Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg

Heinrich Himmler und der im Frühjahr 1934 zum Inspekteur der Konzentrationslager ernannte SS-Brigadeführer Theodor Eicke legten 1934 die Grundzüge für das künftige, allein von der SS kontrollierte System der Konzentrationslager fest. Die meisten der frühen Lager wurden geschlossen, so auch das KZ Oranienburg im Juli 1934. Lediglich eine SS-Einheit, die das Berliner KZ Columbia-Haus bewachte, blieb im benachbarten Schloss Oranienburg stationiert. Nach und nach veröffentlichten einige der ehemaligen Häftlinge Erlebnisberichte und so erfuhr die Öffentlichkeit im In- und Ausland von dem Alltag in den Lagern. Die Angst, abermals verhaftet und erneut in ein KZ eingewiesen zu werden, blieb bestehen. Deshalb emigrierten ehemalige Häftlinge, wie Gerhard Seger und Werner Hirsch.

Zwei Jahre nach der Schließung des KZs wurde am Stadtrand von Oranienburg das Konzentrationslager Sachsenhausen eröffnet. Es entstand nach sorgfältigen Planungen des SS-Untersturmführers und Architekten Hermann Kuiper. Das Häftlingslager wurde in der Form eines gleichschenkligen Dreiecks angelegt. Auf der Mitte der Grundlinie des Dreiecks stand der Turm A, in dem sich die Büros des Lagerführers und der SS/Blockführer befanden. Die auf den alles überschauenden Wachturm A ausgerichtete symmetrische Anordnung der Häftlingsbaracken symbolisierte die absolute Macht der SS. Das Modelllager Sachsenhausen war für die dauerhafte Unterbringung von zehntausend Häftlingen gebaut worden.

Im riesigen Areal, einem städtebaulichen Komplex mit Versorgungseinrichtungen und Siedlungen, befanden sich außer dem Häftlingslager das SS-Truppenlager sowie die Arbeitsstätten, wie zum Beispiel das nahe liegende Klinkerwerk. Direkt neben dem Konzentrationslager mussten Häftlinge 1938 ein T-förmiges Gebäude errichten. Dorthin verlegte Theodor Eicke die Inspektion der Konzentrationslager und die Führung aller Totenkopfverbände. Bis zum Ende des „Dritten Reiches“ wurde das gesamte KZ-System von hier verwaltet.

Insgesamt waren in Sachsenhausen zwischen 1936 und 1945 mehr als 200.000 Menschen inhaftiert. Der größte Massenmord richtete sich im Herbst 1941 gegen mehr als 13.000 sowjetische Kriegsgefangene, unter ihnen auch viele Juden. Im Frühjahr 1942 errichtete die SS auf dem Industriehof eine neue Vernichtungsanlage mit Krematorien, Genickschussanlage und einer später eingebauten Gaskammer, die so genannte “Station Z”.

Auf den Todesmärschen in Folge der „Evakuierung“ des Lagers Ende April 1945 starben noch einmal viele Häftlinge; die SS erschoss alle, die nicht mehr mitlaufen konnten. Einheiten der Roten sowie der polnischen Armee befreiten am 22. und 23. April 1945 mehr als 3000 im Hauptlager zurückgebliebene kranke Häftlinge.

Auf einem Teil des ehemaligen Lagers befindet sich heute die Gedenkstätte und das Museum Sachsenhausen.

Impressum

* Mit dankenswerter Genehmigung durch die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten entnommen aus: Gegen das Vergessen. Häftlingsalltag im KZ Sachsenhausen 1936-1945, CD-ROM, Systema 2004.