelster Art. Ihre Entlassung kann nicht befürwortet werden, da im Hinblick auf ihre frühere politische Betätigung die Befürchtung besteht, dass sie sich nach ihrer Haftentlassung erneut im staatsfeindlichen Sinne betätigen werden. Sofern sie sich im Konzentrationslager einwandfrei führen und gebessert haben, könnte ihre Haftentlassung vielleicht zum 1. Mai 1934 erwogen werden1.“
Obwohl die Lagerleitung in einem Schreiben an den Landrat des Kreises Prenzlau vom 31. Januar 1934 feststellte, Feuerhak sei im KZ „nicht aufgefallen“, und keine Bedenken gegen eine Entlassung erhob2, trat die Staatspolizeistelle Potsdam in einem Schreiben vom 29. März 1934 an die Lagerleitung dafür ein, „Feuerhak auf unbestimmte Frist weiter in Schutzhaft zu halten3“, und begründete dies damit, dass der im November 1932 erfolgte Ausschluss von Feuerhak aus der KPD nur der Tarnung gedient hätte. „Dies ist aber nur ein Beweis dafür, daß er in verstärktem Maße illegal für die Partei bei der Schaffung und Ausbildung von Prop[aganda]- und Terrorgruppen tätig sein mußte und zur Leitung der KPD in noch größerem Maße in Fühlung stand. Nach seinem öffentlichen Ausschluß aus der Partei trat Feuerhak mit einem noch flüchtigen KPD-Anhänger namens Drege wegen Ausbildung und Bewaffnung von Terrorgruppen in Verbindung. Nach einer Freilassung des Feuerhak würde dieser bestimmt versuchen, unter dem Deckmantel der Toleranz gegenüber dem heutigen Staat staatszersetzend tätig zu sein4.“ Am 15. März 1934 wurde Feuerhak in das Konzentrationslager Lichtenburg überführt und von dort wenige Tage später, vermutlich wegen eines Leistenbruches, in das Staatskrankenhaus in Berlin eingewiesen. Am 28. November 1934 bewilligte Obersturmführer Daniels für Feuerhak, der sich zu diesem Zeitpunkt wieder im Krankenhaus befand, ein Bruchband. Wann die KZ-Haft für Feuerhak in Lichtenburg endete, konnte nicht ermittelt werden. Fest steht lediglich, dass das Prenzlauer Adressbuch von 1938 ihn unter der gleichen Adresse führt wie das Adressbuch des Fabrikarbeiterverbandes von 1932. Der weitere Lebensweg von Karl Feuerhak konnte nicht ermittelt werden.

1 BLHA, Rep. 2 A, I Pol., Nr. 1184, Bl. 29. 

2 ebd., Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 4/8/2, Bl. 463. 

3 ebd., Rep. 2 A, I Pol., Nr. 1165, Bl. 384. 

4 Ebd. 

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Quellen:

  • AS, Liste KZ Oranienburg, S. 25.
  • BLHA, Rep. 2 A, I Pol., Nr. 1163, 1165, 1184, 1186.
  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 2/1; Nr. 3/7; Nr. 4/1; Nr. 4/5/1; Nr. 4/6.
  • Adreßbuch der Stadt und des Kreises Prenzlau, Prenzlau 1938.
  • Adressenverzeichnis Mai 1932. Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands, [Hannover] 1932, S. 29.
  • Knop, Martin/Krause, Hendrik/Schwarz, Roland: Die Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg, in: Konzentrationslager Oranienburg, hrsg. von Morsch, Günther, Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Nr. 3, Berlin 1994, S. 47-66.

Soziale/Regionale Herkunft: Beenz

Ausbildung/Berufstätigkeit: Ungelernter Arbeiter

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: 1932: als Vorsitzenden der Prenzlauer Zahlstelle des Fabrikarbeiterverbandes

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: KPD-Vorsitzender in Prenzlau

Politische Mandate/Aktivitäten: keine Angaben

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: Gerichtsgefängnis in Prenzlau; 28. Juni 1933: Konzentrationslager Oranienburg; 15. März 1934 - ?: KZ Lichtenburg

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: nicht bekannt

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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