Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
6. April 1878 – 10. Juli 1934

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Erich Mühsam bei seiner Einlieferung in das KZ Oranienburg.

Erich Mühsam bei seiner Einlieferung in das KZ Oranienburg.

Der 1878 in eine jüdische Apothekerfamilie geborene anarchistische Schriftsteller Erich Mühsam wurde vor allem für seine satirischen Artikel und Gedichte bekannt. Aufgrund seiner aktiven Beteiligung an der Novemberrevolution 1918 in München wurde er zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt. 1924 frühzeitig entlassen, zog Mühsam mit seiner Frau nach Berlin, wo er 1933 erneut verhaftet wurde. In verschiedenen Haftanstalten schwer misshandelt, wurde Mühsam im Februar 1934 in das KZ Oranienburg eingeliefert, wo er am 10. Juli desselben Jahres von der SS ermordet wurde.

Von Elisa Zenck

„Dichter und Kämpfer

Unrühmlich ist es, jung zu sterben.
Mein Tod wär sträflicher Verrat.
Ich bin der Freiheit ein Soldat
und muß ihr neuer Kämpfer werden.

Und kann ich selbst die Schlacht nicht lenken,
seh selbst nicht mehr das bunte Jahr,
so soll doch meine Bundesschar
im Siege meines Rufs gedenken.

Drum will ich Mensch sein, um zu dichten
will wecken, die voll Sehnsucht sind,
dass ich im Grab den Frieden find
des Schlafes nach erfüllten Pflichten1

Erich Mühsam drückte in diesem Gedicht einen tiefen Wunsch und gleichzeitig eine große Last aus: Intellektueller und Aktivist zu sein; für seine Idee, die Freiheit, mit allen ihm verfügbaren Mitteln zu kämpfen, mit Worten ebenso wie mit Taten. In der ersten Strophe wird deutlich, wie sehr er sich seiner Überzeugung und seinen Mitmenschen verpflichtet fühlte, ebenso wie am Ende des Gedichts: sein ganzes Leben sich einzusetzen bis zum Letzten, und es ist anzunehmen, dass Mühsam der Zeitpunkt seines gewaltsamen Todes mit 56 Jahren zu früh erschien, als dass er in Frieden ruhen könnte. Auch seinen GenossInnen war es nicht vergönnt, „im Siege“ seiner zu gedenken, doch immerhin erlebten einige seiner GefährtInnen die Befreiung vom NS-Regime.
Die Lebensgeschichte des Erich Mühsam ist vielmehr ein „Leidensweg“, wie seine Frau Kreszentia Mühsam ihre Erinnerungen betitelte. Als roter Faden zieht sich durch seine Biographie sein Engagement für die Unterdrückten, seine Liebe zur Literatur sowie unzählige Schwierigkeiten, Demütigungen, Verhaftungen und Misshandlungen, die schließlich in seiner Ermordung gipfelten.

Kindheit und Jugend
Erich Mühsam kam am 6. April 1878 als drittes von vier Kindern des jüdischen Ehepaares Siegfried Seligman und Rosalie Mühsam, geb. Cohn, in Berlin zur Welt. Ein Jahr nach seiner Geburt zog die Familie nach Lübeck, wo die Eltern eine Apotheke am heutigen Lindenplatz betrieben. Der Vater war zudem beinahe 20 Jahre lang Abgeordneter der Lübecker Bürgerschaft.
Erich Mühsam hatte bereits als Kind unter Gewalt zu leiden. Sein Vater verprügelte ihn regelmäßig, sodass das Verhältnis der beiden bis zu dessen Tode im Jahr 1915 stark getrübt war. In einem Tagebucheintrag vom 2. September 1910 schilderte Mühsam: „[...] das Gefühl der Dankbarkeit, das doch im Empfinden der Kinder gegen die Eltern als das natürlichste gilt, ist mir völlig verloren gegangen. [...] Es steigt etwas wie Haß in mir auf, wenn ich daran zurückdenke, wenn ich mir die unsagbaren Prügel vergegenwärtige, mit denen alles, was an natürlicher Regung in mir war, herausgeprügelt werden sollte2.”
Nach Beendigung der Volksschule besuchte Erich Mühsam das humanistische Gymnasium Katharineum zu Lübeck, wurde jedoch im Alter von 17 Jahren – er hatte den Direktor und einige Lehrer der Schule bei der sozialdemokratischen Zeitung Lübecker Volksbote denunziert – wegen „sozialistischer Umtriebe“ verwiesen. Die Erfahrungen, die Mühsam in der Schule wie auch in seinem Elternhaus machte, ließen ihn bereits als Jugendlichen gegen Autoritäten und patriarchales Verhalten eintreten, sodass er später konstatierte: „Ich war Anarchist, bevor ich wußte, was Anarchismus ist3.” Mühsams Aufbegehren gegen seinen strengen Vater drückte sich unter anderem darin aus, dass er sich gegen dessen Willen mit Literatur beschäftigte und heimlich Gedichte verfasste. Sein Anarchismus entstand aus einer jugendlichen, antiautoritären Haltung4.
Das Abitur konnte Mühsam dennoch 1896 in einer Schule im mecklenburgischen Parchim absolvieren. Anschließend begann er auf Drängen seines Vaters in Lübeck eine Apothekerlehre, die er – äußerst unwillig – als Gehilfe beendete, um im Jahre 1900 als „freier Schriftsteller“ nach Berlin zu ziehen, das neben Wien als wichtigstes kulturelles Zentrum im deutschsprachigen Raum galt5.

Die literarische Zeit: Berlin um 1900
In Berlin wohnte Mühsam zunächst in Schlachtensee in der „Neuen Gemeinschaft“, einer Vereinigung von Philosophen und Schriftstellern6. Wie er später angab, hatte ihn insbesondere ein Abschnitt des in der ersten Flugschrift der „Neuen Gemeinschaft“ formulierten Schlussappells angesprochen: „Über all die Trennungen hinaus, welche die heutige Menschheit zerklüften, will unsere Gemeinschaft diejenigen zusammenführen, in denen sich klares Schauen, reife Einsicht mit dem festen Willen verbindet, die neue Weltanschauung zu leben und das höchste Kulturideal zu verwirklichen7.”
In der Anfangszeit seines Lebens in der „Neuen Gemeinschaft“ griff Mühsam geradezu euphorisch deren Termini von „Lebensfreude“, „Frühling“, „neuem Gott“ und „Neues schaffender Revolution“ auf8. Die Revolution war den Schriften der „Neuen Gemeinschaft“ zufolge auf ihren kleinen Kreis bereits „einsichtsreifer“ Personen beschränkt. Auch in den folgenden Jahrzehnten war das Thema einer „geistigen Vorhut“ essentieller Bestandteil in Mühsams Debatten und Erfahrungen9.
In der Kommune freundete er sich unter anderem mit Else Lasker-Schüler, Martin Buber und insbesondere Gustav Landauer an, der für ihn zum politischen Mentor wurde. Dieser hatte als in der internationalen anarchistischen Intelligenz bereits Etablierter bald stärkeren Einfluss auf Mühsam als die Gründungsväter der „Neuen Gemeinschaft“. Die geistige Verbundenheit der beiden manifestierte sich schnell in einer engen Freundschaft10.
Mühsam war sowohl in anarchistischen als auch in literarischen Kreisen aktiv, hielt sich häufig im „Café des Westens“ auf und verdiente sein Geld als Redner, Schauspieler und Schriftsteller11. Im Kontrast zu der um die Jahrhundertwende in lyrischen wie auch in anderen künstlerischen Kreisen verbreiteten These des „l’art pour l’art“ sah Mühsam sich als sozial engagierter Schriftsteller, der „... die Kunst nie als Selbstzweck habe gelten lassen, sie immer als den dienstbaren Geist gefühlter Erlebnisse, erhabener Gedanken und werbenden Eifers betrachtet und benutzt” habe12.
Unter dem Einfluss Landauers wandte sich Mühsam im Laufe der Zeit von der „Neuen Gemeinschaft“ ab. Ausschlaggebend war dabei Landauers Abgrenzung von deren Vorstellung des „neuen Menschen“ und seiner Forderung nach einem produktiv tätigen Menschen als Prämisse für das Erreichen „der sozialen Utopie13.” Besonders ab der zweiten Hälfte des Jahres 1901 distanzierte sich Mühsam zunehmend von der „Neuen Gemeinschaft“, deren soziales Handeln sich verflüchtigt hatte. Einhergehend mit dem 1902 durch seinen Umzug nach Friedrichshagen gekennzeichneten Bruch wurde Erich Mühsam Redakteur der Wochenschrift „Der arme Teufel“. Mühsam war dort neben Redaktionstätigkeiten unter dem Pseudonym „Nolo – Ich will nicht“ für satirische Gedichte zuständig14. In dieser Zeit begann seine Identifizierung mit dem „Lumpenproletariat“ – den „armen Teufeln“ -, die er den Rest seines Lebens beibehielt. Neben Gedichten und Prosa hochrangiger Literaten wie Oscar Wilde und Edgar Allen Poe wurden in „Der arme Teufel“ regelmäßig anarchistische Schriften publiziert. Mühsams Arbeit in der Redaktion dieser Zeitschrift kann daher als wichtige Lehrzeit in seiner politiktheoretischen Entwicklung bewertet werden15.

Die Jahre der Wanderschaft und der Umzug nach München
Im Jahr 1904 ging Erich Mühsam mit seinem Freund Johannes Nohl16, einem Philosophiestudenten, auf Wanderschaft quer durch Europa. Die vier Jahre dauernde Reise ohne gesicherte finanzielle Mittel führte sie mehrmals nach Lausanne, Genua, Zürich, Genf, Berlin und München. Ferner machten sie einige Male in Ascona am Lago Maggiore, im Feriendomizil des damaligen Berliner Stadtverordneten Dr. Rafael Friedeberg, für längere Zeit Station. In diesem Ort, über den Mühsam 1905 den Bericht „Ascona. Eine Broschüre“ veröffentlichte, befand sich das Kurzentrum „Monte Verità“, eine esoterisch angehauchte Erholungsanstalt mit ausschließlich vegetarischem Essen, von Mühsam „Salatorium“ betitelt17. Zudem entdeckte er im Herbst 1907 seine Liebe zu Frankreich, insbesondere Paris, welchem er nach eigenen Angaben nur ungern – aufgrund der Sprache – wieder den Rücken kehrte18.
Nach Beendigung seiner Wanderschaft zog Mühsam nach München-Schwabing, dem damaligen Intellektuellen-Stadtteil. Die dortigen Künstlerlokale „Dichtelei“, „Simplicissimus“ sowie die „Torggelstube“ hatte Mühsam bereits in der Zeit seiner Wanderschaft besucht. Er lernte unter anderem Heinrich Mann, Frank Wedekind, Joachim Ringelnatz (damals noch Hans Bötticher) und Lion Feuchtwanger kennen. In dieser Zeit verfasste er einige Bänkellieder sowie ernste Gedichte und kleine Theaterstücke19.
Zudem versuchte er 1909, das „Lumpenproletariat“ zu aktivieren, indem er in Gaststätten Reden über die Notwendigkeit der Solidarität hielt. Als nach einer dieser Nächte eine Sprengkapsel explodierte, wurde Mühsam verhaftet und kam zunächst in ein Untersuchungsgefängnis. Zwar wurde er bei seiner Gerichtsverhandlung freigesprochen20, doch hatte die Beschuldigung Auswirkungen auf seinen Ruf: Mehrere Zeitschriften verweigerten den Abdruck seiner Werke. In dieser Zeit dichtete er den Generalstreikmarsch, der von Augustin Souchy mündlich überliefert wurde:
„Auf Brüder zu den Waffen!
Lasst uns Platz zur Freiheit schaffen,
erhebt euch Mann für Mann.
Drum nieder: Reichtum, Bourgeoisie!
Drum nieder: Knechtschaft, Tyrannie!
Zum Kampf, zum Kampf, zum Kampf für Anarchie!“
Zudem gründete Mühsam im Jahr 1911 seine erste eigene Zeitschrift: „KAIN. Zeitschrift für Menschlichkeit“ sowie mit Münchener Arbeitern einen libertären Gesprächskreis, die Gruppe Tat21.
Auch aus heutiger Sicht bemerkenswert erscheint Erich Mühsams progressive Position zur sogenannten Frauenfrage. In der Märzausgabe des “KAIN” 1913 äußerste sich Mühsam in Hinblick auf die Suffragetten-Bewegung – die er prinzipiell unterstützte, jedoch aufgrund ihres „Mangel[s] an Radikalismus in ihren Zielen und Absichten“ kritisierte – und insbesondere auf die gesellschaftliche Ächtung unehelicher Mutterschaft:
„Eine Frauenbewegung [...] scheint mir berufen, die wichtigste Pionierarbeit aller Kulturen zu leisten. Das schändlichste Verbrechen der von Männern inszenierten Weltwirtschaft ist die Entrechtung des Weibes in den Angelegenheiten ihres eigenen Willens und ihrer Kinder. Automobile, Kinematographen und Luftfahrzeuge bleiben ein Hohn auf alle Kultur, bis die Schweinerei der öffentlichen Kontrolle über die Geschlechtlichkeit der Frauen beseitigt ist, die Glorifizierung der Jungfernschaft, die der Deflorierung die Bedeutung einer moralischen Entwertung aufdrückt, aufgehört hat und die Vaterschaft als öffentlicher Rechtstitel verschwunden ist22.”

Der Erste Weltkrieg
Mit Kriegsbeginn stellte Mühsam die Produktion des “KAIN” ein und zog sich mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Am 15. September 1915 heiratete er Kreszentia Elfinger, genannt Zenzl. Einige Tage später wurde er zu seiner großen Freude ausgemustert: „Keine Engelsmusik hätte mir lieblicher in die Ohren tönen können23.”
Mit Kriegsverlauf nahm Mühsams Hass auf Militär und Krieg zu, er schrieb einige antimilitaristische Gedichte, die er in dieser Zeit jedoch nicht veröffentlichen konnte24. Zu jenen zählte bspw. das „Kriegslied“, in welchem Mühsams Zynismus offenbar wird. Die zweite Strophe lautet:
„Aus dem Bett von Lehm und Jauche
zur Attacke auf dem Bauche!
Trommelfeuer – Handgranaten – Wunden – Leichen – Heldentaten – bravo, tapfere Soldaten!
So lebt der edle Kriegerstand,
das Eisenkreuz am Preußenband,
die Tapferkeit am Bayernband,
mit Gott, mit Gott, mit Gott,
mit Gott für König und Vaterland25.“
Im Frühjahr 1917 nahm Mühsam als Gegenredner an einigen von Kurt Eisner veranstalteten Diskussionsabenden teil, bei denen er einen radikalen antimilitaristischen Internationalismus propagierte. Mit dem Verlauf der russischen Revolution und der unterschiedlichen Positionen wandte sich Mühsam endgültig gegen Eisner. Dies hatte unter anderem zur Folge, dass Mühsam Ende des Jahres 1917 von den Diskussionsabenden ausgeschlossen wurde26.

München: Novemberrevolution 1918
Als Mühsam im April 1918 versuchte, eine antimilitaristische Bewegung zu mobilisieren, wurde er „wegen Verstoßes gegen das politische Betätigungsverbot“ sogleich bis zum Kriegsende unter Zwangsarrest in Traunstein gestellt27. Zum Beginn der Novemberrevolution war er jedoch bereits frei und hielt eine flammende Rede vor Soldaten und anderem Publikum, in der er zur Revolution auf- und die Republik ausrief. Nach eigenen Angaben hielt er an diesem Abend insgesamt sieben Reden und wurde im Hof einer Infanterie-Kaserne leicht angeschossen. Am nächsten Morgen gründete sich der „Revolutionäre Arbeiterrat“ (RAR), die laut Mühsam bis April 1919 stärkste revolutionäre Kraft28. Nachdem der bayerische König geflohen war, wurde Kurt Eisner Präsident der neuen Volksrepublik. Entgegen Mühsams Plädoyers und Hoffnungen, eine bayrische Räterepublik einzurichten, wurde allgemein für eine parlamentarische Demokratie gestimmt. Doch bald wuchs die Unzufriedenheit unter Bauern, Arbeitern und Soldaten, und so wurde eine große Demonstration gegen Eisners Politik am 16. Februar 1919 mobilisiert29.
Am 21. Februar wurde Eisner – Mühsam weilte zu diesem Zeitpunkt in Baden – auf dem Weg zum Landtagsgebäude erschossen30. Vermutlich waren von dem Täter, Graf Arco und seinen Komplizen, auch auf Mühsam, Landauer und Max Levien Anschläge geplant, die jedoch aus unterschiedlichen Gründen unterlassen wurden31. Wie Mühsam in seinem Erinnerungsbericht schilderte, waren dem Komplott die Differenzen zwischen Eisner und den „Kommunisten“ um Mühsam und Landauer nicht bekannt32.
Dennoch wurde ein paar Monate später, im April 1919, – von Schriftstellern getragen – eine Räterepublik ausgerufen, die eine Woche lang existierte. Putschisten von sozialdemokratischer Couleur inhaftierten Mühsam und einige Genossen am 13. April in einem Bamberger Gefängnis, die KPD übernahm in diesem Putsch die militärischen Aufgaben. Viele Revolutionäre, darunter Gustav Landauer, wurden von ihnen ermordet. Gegen Mühsam folgte ein Standgerichtsprozess, in dem seine Exekution diskutiert wurde, doch er kam mit 15 Jahren Festungshaft davon33.

Jahre der Haft: 1919 – 1924
Zunächst wurde Mühsam zusammen mit vielen anderen politischen Häftlingen im Zuchthaus Ebrach inhaftiert, wo die Gefangenen eine Kommune mit gemeinsamem Kochen und geselligen Abenden gründeten. Nach einer Woche jedoch wurden sie auf unterschiedliche Gefängnisse aufgeteilt, Mühsam gemeinsam mit Ernst Toller in die „bayerische Ordnungszelle“ der Festung Niederschönenfeld überstellt. Durch miserable Haftbedingungen wurden die Differenzen zwischen den politischen Häftlingen zunehmend verstärkt und Streitigkeiten immer schlimmer. Mühsam jedoch hatte – vermutlich aufgrund seines Alters – die Rolle eines Mentors und Repräsentanten für die Gefangenen inne. Da er sich für seine Mithäftlinge einsetzte, wurde er von der Gefängnisleitung zunehmend schikaniert und sein Gesundheitszustand verschlechterte sich drastisch. Er schrieb in dieser Zeit:
„Jüngst war der Tod bei mir zu Gast
Unsichtbar stand er und hat still
und prüfend meinen Puls gefasst,
als fragt er, ob ich folgen will34.“

Entlassung im Zuge der „Hitler-Amnestie“, Leben in Berlin
Am Abend des 20. Dezember 1924 wurde Mühsam, der zu diesem Zeitpunkt in der Festung Niederschönenfeld einsaß, im Zuge der so genannten “Hitler–Amnestie” entlassen: Die bayerische Regierung wollte Hitler, der ebenfalls in Haft saß, zurück in die Politik holen; so wurden viele politische Häftlinge frei gelassen. Bereits am folgenden Tag zogen die Mühsams nach Berlin, wo sie begeistert empfangen wurden35.
Auf Anfrage der Roten Hilfe setzte Erich Mühsam sich nun mit anderen Agitatoren für die Freilassung der übrigen vielen tausend politischen Häftlingen und für Verbesserungen der Haftbedingungen in allen deutschen Gefängnissen ein. Im Oktober des Jahres 1926 erschien erstmals seine neue Zeitschrift: „FANAL“ mit dem Untertitel: „Anarchistische Monatsschrift.“ Mühsam hatte “FANAL” unter anderem gegründet, um die Politik der Sowjetunion kritisieren zu können und sich für die politischen Gefangenen in der UdSSR einzusetzen. In seiner Aktivität für die Rote Hilfe war er immer wieder mit kommunistischen Genossen aneinander geraten, die keine Kritik an dem neuen Staat duldeten36. So schrieb er beispielsweise zum 10. Jahrestag der russischen Revolution auf Bitte um eine Äußerung durch eine Moskauer Zeitung:
„Das revolutionär gesinnte Weltproletariat wäre beglückt, wenn durch die Amnestierung der russischen Anarchisten, Syndikalisten, Maximalisten, linken Sozialrevolutionäre und der Anhänger der Arbeiter-Opposition ein Streitfall aus dem Wege geschafft würde, der alle Einigkeitsbestrebungen unter den Proletariern aussichtslos macht und den Kampf für die Befreiung der proletarischen politischen Gefangenen in den kapitalistischen Staaten unleidlich erschwert37.“

Die Jahre vor der Machtübernahme durch die NSDAP
Auch im „FANAL“ publizierte Mühsam Artikel mit Kritik an dogmatischen Marxisten sowie am „Bismarxismus“. Dort schrieb er von sich selbst auch als von einem „religiösen Mensch[en]“ – religiös, im Gegensatz zu kirchlich -, der „seinem Freiheitsbedürfnis, in seinem Bedürfnis nach Selbstverantwortung und sozialer Verantwortung dem Gesetz in sich selbst …, einer inneren Stimme, die ihn mit dem universalen – oder göttlichen – Gesetz verbindet,“ folgt. Als er von der Hinrichtung der italienischen Anarchisten Sacco und Vanzetti in den USA erfuhr, verfasste er ein Theaterstück, das 1929 in Berlin uraufgeführt wurde38.
War Mühsam zwar scharf in seinen Analysen und Beobachtungen, so schien er die Gefahr durch die Nationalsozialisten in Deutschland erst spät erkannt zu haben – im Gegensatz zu den meisten Autoren des FAUD-Organs „Der Syndikalist39“. 1927 und 1928 publizierte er im “FANAL” zwei Artikel, die sich mit dem Faschismus auseinander setzten, jedoch nicht mit der Zunahme nationalsozialistischer Tendenzen in der Weimarer Republik, sondern mit bereits existierenden faschistischen Staaten in Europa, insbesondere Italien40. Erstmals in der Januarausgabe 1929 warnte Mühsam vor der Gefahr des Faschismus in Deutschland, die seines Erachtens aufgrund des Fokus des Proletariats auf theoretische Diskussionen irreversibel sei:
„Das Jahr 1929 aber, Genossen, wird euch nicht mehr fragen, ob ihr in theoretischen Auffassungen abweicht, sondern ob ihr vor praktischen Notwendigkeiten ausweicht. Der Faschismus ist im Anmarsch. Prosit Neujahr41!“
Im Jahr 1929 folgte lediglich in der Märzausgabe des “FANAL” ein weiterer Aufruf, der zum Erkennen der faschistischen Bedrohung appellierte, sowie im Oktober, November und Dezember insgesamt drei Artikel über den Vormarsch des Faschismus in Österreich42. Die erste intensive Auseinandersetzung mit der Zunahme faschistischer Tendenzen in Deutschland und deren möglichen Implikationen erschien in der Februarausgabe 1931 als direkte Reaktion auf den Ausgang der Wahlen vom Januar durch einen von Mühsams engem Freund, dem Anarchosyndikalisten Rudolf Rocker, verfassten Artikel43.
Bereits im August 1931 wurde “FANAL” auf Grundlage der Bestimmungen „zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen“ verboten44. Bis zur Machtübernahme erschienen lediglich noch vier Rundbriefe an die Leserschaft45. Zudem wurde Mühsam im Oktober 1931 gemeinsam mit anderen AutorInnen aus dem Schutzverband Deutscher Schriftsteller ausgeschlossen46. In „Die Internationale“ erschien 1932 seine letzte politische Kampfschrift „Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat“, in der er seine Vorstellung eines anarchistischen Gesellschaftsmodells elaborierte.

Der Reichstagsbrand und der Beginn der Torturen
Bereits kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, auf die der Anarchist mit seinem Eintritt in die FAUD reagiert hatte47, gehörten die Mühsams zu den Ersten, denen die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen und – damit einhergehend – deren gesamter Besitz konfisziert wurde48. Erich Mühsam wurde in der Nacht des Reichstagsbrandes verhaftet. Zunächst wurde er im Gefängnis in der Lehrter Str. inhaftiert, dann am 6. April in das KZ Sonnenburg überstellt, wo ihn seine Frau zwei Tage später besuchten durfte. Bei diesem Treffen schwor er ihr, niemals Suizid zu begehen, obwohl er bereits schwer misshandelt worden war49. Am 31. Mai 1933 wurde Mühsam zunächst nach Plötzensee überstellt, wo er sich von seinen Misshandlungen ein wenig erholen konnte. Nach drei Monaten wurde jedoch auf Görings Geheiß die Situation politischer Häftlinge verschärft und Mühsam im Zuchthaus Brandenburg arretiert. Dort wurde er aufs Übelste misshandelt50, sodass er sein Gehör fast vollständig verlor51.

Einlieferung in das KZ Oranienburg
Am 2. Februar 1934 wurde Mühsam in das KZ Oranienburg überstellt. Sein Leidensweg setzte sich dort fort: Als prominenter Häftling, noch dazu jüdischer Anarchist, verkörperte Mühsam das Hassobjekt der nationalsozialistischen Ideologie schlechthin. Es verging kaum ein Tag, an dem er nicht misshandelt oder gedemütigt wurde. Dem so genannten „Judenzug“ zugeteilt, musste Mühsam vor allem bloßhändig in der Latrine arbeiten. Doch innerhalb der Häftlingsgesellschaft genoss er wegen seines Alters und seiner Erfahrung großes Ansehen und galt als besonders „schutzbedürftig“. Für viele Häftlinge, insbesondere aus dem kommunistischen und pazifistischen Lager, stellte er eine Art moralische Instanz dar, seine Nähe wurde insbesondere in den abendlichen „Freizeitstunden“ – beispielsweise beim Schachspielen – gesucht.
Als am 6. Juli 1934 Württemberger SS die Führung des Konzentrationslagers übernahm, wurde Mühsam von Sturmbannführer Erath nahe gelegt, binnen drei Tagen Selbstmord zu begehen. Seine Situation war aussichtslos, war ihm doch bewusst, dass das Ablaufen der Frist seine Ermordung implizierte. In seiner Verzweiflung wandte er sich an seine Mithäftlinge, die sehr bestürzt reagierten und verschiedene Handlungsoptionen erwogen. Keine erschien jedoch geeignet, Mühsams Tod zu verhindern. Zwei Tage darauf gelang es Kreszentia Mühsam, ihren Mann im KZ zu besuchen. Dieser erwähnte mit keinem Wort sein drohendes Schicksal, sondern sprach von allgemeinen Angelegenheiten, um sie nicht zu beunruhigen52.

Ermordung
Am Morgen des 10. Juli 1934 wurde Mühsam erhängt in einer Latrine gefunden. Die offizielle Todesursache lautete Selbstmord, doch war allen Häftlingen, die den toten Körper sahen, bald bewusst, dass es sich um vertuschte Fremdeinwirkung handelte: Mühsams Brille lag unbeschädigt auf der Fensterbank, das Seil erwies sich als hervorragend geknüpft – der Dichter war jedoch bekanntermaßen handwerklich enorm unbegabt53. Zudem waren deutlich Schleifspuren im Korridor der Latrine zu erkennen, das Gesicht wies keine Anzeichen von Erstickungstod auf54.
Kreszentia Mühsam wurde am 11. Juli von seinem Tod informiert. In der Leichenhalle des Oranienburger Dorffriedhofs sah sie die Leiche ihres Mannes, der, wie ihr dort vom ehemaligen SA-Kommandanten Stahlkopf mitgeteilt wurde, von dessen SS-Kollegen ermordet worden war55.

Der „Schutzverband Deutscher Schriftsteller“, der nach Frankreich emigriert war, organisierte eine Gedenkveranstaltung zur Ermordung Erich Mühsams. Dabei wurden Protestbriefe einiger deutscher und internationaler Schriftsteller verlesen, einige der anwesenden LiteratInnen – bspw. Anna Seghers – hielten Ansprachen56.
Am Tag des Begräbnisses auf dem Waldfriedhof Dahlem am 16. Juli 1934 floh Kreszentia Mühsam mit dem gesamten Nachlass ihres Mannes über die Grenze nach Prag. Es gelang ihr, im Januar 1935 die Broschüre „Der Leidensweg Erich Mühsams“ im französisch-schweizerischen Mopr-Verlag zu publizieren. Auf Zureden des NKWD übergab sie den Nachlass Erich Mühsams dem Moskauer Maxim-Gorki-Archiv. 1936 wurde sie verhaftet und in einem Sibirischen Arbeitslager interniert, aus dem sie erst ungefähr 20 Jahre später freigelassen wurde und nach Ost-Berlin zurückkehrte. Kreszentia Mühsam starb dort am 10. März 196257.

1 Mühsam, Erich: Dichter und Kämpfer (geschrieben 1913), in: ders.: Brennende Erde. Verse eines Kämpfers, München 1920. 

2 Mühsam, Erich: Tagebücher 1910-1924, München 2004, S. 17 f. 

3 Zit. nach Kauffeldt, Rolf: Erich Mühsam. Literatur und Anarchie, München 1983, S. 47. 

4 Vgl. ebd., S. 48 f. 

5 Vgl. ebd., S. 50. 

6 „Die neue Gemeinschaft“ war im Herbst 1900 von den Brüdern Julius und Heinrich Hart und anderen Ehemaligen des Künstlerzirkels Friedrichshagener Kreis gegründet worden. Ziel war die Überwindung des Gegensatzes zwischen Volk und Künstlern durch das Schaffen eines „neuen Menschen“. Dabei verstand sich „Die neue Gemeinschaft“ als „Gemeinschaft des Lebens und der That“, in der in Rezeption des Kulturphilosophen Friedrich Nietzsche und des Individualanarchisten Max Stirner Freiheit und Gemeinschaftlichkeit gleichermaßen existieren sollten; ebd., S. 52. 

7 Zit. nach ebd., S. 54. 

8 Vgl. ebd., S. 57; Der Wunsch nach dem „neuen Menschen“ muss als Referenz zu Nietzsches „Zarathustra” verstanden werden.  

9 Vgl. ebd., S. 58. 

10 Vgl. ebd., S. 60. 

11 Vgl. Kreiler, Kurt: Vom zufälligen Tod eines deutschen Anarchisten. Leben und Tod des Schriftstellers Erich Mühsam, in: Morsch, Günter (Hg.): Konzentrationslager Oranienburg, Oranienburg 1994, S. 95-107, hier: S. 96. 

12 Zit. nach Kauffeldt: Erich Mühsam, S. 49. 

13 Ebd., S. 62. 

14 Vgl. ebd., S. 66. 

15 Vgl. ebd., S. 69. 

16 Nohl wurde aufgrund seiner Homosexualität diffamiert; da seine Freundschaft zu Mühsam, der sich in seiner Streitschrift „Die Homosexualität. Ein Beitrag zur Sittengeschichte unserer Zeit“ (1903) gegen den § 175 gewandt hatte, bekannt war, wurde dieser während seines „Geheimbundprozesses“ der „Päderastie“ bezichtigt; vgl. Mühsam: Tagebücher, S. 375. 

17 Mühsam wurde aufgrund seines Gesundheitszustandes von Dr. Friedeberg dorthin zur Kur geschickt, die er jedoch mit einem Beefsteak und einem halben Liter Wein vorzeitig beendete. Er schrieb über diese Erfahrung: „Nie hat mir eine Mahlzeit so geschmeckt, nie mich eine so gekräftigt und dem Leben gewonnen.“ Mühsam, Erich: Unpolitische Erinnerungen, Hamburg 2000, S. 79. 

18 Vgl. ebd., S. 80. 

19 Vgl. Kreiler: Vom zufälligen Tod eines deutschen Anarchisten, S. 96. 

20 Nach Einschätzung Mühsams hatte seine Verhaftung auf Grundlage des „Geheimbundparagraphen“ stattgefunden, der sich im Laufe der Gerichtsverhandlung jedoch als untauglich herausstellte. Da zudem für die verhandelte Situation im Strafgesetzbuch keine anwendbare Benennung gefunden wurde, musste er freigesprochen werden; vgl. Mühsam, Erich: Von Eisner bis Leviné. Die Entstehung und Niederlage der bayerischen Räterepublik. Ein Bericht, Hamburg 1976; Mühsams Verteidigung hatten Max Bernstein und Hugo Caro inne, die Mühsam ein paar Jahre zuvor in der Münchener „Torggelstube“ kennen gelernt hatte; vgl. Mühsam: Unpolitische Erinnerungen, S. 133 f. sowie ders.: Tagebücher, S. 376. 

21 Vgl. Kreiler: Vom zufälligen Tod eines deutschen Anarchisten, S. 97. 

22 Mühsam: „Kultur und Frauenbewegung“, in ders.: Gedichte und Aufsätze, Stuttgart 2003, S. 124. 

23 Mühsam: Tagebücher, S. 158. 

24 Vgl. Kreiler: Vom zufälligen Tod eines deutschen Anarchisten, S. 98. 

25 Kriegslied (geschrieben im März 1917), in: Mühsam: Gedichte und Aufsätze, S. 47. 

26 Vgl. Mühsam: Von Eisner bis Leviné, S. 19. 

27 Mühsam: Gedichte und Aufsätze, S. 168. 

28 Vgl. Mühsam: Von Eisner bis Leviné, S. 21. 

29 Vgl. ebd., S. 30 f. 

30 Wie sich später herausstellte, war Eisners mit der Absicht dorthin gefahren, sein Amt niederzulegen und seine Macht dem aus seiner Sicht reaktionären Parlament zurückzugeben; vgl. ebd., S. 33. 

31 Im März 1919 schrieb Mühsam, vermutlich aus Ahnung seiner möglichen Ermordung, das Gedicht „Die Stimme des Gemordeten“. Etwas pathetisch bekannte er darin, bereit zu sein, den Märtyrertod zu sterben, wenn es der Revolution denn diene. An die herrschende Klasse adressiert schrieb Mühsam:
„[...] Mag denn mein Opferblut entscheiden,
ob euer Recht, ob meines siegt,
und ob des Volks, ob euer Leiden
im Weltenratschluß schwerer wiegt.
Fiel mit dem Ballast meines Lebens
des Volks Befreiung über Bord,
dann war mein Werk von je vergebens, – und sehr gerecht war euer Mord.
Entquillt jedoch aus meinem Blute
die nicht von euch gewollte Saat,
dann preis ich jubelnd die Minute,
die euch die Kraft verlieh zur Tat.
Dann ward der Freiheit zum Erwecker
der Arm der tötenden Gewalt,
dann machtet ihr mich zum Vollstrecker
des Willens, dem mein Leben galt. [...]“.
„Die Stimme des Gemordeten“, in: Mühsam: Gedichte und Aufsätze, S. 72. 

32 Vgl. Mühsam: Von Eisner bis Leviné, S. 33 f; Mühsam schrieb diesen Bericht 1920 als Brief an Lenin, um diesem eine – bewusst subjektive, jedoch seiner Ansicht nach korrekte – Darstellung der Ereignisse näher zu bringen, in der er sich dezidiert gegen die von P. Werner verfasste Historiographie „Die bayerische Räterepublik. Tatsachen und Kritik“ wandte. Folgende Bemerkung verdeutlicht Mühsams Einstellung zur Geschichtsschreibung: „Ich glaube, dass die ungekünstelte Darstellung subjektiv erlebter Dinge mehr innere Wahrheit enthält, als eine gequälte Objektivität, der alle Grundlagen tatsächlichen Wissens fehlen.“ ebd., S. 8. 

33 Vgl. Kreiler: Vom zufälligen Tod eines deutschen Anarchisten, S. 99. 

34 „Die Pflicht“ in: Mühsam: Gedichte und Aufsätze, S. 59. 

35 Vgl. Kreiler: Vom zufälligen Tod eines deutschen Anarchisten, S. 100; vgl. Mühsam: Gedichte und Aufsätze, S. 170. 

36 Vgl. Kreiler: Vom zufälligen Tod eines deutschen Anarchisten, S. 101; Im Januar 1929 schickte Mühsam seine Austrittserklärung an die Rote Hilfe, die er in der Februarausgabe des FANAL publizierte. Er begründete seinen Austritt damit, dass er die Rote Hilfe nicht mehr als überparteilich anerkennen könne, da er von deren Vorhaben, für die KP zu werben, gelesen habe; vgl. „Absage an die Rote Hilfe“, in: FANAL, Nr. 5, Jg. 3/Februar 1929, S. 119 f.  

37 „Revolutions-Jubiläum“, in: FANAL Nr. 2, Jg. 2/November 1927, S. 46. 

38 „Staatsräson“, vgl. Kreiler: Vom zufälligen Tod eines deutschen Anarchisten, S. 102; auch schrieb Mühsam zu deren Todestag im Jahre 1929 das Gedicht „Leitsatz“, in dem er – insbesondere in der dritten Strophe – die Notwendigkeit des politischen Schaffens vor das Leben stellte:
„Leb, daß du stündlich sterben kannst,
In Pflicht und Freude stark und ehrlich.
Nicht dich, – das Werk, das du begannst,
Mach für die Menscheit unentbehrlich!“
„Leitsatz“, in: Mühsam: Gedichte und Aufsätze, S. 51. 

39 Vgl. Rübner, Hartmut: „Der Weg ins Dritte Reich“. Die Analyse des Nationalsozialismus durch deutsche Anarchisten und Anarcho-Syndikalisten, in: Graf, Andreas (Hg.): Anarchisten gegen Hitler. Anarchisten, Anarcho-Syndikalisten, Rätekommunisten in Widerstand und Exil, Berlin 2001, S. 15f. 

40 Vgl. „Die Halbstarken“ in: FANAL Nr. 2, Jg. 2/Nov. 1927, S. 46 f sowie „Faschistische und revolutionäre Aktion“, in: FANAL Nr. 8, Jg. 2/Mai 1928. 

41 „Der Faschismus im Anmarsch“, in: FANAL Nr. 4, Jg. 3/Januar 1929, S. 90. 

42 Vgl. „Das Pulverfaß“, in: FANAL Nr. 6, Jg. 3/März 1929, S. 139 ff; „Wien: Vor dem Faschismus in Österreich“, in: FANAL Nr. 1, Jg. 4/Oktober 1929, S. 18 f; „Klarstellung“, in: FANAL Nr. 2, Jg. 4/November 1929, S. 48 sowie „Österreich“, in: FANAL Nr. 3, Jg. 4/Dezember 1929, S. 72. 

43 Vgl. „Der deutsche Nationalsozialismus und die Kriegsgefahr“, in: FANAL Nr. 5, Jg. 5/Februar 1931, S. 107-110. 

44 „Verbot“, in: FANAL Nr. 11-12, Jg. 5/August 1931, S. 243. 

45 August 1931, November 1931, Juni 1932 sowie Oktober/November 1932. 

46 Vgl. Mühsam: Gedichte und Aufsätze, S. 170. 

47 Vgl. Döhring, Helge: Syndikalist aus Überzeugung, http://www.syndikalismusforschung.info/helerich.htm. 

48 Vgl. LABO Berlin, Akte 2349 (Erich Mühsam), Blatt D 13. 

49 Vgl. Kreiler: Vom zufälligen Tod eines deutschen Anarchisten, S. 103. 

50 Vgl. Girnus, Wilhelm: Brandenburg – Oranienburg, in: europäische ideen: Erich Mühsam, 1974. 

51 Vgl. Kreiler: Vom zufälligen Tod eines deutschen Anarchisten, S. 104. 

52 Vgl. Mühsam, Kreszentia: Der Leidensweg Erich Mühsams, Berlin 1994, S. 44 f. 

53 In seinen 1927 erschienenen „Unpolitischen Erinnerungen“ schilderte Mühsam selbst sein handwerkliches Ungeschick: „[...] trotz meiner nicht alltäglichen Ungeschicklichkeit in allen manuellen Verrichtungen [...]“; Mühsam: Unpolitische Erinnerungen, S. 140. 

54 Vgl. Kreiler: Vom zufälligen Tod eines deutschen Anarchisten., S. 106 f. 

55 Vgl. Mühsam: Der Leidensweg Erich Mühsams, S. 46. 

56 Vgl. Kreiler: Vom zufälligen Tod eines deutschen Anarchisten., S. 95. 

57 Vgl. LABO, Blatt M 17 (Sterbeurkunde Kreszentia Mühsam); Als Alleinerben hatte sie ihren in Potsdam wohnhaften Neffen Ludwig Elfinger eingesetzt, da ihr Sohn – Erich Mühsams Stiefsohn – Siegfried Elfinger in den USA lebte und daher den Nachlass nicht erhalten durfte; vgl. LABO, Blatt D 26. 

Soziale/Regionale Herkunft: Eltern: Siegfried Seligman und Rosalie Mühsam (Apotheker in Lübeck); Letzter Wohnort vor Verhaftung: München (1919); Dörchläuchtingstr. 48, Berlin-Britz (1933)

Ausbildung/Berufstätigkeit: Gymnasium Lübeck (wegen „sozialistischer Umtriebe“ relegiert); Abitur in Parchim; Apothekerlehre; freier Journalist und Publizist mehrerer Zeitschriften („KAIN“, „FANAL“)

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: 1912 - 1931 Mitglied im Schutzverband Deutscher Schriftsteller; ab 1933 Mitglied der FAUD

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: Oktober - November 1919: KPD; 1925 - 1929: Rote Hilfe Deutschlands; ab 1925: Anarchistische Vereinigung Berlin

Politische Mandate/Aktivitäten: keine Angaben

Widerstandsaktivitäten: keine Angaben

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: Untersuchungsgefängnis München: Juni 1910; Festungshaftanstalt Traunstein: 24. April 1918 – 31. Oktober 1918; Zuchthaus Ebrach: 13. April 1919 – Juli 1919; Festungshaftanstalt Ansbach: 12. Juli 1919 – Oktober 1920; Festungshaftanstalt Niederschönenfeld: Oktober 1920 – 21. Dezember 1924; Zellengefängnis Lehrter Str.: 27. Februar 1933 – 6. April 1933; KZ Sonnenburg: 6. April 1933 – 31. Mai 1933; Gefängnis Plötzensee: 31. Mai 1933 – 8. September 1933; Zuchthaus Brandenburg: 8. September 1933 – 2. Februar 1934; KZ Oranienburg: 2. Februar 1934 – 10. Juli 1934

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: entfällt

Erinnerungskultur/Ehrungen: Ehrengrab der Stadt Berlin, Waldfriedhof Dahlem; Gedenkstein vor Mühsams ehemaligem Haus in Berlin-Britz; Gedenkstein auf dem Gelände des ehemaligen KZ Oranienburg, Berliner Str. 45a; Diverse Erich-Mühsam-Straßen und -Plätze in deutschen Städten; Stolperstein für Erich Mühsam vor dem Buddenbrookhaus in der Lübecker Mengstr. 4; Erich-Mühsam-Gesellschaft; Erich-Mühsam-Preis; Tarnname des 8. Artillerieregiments der NVA „Erich Mühsam“

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