„Dieser Sturmbannführer Maue begann: ‚Ich habe gehört, daß unter Euch erzählt wird, Ihr müßtet unter Druck wählen – das ist natürlich Quatsch. Niemand schreibt Euch vor, wie Ihr abstimmen sollt. Ihr habt eben morgen Gelegenheit, zu zeigen, ob Ihr die Konzentrationslager noch nötig habt oder nicht.‘ “
(…)
„Am Sonnabend vor der Wahl: ‚Deutsche Volksgenossen!‘, am Montag nach der Wahl: ‚Ihr Schweine…‘ “
Zitate aus: Seger, Gerhart: Oranienburg. Erster authentischer Bericht eines aus dem Konzentrationslager Geflüchteten. Karlsbad 1934 (Volltext).
Propagandaveranstaltung am 10. November 1933 im Dynamowerk der Siemens-Schuckerwerke anlässlich der Reichstagswahl am 12. November 1933 (Quelle: Landesbildstelle Berlin).
Bei den Reichstagswahlen am 12. November 1933 gaben auch die Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg ihre Stimme ab. Wie in anderen Lagern, so war der Anteil an Ja-Stimmen auch hier auffällig hoch (von 368 Stimmen waren allein 338 Ja-Stimmen).
Zwar warteten am Wahltag Wahlkabinen und -urnen auf die Wähler im Lager, doch wurde großer Druck auf die Häftlinge ausgeübt, mit „Ja“ zu stimmen. Im Hintergrund stand die Drohung, mit der falschen Wahl den eigenen Aufenthalt zu verlängern. Ein Wahlergebnis mit besonders hohem Anteil an Ja-Stimmen schien den Häftlingen eine Möglichkeit zu sein, Hinweise auf die realen Umstände ihrer Wahl geben zu können. Mehr erfahren…