Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg

Noch im Juli 1933 prahlte Lagerkommandant Schäfer gegenüber einem Journalisten, das Lager trage sich alleine durch das Geld, das die Heimatgemeinden des jeweiligen Häftlings zahlten. 1,50 Reichsmark pro Tag und Häftling, davon alleine 75 Pfennig für Verpflegung, stellte das Lager den Gemeinden in Rechnung. Ab August 1933 verlangte die Kommandantur zusätzlich vom Potsdamer Polizeipräsidium einen monatlichen Zuschuss von 41000 Reichsmark.
Obwohl die errechneten Sätze für damalige Verhältnisse durchaus im Rahmen lagen, kam bei den Gefangenen kaum etwas davon an. Um die kärgliche, oft ungeniessbare Verpflegung etwas aufzubessern, richtete die SA eine Kantine im Lager ein, in der sich die Häftlinge zusätzliche Nahrung oder auch Zigaretten kaufen konnten. Was sie anfangs an Bargeld bei sich hatten, mussten die Gefangenen gegen das lagereigene Geld eintauschen. Bei diesem Umtausch behielt die SA 30 Prozent ein, statt einer Mark wurden also nur 70 Pfennig des Lagergelds ausgehändigt. Gleichermassen wurde auch alles Geld behandelt, das Freunde und Verwandte schickten.
Unter diesen Umständen verwundert es nicht, dass die Gefangenen für ihre Zwangsarbeit keine Entschädigung ausgezahlt bekamen. Ihr Schaffen kam dabei längst nicht nur dem Unterhalt des Lagers oder der Verschönerung Oranienburgs zugute. Manche SA-Leute ließen sich in den Werkstätten des Lagers unter anderem Modellbauten oder auch ihre persönlichen Wohnungseinrichtungen fertigen.
Nicht nur die Gefangenen betrog die SA um ihr Geld. Seger beschreibt, wie Oranienburger Geschäftsleute, die sich anfangs noch sehr über das Lager als neuen, großen Kunden gefreut hatten, zunehmend zurückhaltender wurden. Um etwa Brot zu kaufen, so Seger, habe man es an manchen Tagen bei bis zu fünf Bäckereien versuchen müssen, bis schließlich eine bereit war, anschreiben zu lassen. Diese Einschätzung sollte sich als richtig erweisen: Bei der Schließung des Lagers im Juli 1934 blieben fast 42 000 Reichsmark an unbezahlten Rechnungen und sonstigen Darlehen offen.

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* Mit dankenswerter Genehmigung durch die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten entnommen aus: Gegen das Vergessen. Häftlingsalltag im KZ Sachsenhausen 1936-1945, CD-ROM, Systema 2004.