Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
20. Februar 1900 – 17. August 1976

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Fritz Gnuschke wurde am 20. Februar 1900 in Elbing geboren. Der gelernte Bäcker zog nach Hannover, wo er sich als Gelegenheitsarbeiter in der Industrie verdingte und sich für die KPD, die RGO und den Kampfbund gegen den Faschismus engagierte. Am 28. Februar 1933 erstmals verhaftet, kam Gnuschke wieder frei und wurde erst nach seiner zweiten Verhaftung am 1. Januar 1934 über das KZ Brandenburg nach Oranienburg überstellt, wo er Erdarbeiten in einem Außenkommando leisten musste. Mitte Juli wurde Gnuschke in das KZ Lichtenburg verbracht und im August 1934 entlassen. Zurück in Hannover musste Gnuschke Notstandsarbeiten leisten. 1939 fand er eine Anstellung bei Continental, die er bis zu seiner Verrentung 1958 behielt.

Von Meiko Keller

Fritz Gnuschke wurde am 20. Februar 1900 in Elbing/Ostpreußen geboren, seine frühe Kindheit und seine Jugend liegen weitestgehend im Dunkeln. Lediglich der Besuch der Volksschule und die Lehre als Bäcker zeugen von seinem beruflichen Werdegang. Die Gründe für seinen Weg von Ostpreußen nach Hannover konnten nicht aufgeklärt werden1. Seine Arbeit als Bäcker wurde durch seine Einberufung in den Ersten Weltkrieg unterbrochen; jedoch wurde Gnuschke erst kurz vor Ende des Krieges eingezogen und blieb während seiner kurzen Kriegsteilnahme unverwundet.

Die anschließenden Nachkriegsjahre waren für den gelernten Bäcker gekennzeichnet durch eine instabile berufliche Situation. Er gab den Bäckerberuf auf und verdingte sich stattdessen als Gelegenheitsarbeiter in der Industrie. Zwischen 1920 und 1925 arbeitete er in einer Zementfabrik, bei der Hanomag, der Prometheus und in der chemischen Industrie. Erst ab dem Frühjahr 1925 begann für Fritz Gnuschke mit der Tätigkeit bei der Firma Continental wieder eine berufliche Kontinuität. Über den Beginn seiner politischen Tätigkeit waren leider keine genauen Daten zu ermitteln. Es ist davon auszugehen, dass Gnuschke bereits in den 1920er Jahren der KPD beitrat, da er im Jahr 1930 Mitglied der RGO wurde und bei der Gründung des „Kampfbundes gegen den Faschismus“(ebenfalls 1930) zu dessen ersten Mitgliedern in Hannover gehörte und sich in der Organisationsleitung engagierte2. In diese Zeit fiel auch die Hochzeit Gnuschkes mit Getrude Welle am 19. September 1929. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor3.

Der Machtübernahme der Nationalsozialisten fiel Fritz Gnuschke als einer der Ersten zum Opfer. Er wurde bereits am 28. Februar 1933, also am Tag nach dem nächtlichen Reichstagsbrand, verhaftet. Es ist davon auszugehen, dass seine führende Stellung im „Kampfbund gegen den Faschismus“ zur Folge hatte, dass sein Name auf einer vorbereiteten Liste der Nationalsozialisten zu finden war4. Gnuschke wurde bis zum 10. März 1933 auf dem Polizeipräsidium in Hannover in „Schutzhaft“ genommen und anschließend entlassen. Direkt nach seiner Entlassung nahm er die illegale Arbeit wieder auf, wurde aber bereits am 5. November 1933 abermals verhaftet und kam über die Stationen Berlin5 und KZ Brandenburg am 11. Januar 1934 in das KZ Oranienburg, wo er in einem Außenkommando zu Erdarbeiten eingesetzt wurde6. In Oranienburg blieb der gelernte Bäcker bis zum 14. Juli 1934 inhaftiert; von dort wurde er in das KZ Lichtenburg verlegt, wo er bis zu seiner Entlassung am 28. August 1934 als Bäcker arbeiten musste.

Nach seiner Freilassung war Gnuschke zunächst arbeitslos und wurde im Juni 1935 zu Notstandsarbeiten zwangsverpflichtet. Eine Anstellung bei seinem früheren Arbeitgeber, der Firma Continental7, scheiterte an der Gestapo, die wohl befürchtete, dass Gnuschkes Einstellung bei der Continental die dort registrierte Widerstandsarbeit vorantrieb8. Stattdessen musste Gnuschke beim Aushub des Maschsees helfen, einem Vorzeigeprojekt der Arbeitsbeschaffung der Nationalsozialisten in Hannover. Erst im Juli 1936 fand der gelernte Bäcker wieder eine reguläre Stelle bei einem kleinen Betrieb in Linden. Hannover–Linden galt (und gilt auch heute noch) als die Arbeiterhochburg der niedersächsischen Landeshauptstadt, bisweilen wird es in der Literatur auch als „das rote Linden9“ bezeichnet. Bis zu seinem Tod war dieser Stadtteil die Wohngegend von Fritz Gnuschke.

1939 wurde Fritz Gnuschke dann wieder bei der Continental eingestellt. Dort erlebte er auch das Kriegsende und ging 1958 schließlich in Rente. Über eventuelle illegale Arbeit im Betrieb ist bisher nichts bekannt geworden. Fest steht jedoch, dass Gnuschke über die Kriegszeit hinaus engen Kontakt zu anderen Genossen hielt10 und sich in der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ engagierte. Fritz Gnuschke stritt wie viele andere Widerständler aus den Reihen der KPD lange Jahre um eine angemessene Entschädigung für seine Leiden in der Zeit des Nationalsozialismus. Seine gesundheitlichen Schäden resultierten in einer 30%igen Erwerbsminderung und trugen wohl auch zu seiner Invalidität im Jahre 1958 bei11.

Fritz Gnuschke starb am 17. August 1976 in Hannover.

1 Vgl. Nds. 110W, Acc. 14/99, Nr. 112083, Entschädigungsakte des Hauptsstaatsarchivs Hannover. 

2 Vgl. Zorn, Gerda: Widerstand in Hannover, gegen Reaktion und Faschismus 1920- 1946, Frankfurt a. M. 1977, S. 52f. 

3 Vgl. Entschädigungsakte. 

4 Vgl. Zorn: Widerstand in Hannover, S. 55. 

5 Wo Gnuschke in Berlin festgehalten wurde ist leider nicht ermittelbar gewesen. 

6 Vgl. Entschädigungsakte. 

7 In der Entschädigungsakte Gnusckes findet sich ein Schreiben der Continental, dass die Wiedereinstellung Gnuschkes (nach seiner Entlassung aus wirtschaftlichen Gründen 1930) befürwortete. Ebd. 

8 Zwischen September und November 1934 tauchten auf dem Gelände der Continental mehrfach antifaschistische Flugblätter auf. Ob der im August entlassene Gnuschke hieran beteiligt war, oder mit den ausführenden Gruppen in Kontakt stand, war nicht zu ermitteln. Vgl. Zorn: Widerstand in Hannover, S. 181f. 

9 Ebd., S. 43. 

10 So unter anderem mit seinem Mitstreiter aus dem „Kampfbund gegen den Faschismus“, Fritz Sohns

11 Vgl. Entschädigungsakte.
 

Soziale/Regionale Herkunft: Elbing (Ostpreußen).

Ausbildung/Berufstätigkeit: Bäcker, später auch als Packer und Bauarbeiter tätig.

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Revolutionäre Gewerkschaftsopposition (RGO).

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: KPD, Kampfbund gegen den Faschismus.

Politische Mandate/Aktivitäten: keine

Widerstandsaktivitäten: illegale Arbeit in Hannover

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 28. Februar 1933 – 10. März 1933 in Schutzhaft im Polizeipräsidium Hannover. 25. November 1933 – 27. August 1934 in Berlin, KZ Brandenburg, KZ Oranienburg, KZ Lichtenburg.

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: nicht bekannt

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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