Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg

Die Tage im KZ Oranienburg verliefen gleichförmig: Die Nacht in den überfüllten Räumen endete morgens um halb sechs, nach dem Frühstück folgte der Appell mit der Einteilung der Arbeitskommandos und das Ausrücken zur Arbeit, Essen um 12 Uhr für die im Lager Verbliebenen und um 18 Uhr für die zurückgekehrten Außenkommandos, danach wieder Appell. Das Antreten auf dem Hof und die Arbeitseinsätze füllten den größten Teil des Tages aus. Bis zur Nachtruhe um 21 Uhr hatten die Häftlinge keine freie Zeit, häufig wurden sie von Wachmannschaften zu „Sportübungen“ gezwungen. Schikanen und Misshandlungen durch SA-Männer konnten jederzeit vorkommen. Durch die Einteilung in Kompanien trafen Männer unterschiedlichen Alters und Herkunft aufeinander. Dem Zusammenhalt innerhalb der Häftlingsgemeinschaft kam somit eine große Bedeutung zu. Zugleich erwies sich das Fehlen jeglicher Rückzugsmöglichkeit für den Einzelnen als sehr belastend.
Die Gebäude der ehemaligen Brauerei waren nicht für die Aufnahme von Hunderten Menschen ausgelegt. Alle Unterkünfte und Einrichtungen mussten von den Häftlingen in den ersten Monaten selbst hergerichtet werden. Diesem Einsatz innerhalb des Lagers folgten ab Juni 1933 Arbeiten in Oranienburg. Die Außenkommandos errichteten unter anderem Wege, einen Rodelberg und entkrauteten den Lehnitzsee. Zusätzlich existierten in Blumberg und Börnicke zwei kleinere Nebenlager.
Die Lebensbedingungen belasteten die Häftlinge zusätzlich. Das Essen war von schlechter Qualität und ohne Abwechslung. Die von den Angehörigen geschickten Pakete beinhalteten neben Kleidung oftmals auch zusätzliche Nahrung und waren deshalb umso mehr begehrt. Eine weitere Möglichkeit, die tägliche Kost aufzubessern, bot die Lagerkantine, sofern der Häftling über die notwendigen finanziellen Mittel verfügte. Die hygienischen Bedingungen waren unzureichend, ein Waschraum wurde erst nach mehreren Monaten eingerichtet. Als Bekleidung diente das, was die Männer bei der Verhaftung getragen hatten.
Doch am schwersten wog sicherlich für viele Häftlinge die Ungewissheit über die Dauer der „Schutzhaft“, wie viele Tage würden noch bis zur Freiheit verstreichen?

Impressum

* Mit dankenswerter Genehmigung durch die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten entnommen aus: Gegen das Vergessen. Häftlingsalltag im KZ Sachsenhausen 1936-1945, CD-ROM, Systema 2004.