Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
24. März 1888 - 8. Februar 1954

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Passbild Otto Klose (1945). Quelle: LA Berlin.

Passbild Otto Klose (1945). Quelle: LA Berlin.

Der Sozialdemokrat Otto Klose engagierte sich jahrelang politisch in Berlin-Steglitz. So übte er von 1923 bis 1933 ein Mandat in der Bezirks- verordnetenversammlung aus und übernahm als Fraktions- vorsitzender seiner Partei und als Kreisvorsitzender zusätzliche Verantwortung. Dieses Eintreten für seine politischen Überzeugungen führte im Herbst 1933 zur Verhaftung durch die Gestapo und zum Aufenthalt in mehreren Konzentrationslagern.

Von Philipp Rothe

Otto Robert Klose wurde am 24. März 1888 in der sächsischen Kleinstadt Herzberg geboren. Er war das einzige Kind seiner aus dem sozialdemokratischen Umfeld stammenden Eltern. Dem Besuch der Volksschule schloss sich eine Lehre als Tischler an. 1906, im Alter von 18 Jahren, ging Otto Klose nach Berlin. In den nächsten Jahren übte der junge Mann verschiedene Tätigkeiten aus, 1914 erhielt er eine Anstellung als Straßenbahnschaffner bei der „Großen Berliner Straßenbahn“. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde Klose eingezogen und diente von 1914 bis 1918 im Heer.
Zwar konnte Klose nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst 1919 seine alte Arbeit als Straßenbahnschaffner wieder aufnehmen, wurde aber 1922 entlassen. In den folgenden Jahren verdiente Klose sein Einkommen bei unterschiedlichen Arbeitgebern: als Klavierbauer, als Angestellter beim Arbeitsamt Mitte und seit dem Frühjahr 1929 als Leiter der Personalannahme der neu gegründeten Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Klose behielt diese Position bis zu seiner aus politischen Gründen erfolgten Entlassung im März 1933. Für einen Handwerker aus einfachen Verhältnissen war diese leitende Position ein Karrieresprung. Otto Klose war seit 1906 Mitglied der SPD und es ist anzunehmen, dass sein langjähriges Engagement in der Kommunalpolitik sich als zusätzliche Qualifizierung auswirkte.

Klose kandidierte 1921 erstmals für ein politisches Amt. Zwar verpasste er in der Wahl für die Bezirksverordnetenversammlung Steglitz die notwendigen Stimmen, doch gelang es ihm, durch ein Nachrückverfahren 1923 ein Mandat zu erhalten1. In den folgenden Wahlgängen konnte Klose mehrmals sein Mandat zu behaupten. Auch übernahm er als Fraktionsvorsitzender seiner Partei und als Kreisvorsitzender zusätzliche Verantwortung. Sein Eintreten für politische Forderungen zeigte sich auch im beruflichen Umfeld. Klose war Vorsitzender der sozialdemokratischen BVG-Angestellten und Gewerkschaftsmitglied. Entsprechend seines Berufsfeldes handelte es sich dabei um den Deutschen Verkehrsbund bzw. den Deutschen Holzarbeiterverband; bei letzteren nahm Klose die Funktion eines Sektionsleiters ein2.

In den vorgezogenen Wahlen zur Bezirksverordnetenversammlung 1933 wurde Klose erneut als Abgeordneter bestätigt, doch mit der zunehmenden „Gleichschaltung“ des Jahres 1933 sollte auch für Otto Klose eine Zeit der Ausgrenzung und Verfolgung beginnen. Im Juni 1933 erfolgte das Parteiverbot der SPD und die im folgenden Monat erlassene „Verordnung zur Sicherung der Staatsführung“ verfügte die Aufhebung aller SPD-Mandate.

Schließlich wurde Otto Klose im September 1933 in seiner Wohnung verhaftet, in der Prinz-Albrecht-Straße verhört, in das KZ Columbia-Haus überwiesen3 und schließlich in das KZ Oranienburg eingeliefert. In den vier Monaten Haft im KZ Oranienburg fand Klose entsprechend seiner Qualifikation eine Verwendung in der lagereigenen Tischlerei.
Auch nach seiner Entlassung im Januar 1934 hielt er weiterhin Kontakt zu seinem sozialdemokratischen Umfeld. So gehörte er dem Freundes- und Widerstandskreis um Wilhelm Skubich an; dessen Mitglieder organisierten Geldsammlungen und andere Hilfsaktionen für die Familien von Inhaftierten4.
In den nächsten Jahren war Klose gezwungen, seinen Lebensunterhalt als Selbstständiger zu verdienen. So eröffnete er 1935 ein Gemüsegeschäft und ab 1938 betrieb er eine eigene Tischlerei.
Gleichwohl sollte sein früheres politisches Engagement für Klose ernsthafte Nachwirkungen haben. Im Rahmen der „Aktion Gewitter“ wurde der Sozialdemokrat am 23. August 1944 erneut verhaftet. Erst mit der Einberufung zur Wehrmacht im November 1944 wurde Klose aus dem KZ Sachsenhausen entlassen.

Das Kriegsende erlebte Otto Klose in Berlin und wie sich zeigte, war er seinen politischen Überzeugungen treu geblieben. Nach dem Einmarsch der Roten Armee wurde er beim Bezirksamt Steglitz zum Zweiten Stellvertretenden Bürgermeister ernannt und ab 1946 konnte Otto Klose erneut als Abgeordneter in die Bezirksverordnetenversammlung Steglitz einziehen.
Klose verstarb am 8. Februar 1954 in Berlin.

1 Vgl. die Darstellung des Werdegang Kloses in: Verein Aktives Museum (Hg.): Vor die Tür gesetzt. Im Nationalismus verfolgte Berliner Stadtverordnete und Magistratsmitglieder 1933-1945, Berlin 2006. S. 252-253. 

2 Vgl. Fragebogen: Opfer des Faschismus, Otto Klose, 7. September 1945, LA Berlin, C Rep 118-01, Nr. 4572. 

3 Vgl. Schilde, Kurt/ Tuchel, Johannes: Columbia-Haus. Berliner Konzentrationslager 1933-1936, Berlin 1990, S. 170. Bei Schilde/Tuchel finden sich abweichende Angaben zu Haftort und Haftdauer. 

4 Vgl. Sandvoß, Hans-Rainer: Widerstand in Steglitz und Zehlendorf, Berlin 1986, S. 68. 

Soziale/Regionale Herkunft: Vater und Mutter SPD-Mitglieder

Ausbildung/Berufstätigkeit: Besuch der Volksschule, Tischlerlehre, 1914/1919-1922 Straßenbahn-Schaffner, 1926-1929 Arbeitsamt Mitte, 1929-1933 Leiter der Personalannahme bei der BVG, 1935-1944 selbstständig

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Deutscher Holzarbeiterverband/ Sektionsleiter; Deutscher Verkehrsbund

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: SPD

Politische Mandate/Aktivitäten: 1925-1933 Bezirksverordneter in Steglitz, Fraktionsvorsitzender

Widerstandsaktivitäten: Teilnahme am Widerstandskreis um Wilhlem Skubich, Berlin-Steglitz, Geldsammlungen und Hilfsaktionen für die Familien Inhaftierter, Flugblätter

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: Gestapozentrale Prinz-Albrecht-Straße, KZ Columbia-Haus, KZ Oranienburg: September 1933 - Januar 1934, KZ Sachsenhausen: 23. August 1944 - 4. November 1944

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: 1945 Zweiter Stellvertretender Bürgermeister Steglitz, 1946 Bezirksverordnetenversammlung Steglitz

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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