Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
3. Juni 1899 - 15. September 1969

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LA Berlin, C Rep. 907-01, Nr. 85, Bezirksparteiarchiv der SED, Personenakten Max Trauselt

LA Berlin, C Rep. 907-01, Nr. 85, Bezirksparteiarchiv der SED, Personenakten Max Trauselt

„Die Behandlung im Gefängnis war erträglich“, schrieb Max Trauselt über seine Haft 1933 im Zuchthaus Brandenburg. „Wir hatten dauernd Verbindung mit der Außenwelt, bekamen laufend illegales Material herein.“ Drei Monate blieb der kommunistische Gewerkschafter, der als Mitglied der „Roten Ruhrarmee“ am bewaffneten Widerstand gegen den Kapp-Putsch beteiligt war. Dann wurde er in das KZ Oranienburg gebracht. „In Oranienburg war es mit der gemütlichen Haft vorbei. Hier pfiff ein anderer Wind.“

Von Bettina Engels

„Er hat sich [...] als ein Hetzer übelster Sorte bewußt gegen die im Entstehen begriffene Volksbewegung des Nationalsozialismus gestellt“, schrieb die Berliner Polizei am 29. Februar 1936 über Max Trauselt, als ihm der Erwerb der Fahrerlaubnis verwehrt wurde „weil die seiner staatsfeindlichen Betätigung zugrunde liegenden Tatsachen ihn zum Führen von Kraftfahrzeugen ungeeignet erscheinen lassen.“ (Gegenerklärung des Polizeipräsidenten, Abt. III in der Verwaltungsstreitsache Trauselt LA Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 22061, Bl. 10)

Maximilian (Max) Arno Trauselt kam am 3. Juni 1899 in Niederplanitz (Kreis Zwickau) als drittes Kind des Bergmannes Paul Hugo Trauselt und dessen Ehefrau Anne, geborene Völkel, zur Welt. Da das Einkommen des Vaters kaum ausreichte, trug die Mutter durch „vogtländische Spachtelei“ und Näherei in Heimarbeit dazu bei, die Familie zu ernähren. Nach Max kamen noch sechs weitere Kinder zur Welt, von denen zwei früh starben. Max Trauselt besuchte von 1905 bis 1913 in Planitz die Volksschule. Seine politische Sozialisation begann im Elternhaus. Der Vater war SPD-Mitglied und aktiver Gewerkschafter, zu Hause wurde eine sozialistische Zeitung gelesen. 1913 trat Trauselt in die Sozialistische Arbeiterjugend ein.

Seine Eltern brachten ihn, als er aus der Volksschule entlassen wurde, zu einem Onkel, bei dem Max das Maurerhandwerk erlernen sollte. Der Onkel meldete ihn aber nicht als Lehrling an, sondern beschäftigte ihn als „Handlanger“. Da Trauselt keine Ausbildung erhielt, nahm er eine Arbeit als Ungelernter in einer Ziegelei an. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges stellte die Ziegelei die Arbeit ein. In dem Kohleschacht, in dem sein Vater beschäftigt war, fand Trauselt Arbeit als Schachthelfer. Er gab die Arbeit in der Grube auf, nachdem er im Alter von 15 Jahren dort in einen Schacht fiel. Eine neue Anstellung erhielt er bei der Firma Wolf & Friemann, die Grubenlampen herstellte. Trotz des Krieges ging er auf Wanderschaft und arbeitete unter anderem in Halle an der Saale, Berlin, Stettin und Gotha. Im Juni 1917 wurde Trauselt in Gotha zur Infanterie eingezogen. Im darauf folgenden Jahr desertierte er, wurde aber gefasst und zu 16 Monaten Festungshaft verurteilt, die er aber nur zum Teil verbüßte. Am 9. November 1918 befand er sich in einer Arbeitskompanie in Frankreich, nach deren Auflösung er nach Lübeck gebracht wurde. Nach seiner Entlassung im März 1919 ging Trauselt erneut auf Wanderschaft. Im April trat er in die SPD ein. Im September des selben Jahres fand er in Bottrop Arbeit in der Zeche „Arendsberg Fortsetzung“. Max Trauselt beteiligte sich im Ruhrgebiet aktiv als Mitglied der „Roten Ruhrarmee“ am bewaffneten Widerstand gegen den Kapp-Putsch. Als Reaktion auf das Verhalten der Reichswehr im Kapp-Putsch entstanden im Ruhrgebiet im März 1920 spontan paramilitärische Gruppen, die insgesamt mindestens 80.000 Mitglieder umfassten. In dieser „Roten Ruhrarmee“ waren gemessen an den Mitgliederzahlen unter den Gewerkschaften die Mitglieder der Freien Arbeiterunion (FAU), unter den Parteien die KPD am stärksten engagiert. Die „Rote Ruhrarmee“ zerfiel in den ersten Apriltagen 1920.
Die Unruhen im Ruhrgebiet zu dieser Zeit waren Erlebnisse für Max Trauselt, die sein politisches und gewerkschaftliches Leben maßgeblich prägten. In Folge seiner Beteiligung am bewaffneten Widerstand wurde Trauselt nach Ostern 1920 in Köln inhaftiert. Nach seiner Freilassung kehrte er kurz zu seinen Eltern zurück, die in der Zwischenzeit nach Großwusterwitz gezogen waren. Als er dort keine Arbeit fand, zog er zu einem Onkel nach Ahlen in Westfalen und arbeitete dort auf der Zeche „Westfalen“. Trauselts Erfahrungen im Widerstand gegen den Kapp-Putsch führten dazu, dass er am 1. September 1920 von der USPD zur KPD übertrat. Er besuchte einige Wochenendkurse der KPD. In Ahlen gehörte er, folgt man seinen eigenen (möglicherweise fehlerhaften) Angaben, von 1920 bis 1922 dem Ortsvorstand der Union der Hand- und Kopfarbeiter Deutschlands (Union) an. Die syndikalistische linkskommunistische Union entstand erst durch den am 4. September 1921 erfolgten Zusammenschluss der Gelsenkirchener FAU mit dem Landarbeiterverband (Braunschweig) und der Union der Hand- und Kopfarbeiter (Berlin). Möglicherweise gehörte Max Trauselt bis zur Gründung der Union im Ruhrgebiet dem Ortsvorstand der Ahlener FAU an.

1920 verselbständigte sich die Gelsenkirchener FAU und spaltete sich von der Freien Arbeiterunion Deutschlands (FAUD) ab. Die Bergarbeiterunionen Schlesiens und Mitteldeutschlands schlossen sich der Gelsenkirchener Richtung an, ebenso verlor um den Jahreswechsel 1920/21 die FAUD einige Ortsvereine an die Gelsenkirchener FAU. Nachdem auch von der Allgemeinen Arbeiterunion (AAU) Mitglieder zur Gelsenkirchener FAU wechselten, gab es eine Zeit lang Vereinigungsverhandlungen zwischen der AAU und der Gelsenkirchener Richtung. Zur Verschmelzung kam es aber nicht. Anfangs stand die Gelsenkirchener FAU unter dem Einfluss der USPD, später der KPD. Zu den am heftigsten umstrittenen Fragen beim Zusammenschluss zur Union 1921 gehörte die Beteiligung an Betriebsratswahlen und Tarifverhandlungen. Die schließlich erfolgte Zustimmung kann als Zugeständnis an die KPD gewertet werden. Die Union trat für das Einheitsgewerkschaftsprinzip und für den Austritt aus den alten Gewerkschaftsverbänden ein (vertiefend dazu Bock 1969, S. 179-87).

1921 kam es in der Ahlener Schachtanlage, in der Trauselt beschäftigt war, zu einem Streik. Näheres über diesen Streik ließ sich bisher nicht ermitteln. Max Trauselt wurde als Kurier der Union von Ahlen nach Gelsenkirchen geschickt. Wie er 1950 in seinem Lebenslauf schrieb, kam es später „mit Streikbrechern, die von Anhängern des christlichen und des Bergarbeiter-Verbandes gestellt wurden, zu Zusammenstößen“. (SAPMO-BArch, DY 30/IV 2/11/v 831, Bl. 17) Trauselt wurde wegen Landfriedensbruchs verhaftet und zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Er entzog sich der Strafe durch Flucht nach Düsseldorf, das französisch besetzt war. Später wurde die Strafe im Zuge einer Amnestie aufgehoben. In Düsseldorf arbeitete Trauselt als Metallhobler und trat dem Deutschen Metallarbeiterverband (DMV) bei, in dem er sich als ehrenamtlicher Kassierer engagierte. Im Mai 1923 verließ er Düsseldorf, zog zu seinen Eltern nach Kirchmöser in der Nähe der Stadt Brandenburg und arbeitete als ungelernte Kraft auf verschiedenen Baustellen. In Kirchmöser führte er einen Bauarbeiterstreik an und wurde deshalb nach Streikende nicht wieder eingestellt. Außerdem übernahm er in der KPD auf lokaler Ebene zuerst die Funktion des „Agitprop“-, dann des „Org“- und später des „Polleiters“. Am 15. Dezember 1923 heiratete Trauselt in Kirchmöser Margarete Cwellich, die er bereits 1920 kennen gelernt hatte. Margarete Cwellich stammte ebenfalls aus einer Bergarbeiterfamilie, und genau wie ihr Mann hatte sie auf Grund der finanziellen Lage der Eltern keinen Beruf erlernen können und als Küchenmädchen gearbeitet. Sie gehörte dem Kommunistischen Jugendverband an und trat 1924 der KPD bei. Gewerkschaftlich war sie im Zentralverband der Angestellten organisiert. Die Ehe zwischen Max und Margarete Trauselt blieb kinderlos.

Im Frühjahr 1924 fand Trauselt Arbeit bei der Reichsbahn als Werkhelfer im Ausbesserungswerk Kirchmöser. Vom DMV trat er zum Eisenbahnerverband über. Max Trauselt war Vertrauensmann, Betriebsrat und Mitglied der Ortsverwaltung im Eisenbahnerverband. 1925 zog er gemeinsam mit seiner Frau nach Brandenburg um. Im KPD-Unterbezirk Brandenburg war er Polleiter und gehörte bis 1928 der erweiterten Bezirksleitung der KPD Berlin-Brandenburg an. 1926 und 1927 war Trauselt Stadtverordneter in Brandenburg. Gewerkschaftlich engagierte er sich als Mitglied des Ortsausschusses des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) und als Bezirksbetriebsrat der Reichsbahn im Direktionsbezirk Berlin-Brandenburg. Von 1931 bis 1933 war er in der Revolutionären Gewerkschaftsopposition (RGO) aktiv. 1931 gehörte er dem Vorstand des „Kampfbundes gegen den Faschismus“ an. Auf einer KPD-Veranstaltung hielt Trauselt eine Rede, in der er den Direktor des Arbeitsamtes Brandenburg der Unterschlagung bezichtigte. Das Landgericht Potsdam verurteilte ihn dafür am 14. Oktober 1931 zu einem Monat Gefängnis wegen „übler Nachrede“. Die Strafe verbüßte Trauselt im Gefängnis in Berlin-Charlottenburg. 1932 setzte ihn die Bezirksleitung der KPD Berlin-Brandenburg als Dozent ein.

Am 27. März 1933 wurde Trauselt unter dem Vorwurf der „Vorbereitung zum Hochverrat“ verhaftet und im Zuchthaus Brandenburg inhaftiert. Dort traf er unter anderem mit Otto Seeger zusammen. „Die Behandlung im Gefängnis war erträglich“, schrieb Max Trauselt 1950 in seinem Lebenslauf, „[w]ir hatten dauernd Verbindung mit der Außenwelt, bekamen laufend illegales Material herein.“ (SAPMO-BArch, DY 30/IV 2/11/v 831, Bl. 20) Am 28. Juni wurde er vom Zuchthaus Brandenburg in das KZ Oranienburg gebracht. „In Oranienburg war es mit der gemütlichen Haft vorbei. Hier pfiff ein anderer Wind.“ (ebd.) Gemeinsam mit anderen inhaftierten Kommunisten bildete Trauselt seinen eigenen Angaben zu Folge ein „Aktiv“, also eine geheime politische Gruppe, im KZ. Er wurde für Wald- und Lagerarbeiten eingesetzt. Im Sommer 1933 wurden Ernst Heilmann, Friedrich Ebert, Alfred Braun, Heinrich Giesecke und Kurt Magnus nach Oranienburg gebracht. Max Trauselt erinnert sich an die Demütigungen, denen die Häftlinge bei ihrer Ankunft im Lager ausgesetzt waren: „Den fünf Häftlingen wurden die Kopfhaare in unwürdiger Weise beschnitten, die Anzüge ausgezogen, und dann wurden sie in zerrissene Kleider der anderen Häftlinge gesteckt. Stundenlang standen sie in der Sonnenglut auf dem Hof.“ (ebd.)

Während Max Trauselts Haftzeit führte seine Frau gemeinsam mit anderen die illegale KPD-Arbeit in Brandenburg weiter. Mit einem Motorboot und den nötigen Materialien fuhren sie auf den Plauener See und auf die Havel, um dort illegale Druckschriften herzustellen. Margarete Trauselt und eine der Schwestern ihres Mannes schmuggelten die verbotene „Rote Brandenburger Zeitung“ zu ihm ins Zuchthaus. Unklar ist, ob sie auch illegale Publikationen ins KZ Oranienburg schmuggelten. Margarete Trauselt betätigte sich außerdem für die KPD als Kurier zwischen Brandenburg und Berlin. Die Gestapo kam der Gruppe auf die Spur, und die meisten Gruppenmitglieder wurden verhaftet. Der Zeitpunkt ließ sich bisher nicht ermitteln. Margarete Trauselt konnte trotz Hausdurchsuchungen und Verhören der Gestapo einer Verhaftung entgehen. Da sie nicht inhaftiert worden war, wurde sie später von den Behörden der DDR nicht als Verfolgte des Naziregimes (VdN) anerkannt, obwohl sie ihre Arbeit im Widerstand nachweisen konnte.

Am 31. März 1934 wurde Max Trauselt aus dem KZ Oranienburg entlassen. In Brandenburg musste er sich täglich bei der Polizei melden und durfte die Stadt nicht verlassen. Er fand keine Arbeit, wollte sein Geld als Versicherungsvertreter verdienen, erhielt aber keinen Gewerbeschein. Mehr als ein Jahr später, im Mai 1935, bekam er schließlich eine Anstellung als Vertreter für eine Brandenburger Firma, die Kochplatten herstellte. Im Juli zogen Max und Margarete Trauselt nach Berlin um. Auch dort musste er sich täglich morgens und abends bei der Gestapo melden. Im Februar 1936 wurde ihm wegen „staatsfeindlicher Betätigung“ nicht gestattet, die Fahrerlaubnis zu erwerben. Max Trauselt klagte vergeblich vor dem Verwaltungsgericht gegen diese Maßnahme, die er als Schikane empfand, zumal er aus beruflichen Gründen auf den Führerschein angewiesen war. Obwohl Trauselt sich in der illegalen Arbeit der KPD engagierte, überstand er nach seiner Entlassung aus dem KZ Oranienburg das NS-Regime ohne weitere Festnahmen. Bis 1940 war er als Vertreter für Kochplatten tätig. Anschließend arbeitete er zwei Jahre bei den Ford-Werken Johannisthal und als Vertreter für Lebensversicherungen.
1943 wurde Trauselt zur Luftschutzpolizei in den Löschzug 333 in die Blücherkaserne Berlin-Neukölln eingezogen. Als sich die sowjetische Armee im April 1945 Berlin näherte, desertierte er. Trauselt versteckte sich zwei Tage in Berlin-Kreuzberg, immer auf der Flucht vor SS-Männern, die noch in den letzten Kriegstagen Jagd auf Deserteure machten. Trauselt verbarg sich in den Ruinen der ausgebrannten Kreuzberger Synagoge am Kottbusser Tor. Hilfe erhielt er, wie er in seinen Erinnerungen schrieb, von einem Mitglied der jüdischen Gemeinde, das noch zwei weitere Deserteure bei sich versteckte. Trauselt versuchte, über die Oberbaumbrücke der sowjetischen Armee entgegen zu laufen, traf aber auf ein Mitglied des Löschzuges, von dem er desertiert war, und floh zurück nach Kreuzberg. Die Ankunft der Roten Armee erlebte er schließlich bei Verwandten in der Kreuzberger Solmsstraße. Die Flucht aus der Blücherkaserne und seine Erlebnisse während der letzten Kriegstage blieben prägende Erinnerungen für Max Trauselt. Nach dem Ende des Krieges zog er mit seiner Frau in die Frankfurter Allee in Berlin-Lichtenberg, war dort Straßenobmann und beteiligte sich an der Neugründung der KPD in Lichtenberg. Ab Juli 1945 nahm er an einem viermonatigen Lehrgang der Karl-Marx-Parteischule der KPD in Liebenwalde teil. Das Ende der Schulung verzögerte sich bis Mitte Dezember. Eine Charakteristik der Parteihochschule beschrieb ihn als „sehr fleissig [...], sehr belesen [...], eher ruhig“. (SAPMO-BArch, DY 30/IV 2/11/v 831, Bl. 48) Nach Abschluss des Lehrganges fand er innerhalb der KPD keine Beschäftigung und bewarb sich deshalb beim Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB). Dieser stellte ihn am 8. Januar 1947 als Sekretär für Schulung im Bezirksausschuss Lichtenberg ein. Viel Energie investierte Trauselt unter anderem in die Organisation einer Betriebsräteschule. Im Oktober 1948 wurde er zum hauptamtlichen Ersten Vorsitzenden des Bezirksausschusses Lichtenberg des FDGB gewählt. Seine Frau war zur gleichen Zeit Kassiererin im FDGB und von 1946 bis 1949 Mitglied einer Entnazifizierungskommission. Nach Auffassung der SED-Führung vertrat Max Trauselt im Rahmen seiner Tätigkeit beim FDGB nicht ausreichend die Parteipolitik. Zu häufig sähe er „die Dinge [...] nur vom gewerkschaftlichen Standpunkt“. (Schreiben des SED Landesverbandes Groß-Berlin, 31. Oktober 1949, LA Berlin, C Rep. 907-01, Nr. 83) Man warf ihm „Nur-Gewerkschaftlertum“ vor. (Schreiben der Abteilung Wirtschaft an die ZPKK, SAPMO-BArch, DY 30/IV 2/11/v 831, Bl. 4/5)

Der FDGB versetzte Max Trauselt im Juni 1950 von Lichtenberg als Bezirksvorsitzenden nach Pankow, einen damals bürgerlichen Bezirk. Weil er die Versetzung als Degradierung empfand und sich außerdem wegen seines chronischen Bronchialasthmas eine Beschäftigung wünschte, bei der er weniger sprechen musste, wollte Max Trauselt Ende 1950 seinen Arbeitsplatz wechseln. Zum 31. Januar 1951 schied er beim FDGB Lichtenberg aus. Auf Grund von Unstimmigkeiten mit der Landesleitung und dem Zentralkomitee der SED war Trauselt bis Ende April 1951 ohne Beschäftigung. Er war unzufrieden, fühlte sich von der SED nicht ausreichend gefördert, obwohl er sich sein Leben lang der kommunistischen Bewegung gegenüber loyal verhielt, und sprach dies auch offen aus. Im Mai 1951 trat Trauselt eine Stelle als Kaderleiter im VEB Wälzlager Lichtenberg an. Erneut wurde ihm vorgeworfen, die Parteipolitik der SED im Rahmen seiner Arbeit nicht ausreichend zu vertreten. Trauselt, so lautete der Vorwurf, nehme Einstellungen auf Grund fachlicher anstatt politischer Kriterien vor. Zudem hatte er Konflikte mit dem Leiter des Werkes. Im März 1953 wurde er als Kaderleiter entlassen und arbeitslos. Max Trauselt fühlte sich von der Landesleitung der SED persönlich angegriffen, sah sich als Opfer einer „Freundschaftspolitik“, wie er am 9. April 1953 in einem Brief an Hans Jendretzky schrieb. (LA Berlin, C Rep. 907-01) Er scheute sich nicht, seine Unzufriedenheit mit den Gremien der SED und der Verwaltung der DDR immer wieder in ausführlichen Schreiben mitzuteilen. Etwa ein halbes Jahr blieb Trauselt arbeitslos. Im September 1953 erhielt er eine Anstellung als Leiter der Abteilung Arbeit in der Konsum Fleischwaren- und Konservenfabrik in Lichtenberg. Die Arbeit gefiel Trauselt nicht, und ohne die entsprechenden Parteigremien in Kenntnis zu setzen, bemühte er sich – allerdings vergeblich – bei der Reichsbahndirektion um eine neue Anstellung. Er blieb bis zur Rente in der Konsum Fleischwarenfabrik beschäftigt.

Am 1. Februar 1957 schied Max Trauselt aus gesundheitlichen Gründen aus dem Erwerbsleben aus und bezog fortan eine Rente als VdN, ab dem 1. Mai 1965 dann eine „Ehrenpension für Kämpfer gegen den Faschismus“ des FDGB.
Trauselt war als Opfer des Faschismus anerkannt. Er wurde mit zahlreichen Orden der DDR ausgezeichnet.
Max Trauselt starb 70-jährig am 15. September 1969 in Moskau. Er wurde auf dem „Sozialistenfriedhof“ Berlin-Friedrichsfelde auf einem „Ehrenhain“ beigesetzt.

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Quellen:

  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/41, Bl. 46-51, Schutzhaftunterlagen Maximilian Trauselt.
  • LA Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 1 9598, VdN Akte Maximilian Trauselt.
  • LA Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 22061, VdN Akte Margarete Trauselt.
  • LA Berlin, C Rep. 907-01, Nr. 85, Bezirksparteiarchiv der SED, Personenakten Max Trauselt.
  • SAPMO-BArch, DY 30/IV 2/11/v 831, SED-Kaderakte Maximilian Trauselt.
  • SAPMO-BArch, Sg 30/0947, Erinnerungen Trauselt, Max.
  • Bock, Hans Manfred: Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918-1923. Marburger Abhandlungen zur Politischen Wissenschaft, hrsg. von Wolfgang Abendroth, Band 13. Meisenheim am Glan 1969.

Soziale/Regionale Herkunft: Sohn des Bergmanns Paul Hugo Trauselt, Niederplanitz (Kreis Zwickau)

Ausbildung/Berufstätigkeit: Maurerausbildung abgebrochen, ungelernter Arbeiter, Schachthelfer, Vertreter

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Union der Hand- und Kopfarbeiter Deutschlands, Deutscher Metallarbeiterverband, Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund, Revolutionäre Gewerkschafts-Opposition, Deutscher Eisenbahnerverband, Freier Deutscher Gewerkschaftsbund, ehrenamtlicher Kassierer im DMV (Düsseldorf)

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: SPD, USPD, Wechsel zur KPD 1920; KPD Agitprop-, Org-, Polleiter (Brandenburg)

Politische Mandate/Aktivitäten: Stadtverordneter in Brandenburg

Widerstandsaktivitäten: Rote Ruhrarmee 1919/20

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: Festungshaft 1917/18; Haft in Köln 1920; 1 Monat Haft in Berlin (1931); Zuchthaus Brandenburg (1933); KZ Oranienburg (1933/34)

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: FDGB Berlin (Lichtenberg, Pankow), 1947-51, Sekretär und hauptamtlicher Erster Vorsitzender

Erinnerungskultur/Ehrungen: zahlreiche Orden der DDR, VdN, "Ehrenpension für Kämpfer gegen den Faschismus" des FDGB

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