Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
29. März 1885 - 29. Mai 1956

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Von Siegfried Mielke und Matthias Oden

Franz Moericke, zunächst Mitglied des freigewerkschaftlichen Deutschen Holzarbeiterverbandes, ab 1929 Mitglied des Reichskomitees der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition (RGO), des Leitungsorgans der Spitzenorganisation der „revolutionären“ Gewerkschaftsbewegung, stand während der NS-Zeit in Kontakt mit der Widerstandsgruppe um Robert Uhrig1 und der führenden kommunistischen Widerstandsgruppe von Franz Jacob, Anton Saefkow und Bernhard Bästlein2. Er gehörte zu den kommunistischen Funktionären, die Gewerkschaftsarbeit im parteipolitischen Interesse betrieben. Das gilt für seine Tätigkeit als Parteisekretär für Landarbeiter- und Kleinbauernfragen ebenso wie für sein Engagement beim Gewerkschaftsaufbau nach Ende des Zweiten Weltkrieges.

Familiärer Hintergrund, beruflicher Werdegang

Franz Moericke, geboren am 29. März 18853, wuchs als das sechste von acht Kindern des Sattlers Gustav Moericke und seiner Frau in Apolda in ärmlichen Verhältnissen auf. Um das Auskommen der Arbeiterfamilie zu sichern, betrieb Gustav Moericke dort neben seiner Handwerkstätigkeit eine Schankstube; die Mutter arbeitete zusätzlich als Heimarbeiterin für eine Wollwarenfabrik. Aufgrund der schwierigen Finanzlage der Familie konnte der junge Moericke die Volksschule nur bis zur achten Klasse besuchen und arbeitete bereits mit 13 Jahren. 1899 begann er eine Lehre als Modelltischler, die er drei Jahre später abschloss. Anschließend fand er in seinem Beruf eine Anstellung in den Jenaer Zeiss-Werken. „Dort erhielt ich die ersten Impulse für meine gewerkschaftliche und politische Tätigkeit“, so Franz Moericke selbst4. Er blieb in Jena, bis er 1907 seinen zweijährigen Wehrdienst in Erfurt ableisten musste. Zwischen 1909 und 1913 arbeitete Moericke in verschiedenen Maschinenfabriken in Thüringen, die längste Zeit davon im Automobilwerk Eisenach (1910 – 1913). 1910 heiratete er Marta Baumann. 1913 nahm er eine Stelle als Expedient der sozialdemokratischen „Weimarer Volkszeitung“ in Jena an, die er bis Kriegsausbruch innehatte.

Politisches und gewerkschaftliches Engagement in der Weimarer Republik

Franz Moerickes politische Laufbahn begann schon früh: Als Jugendlicher aktiv in der Thüringer Arbeiterjugendbewegung gewesen, wurde er 1902 Mitglied der SPD und engagierte sich im Wahlkampf 1903 in der Jenaer Umgebung. Am 17. September 1904 trat er in den Deutschen Holzarbeiterverband ein, in dem er schon bald mit dem Amt eines Beisitzers der Ortsverwaltung betraut wurde, sich an verschiedenen Streiks beteiligte und nach sechs Jahren Mitgliedschaft als Sekretär fungierte.
1914 wurde Franz Moericke zum Kriegsdienst eingezogen und an die Westfront abkommandiert. Bereits 1915 aber entließ man Moericke „wegen Krankheit“ aus der Armee5. Da der 30-jährige Tischler aber anschließend in kriegswichtigen Betrieben wie dem Flugzeugwerk Halberstadt als Werkmeister tätig war, ist nicht auszuschließen, dass Moericke vom Kriegsdienst freigestellt wurde, um dort als gelernter Facharbeiter zu arbeiten. Die billigende Haltung der SPD zur Kriegspolitik der Reichsregierung veranlasste Moericke 19166 zum Bruch mit den Sozialdemokraten und zum Parteiaustritt. Die Möglichkeit, sich wieder parteipolitisch zu engagieren, bot sich Moericke 1917 mit der Gründung der USPD – in deren kriegskritischen Reihen fand der Tischler Gleichgesinnte und trat ihr noch im Gründungsjahr bei. Bei Kriegsende übte Moericke das Amt des Unterbezirkssekretärs des Kreises Halberstadt – Oschersleben – Wernigerode, einem Kreis mit ungefähr 3.000 Mitgliedern, aus. 1920 trat er zusammen mit anderen Unabhängigen Sozialdemokraten in die in Halberstadt ein Jahr zuvor gegründete KPD ein. Auch für diese blieb er Unterbezirkssekretär. 1921 wurde er in die Bezirksleitung der KPD in Magdeburg-Anhalt gewählt. Dort arbeitete er nicht nur als Redakteur der kommunistischen „Magdeburger Volkszeitung“, sondern betätigte sich auch erstmalig auf einem Gebiet, das ihn zeit seines Lebens beschäftigen sollte: Als Sekretär für Landarbeiter- und Kleinbauernfragen setzte er sich für das Landproletariat ein, indem er beispielsweise gegen die arbeitgeberfreundliche Landarbeiterordnung, die am 24. Januar 1919 erlassen worden war, ankämpfte und im März 1921 an der Organisation von mehreren Streiks der Landarbeiter teilnahm – Aktivitäten, die ihm drei Wochen Haft einbrachten. Wichtiger Aspekt von Moerickes Arbeit als Parteisekretär war die Schaffung eines engen Verhältnisses zwischen Land- und Stadtproletariat, das er beständig zu verbessern suchte. Die Förderung und Unterstützung des „Roten Frontkämpferbundes“ (RFB) durch Moericke erfolgte daher unter genau diesem Gesichtspunkt, da der RFB für ihn die passende Organisation war, in der beide Seiten des Proletariats vereint gegen die Arbeitgeberseite antreten konnten.
Als die KPD 1923 kurzzeitig verboten wurde, wurde Moericke erneut verhaftet7. Im November 1923 schickte ihn die KPD nach Königsberg, um dort beim Aufbau des Parteiapparates mitzuhelfen. Auch dort war er Mitglied der Bezirksleitung, auch dort arbeitete Moericke in der Redaktion einer KPD-nahen Zeitung, dem „Echo des Ostens“, mit. Seine Arbeit in Ostpreußen war jedoch nur von kurzer Dauer. Bereits im Frühjahr des nächsten Jahres entsandte die Partei Moericke nach Pommern. Dort war die Lage der Kleinbauern und Landarbeiter ähnlich katastrophal wie die ihrer Standesgenossen in Mitteldeutschland: Massenarbeitslosigkeit, bedingt durch zunehmende Rationalisierung der landwirtschaftlichen Produktion, und damit einhergehender Lohnverfall hatten zu Unruhen unter den Landarbeitern geführt, und Franz Moericke sollte seine in Magdeburg erworbenen Erfahrungen nutzen, um die sich abzeichnende Bewegung weiter zu organisieren. Auch in Pommern sorgte seine Arbeit für kurzzeitige Inhaftierungen, u. a. in Kolberg. Zwischen 1924 und 1928 war Moericke Mitglied des Preußischen Landtags – gewählt von großen Teilen der Landbevölkerung. Ab 1925 saß er in der „Abteilung Land“ des Zentralkomitees der KPD. Unterdessen stieß sein Einsatz für die ostdeutsche Landbevölkerung nicht nur auf Zustimmung. Dem Deutschen Holzarbeiterverband waren Moerickes Einstellungen zu radikal, die Folge war der Ausschluss aus der Gewerkschaft im Jahr 1927. Im selben Jahr hatte Moericke den Posten des Chefredakteurs der Mageburger „Tribüne“ inne, konzentrierte sich anschließend jedoch wieder mehr auf seine Tätigkeiten im Osten. Seine Bemühungen für das Landproletariat gingen sogar über die deutschen Landesgrenzen hinaus; zusammen mit Robert Neddermeyer, der als Chefredakteur die ostpreußische „Dorfzeitung“ mit thematischem Schwerpunkt auf den Problemen der Landarbeiter und Kleinbauern herausgab, war er leitender Redakteur der Zeitung „Balsas“, der Parteizeitung der KP Litauens. Als Ende 1929 die Revolutionäre Gewerkschafts-Opposition (RGO) gegründet wurde, trat Franz Moericke ihr als Mitglied bei. Ob er auch zu den 1.100 Delegierten gehörte, die beim Gründungskongress in Berlin anwesend waren, ist nicht bekannt, sein Name taucht in den Protokollen des Kongresses nicht auf8. Moerickes Teilnahme am Kongress erscheint indes nicht unwahrscheinlich, da mit der versuchten Spaltung des Landproletariats in Motorpflugführer und in nicht-motorisierte Arbeiter durch die Großgundbesitzer9 sein Aufgabengebiet direkt angesprochen wurde. Auch beim Ostkongress Anfang Februar 1930 ist Moerickes Name in den Rednerprotokollen nicht zu finden. Aber auch auf dieser Tagung wurde die Spaltung der Arbeiterschaft und die Bildung einer „Arbeiteraristokratie“ thematisiert. Ebenfalls wurde dort die Aufkündigung des Tarifs durch das ostpreußische Landwirtschaftsministerium und die daraus resultierende Lohnsenkung um 10 Prozent angeprangert und der Wille, dagegen anzukämpfen, festgehalten: „Die Opposition hat die Aufgabe, trotzdem den Kampf der ostpreußischen Landarbeiter zu organisieren und auch gegen den Willen der mit den Junkern verbündeten Bürokratie des [Deutschen Landarbeiter-]Verbandes in die Vorbereitung des Kampfes zu treten10.“ Themen also, die für Moerickes Arbeit in Ostpreußen von erheblicher Bedeutung gewesen sein müssen. Sein Fehlen in den Rednerlisten ist umso merkwürdiger, als er von anderer Seite aus als begnadeter Redner und Wortführer bezeichnet wird, der von Massenveranstaltung zu Massenveranstaltung reiste11.

Widerstand und Verfolgung

Einen Monat nachdem die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernommen hatten, wurde Franz Moericke Opfer der ersten Verfolgungsaktionen: Am 1. März 1933 wurde er festgenommen und nach Berlin-Spandau ins Gefängnis eingeliefert. Aufgrund einer Namensverwechslung kam er bereits am 13. März irrtümlich auf freien Fuß, wurde aber am 6. September erneut verhaftet. Dieser Festnahme war seine Arbeit für die „Rote Hilfe“ vorausgegangen12, für die er unter dem Decknamen „Martin“ zusammen mit Franz Koch tätig gewesen war. Franz Moericke wurde von der Gestapo in das KZ Columbia-Haus eingeliefert und im Frühjahr 1934 ins Konzentrationslager Oranienburg überstellt. Als gelernter Tischler zwang ihn die dortige SA, Möbel für die Wachmannschaft anzufertigen. Moericke nutzte diese Gelegenheit, um ursprünglich für die Möbelpolitur vorgesehenes Leinöl als Heilmittel an kranke Mithäftlinge weiterzuleiten. Das Öl, das Moericke für diese Zweckentfremdung bestellte, belief sich auf „das acht- bis zehnfache der normalen Menge13“. Wann Moericke aus Oranienburg entlassen wurde, ist nicht bekannt, aber bereits am 21. Juni 1934 erging gegen ihn ein Haftbefehl des Kammergerichts Berlin – neun Tage später befand sich Franz Moericke in Untersuchungshaft. In der Anklageschrift des Generalstaatsanwalts wird Moericke zur Last gelegt, „zu Berlin im Jahre 1933 das hochverräterische Unternehmen, die Verfassung des Deutschen Reiches zu ändern, durch Verbreiten von Druckschriften und andere Handlungen vorbereitet zu haben, und durch dieselbe Handlung zugleich es unternommen zu haben, den organisatorischen Zusammenhalt einer anderen politischen Partei als der NSDAP aufrecht zu erhalten14“. Das Gericht folgte der Anklage und verurteilte Moericke am 27. November wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu zwei Jahren Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Dauer von drei Jahren. Moericke kam nach Luckau, wo während seiner Haft auch Robert Uhrig, Hans Jendretzky, Roman Chwalek, Heinrich Rau, Hans Seigewasser und Ernst Krüger einsaßen. Da ihm die Untersuchungshaft auf seine Strafe angerechnet wurde, entließ man Moericke am 27. November 1935. Moericke ging zurück nach Berlin und fand dort eine Anstellung als Tischler. Ab 1937 arbeitete er als Modellbauer in der AEG Turbinenfabrik in der Huttenstraße, Berlin-Moabit. Wohnhaft war er zu dieser Zeit in der Anzengruberstraße 3 in Neuenhagen, Brandenburg15.
Die Kontakte, die Moericke in der Weimarer Zeit zu Robert Neddermeyer und in Luckau zu Robert Uhrig geknüpft hatte, blieben erhalten – ab 1941 arbeitete Franz Moericke in der Widerstandsgruppe Uhrig mit16. Als die Gruppe 1942 zerschlagen wurde, entging Moericke der Verhaftung. Noch im selben Jahr wurde er von der Widerstandsgruppe um Anton Saefkow, Franz Jacob und Fritz Emrich kontaktiert, die sich bemühte, Verbindungen zu ehemaligen kommunistischen Reichstagsabgeordneten herzustellen. Zusammen mit Roman Chwalek, Paul Geisler, Robert Neddermeyer und Willi Skamira schloss sich Moericke der Saefkow-Gruppe17 unter den Decknamen „Martin“ und „Ulrich Neddermeyer18“ an. Für die illegale Arbeit der Widerständler stellte Moericke Geldmittel zur Verfügung19 und organisierte in der AEG-Turbine den Versand von Feldpostbriefen, die Aufklärungsmaterial an die Front schickten20. Mit Robert Neddermeyer arbeitete er eng zusammen. Dessen in Liebenwalde errichtete Hühnerfarm diente der Gruppe als Unterschlupf und Treffpunkt – dank eines Polizeibeamten, der mit den Verschwörern sympathisierte und sie vor Hausdurchsuchungen warnte, blieb diese Rückzugsmöglichkeit unentdeckt21. Auf der Hühnerfarm traf sich Moericke ab Anfang 1944 öfters mit Anton Saefkow, um mit diesem über die Entwicklungen im Nachkriegsdeutschland zu diskutieren22.
Am 26. Juli 1944 nahm die Gestapo Franz Moericke erneut fest und lieferte ihn vorläufig ins Zuchthaus Brandenburg-Görden ein23. Zusammen mit Robert Neddermeyer und Werner Jurr stellte man Moericke vor Gericht wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ und Feindbegünstigung. In der Anklageschrift des Oberreichsanwalts beim Volksgerichtshof vom 25. August 1944 warf man ihm vor, sich „mehrmals mit Funktionären der Organisation“ Saefkow getroffen und „die Mitarbeit an der illegalen Arbeit“ zugesagt zu haben. Moericke habe Franz Jacob „eine illegale Unterkunft“ vermittelt und sei „an der Herstellung weiterer illegaler Beziehungen“ beteiligt gewesen24. Im Urteil vom 6. Oktober desselben Jahres wurde Werner Jurr wegen Werbung eines neuen Mitglieds für die Saefkow-Gruppe zu sieben Jahren Zuchthaus und Ehrverlust verurteilt. Zu Franz Moericke und Robert Neddermeyer heißt es: „Die beiden Angeklagten [...] haben Kenntnis von dem Bestand und der Tätigkeit der Hochverratsgruppe erlangt und trotzdem keine Anzeige erstattet. Dafür werden sie beide mit je drei Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust bestraft25.”
Um die Strafe abzubüßen, kam Moericke wieder zurück nach Brandenburg-Görden, wo er im Haus II, Gemeinschaftszelle 133, inhaftiert war. Am 27. April 1945 gelang die Entwaffnung des Wachpersonals durch Häftlinge, da der Großteil des Zuchthauspersonals bereits vor der anrückenden Roten Armee geflohen war. Wenig später erreichten die Sowjets das Zuchthaus – Franz Moericke war befreit.

Engagement beim Gewerkschaftsaufbau in Brandenburg

1945 bis 1948 gehörte Franz Moericke als Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Gewerkschaft der Land- und Forstarbeiter in Berlin26, als Erster Vorsitzender des Provinzial- bzw. Landesverbandes Brandenburg des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB), als Vorsitzender des Organisationsausschusses zur Vorbereitung der Ersten Gewerkschaftsdelegierten-Konferenz in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und als Mitglied des FDGB-Bundesvorstandes ab Februar 1946 in der SBZ zu den Gewerkschaftsfunktionären, die Aufbau und Entwicklung und den Funktionswandel der Gewerkschaften in der SBZ wesentlich mitzubeeinflussen vermochten27.
1945 gab es auch in Brandenburg vielfältige Neugründungsansätze von Gewerkschaften: Gewerkschaftsgründungen, die aus den Betrieben heraus entstanden, Organisationen, die von ehemaligen Gewerkschaftsfunktionären initiiert wurden, die an die gewerkschaftliche Tradition von vor 1933 anknüpften, Gewerkschaften, die auf sowjetischen Befehl auf Orts- bzw. Betriebsebene gegründet wurden, und solche, die auf „Beschluß einer bzw. beider Arbeiterparteien, der KPD und der SPD“, entstanden28. Kurt Baller führt das Engagement von Franz Moericke beim Gewerkschaftsaufbau in Brandenburg auf einen „Auftrag der Partei29“, der KPD, zurück. Es ist zu vermuten, dass sich die KPD ganz bewusst für einen „Parteiarbeiter30“ an der Spitze des FDGB einsetzte, da in Potsdam und den meisten kleinen Städten Brandenburgs ehemalige sozialdemokratische Gewerkschafter besonders stark vertreten waren.
Während es in der Frage der Überwindung der Richtungsgewerkschaften zwischen den verschiedenen Gewerkschaftsorganisationen in Brandenburg nach 1945 keine wesentlichen Differenzen gab, war die Frage zentralistische Einheitsgewerkschaft oder autonome Industriegewerkschaften in einer föderativ strukturierten gewerkschaftlichen Dachorganisation in Berlin und Brandenburg durchaus strittig. Franz Moericke war von Anfang an ein Verfechter des Einheitsgewerkschaftsprinzips. Der Neuansatz in der Organisationsfrage beschränkte sich nicht nur auf die Überwindung der Richtungsgewerkschaften, sondern beinhaltete für ihn, obwohl Mitbegründer einer Einzelgewerkschaft, auch den Aufbau einer zentralistisch strukturierten Einheitsgewerkschaft. Dabei spielte bei Franz Moericke die Auffassung, die Zersplitterung der Gewerkschaften am Ende der Weimarer Republik sei eine der „Hauptursachen zur Aufrichtung der faschistischen Diktatur in Deutschland“ gewesen, eine wichtige Rolle. Begründet wurde die Errichtung einer zentralistischen Einheitsgewerkschaft nicht nur aufgrund der historischen Erfahrungen, sondern auch als eine wichtige „Voraussetzung für die restlose Überwindung des nazistischen Ungeistes“ und als „Voraussetzung für den erfolgreichen Kampf gegen alle reaktionären Bestrebungen31“.
Beim Aufbau der Gewerkschaftsorganisationen gelang es Franz Moericke und seinen kommunistischen Gewerkschaftskollegen, sich mit Unterstützung von KPD und SMAD32 gegen konkurrierende sozialdemokratische Gewerkschaftsgruppen durchzusetzen, so zum Beispiel gegen die unter dem Vorsitz von Johann Bauer, einem Sozialdemokraten, geleitete Potsdamer Gewerkschaftsorganisation33. Das von sozialdemokratischen Gewerkschaftern favorisierte Konzept, das eine weniger zentralistisch geprägte Gewerkschaftsstruktur und eine strikte Trennung von Partei und Gewerkschaft vorsah, war bereits Mitte 1946 auch in Brandenburg unterlegen. Viele der sozialdemokratischen Gewerkschafter zogen sich – wie Johann Bauer – aus der Gewerkschaftsarbeit zurück, einige, wie zum Beispiel der Zweite Vorsitzende des Vorbereitenden Gewerkschaftsausschusses von Brandenburg, Karl Engelbrecht, wurden Opfer der SMAD. Andere wie Willi Wolf und Max Fischer passten sich aus Überzeugung oder opportunistischen Gründen der kommunistischen Gewerkschaftsposition an34.
In den Jahren bis 1948, in denen Franz Moericke den Vorsitz im FDGB-Brandenburg innehatte, setzte sich ein grundlegender Wandel der Gewerkschaften in Brandenburg durch. Dies verdeutlicht auch ihr Verhältnis zu den Betriebsräten. Die Betriebsräte, 1946 vom FDGB Groß-Berlin noch als ein „wichtiges Bollwerk und Fundament der demokratischen Ordnung35“ gefeiert, wurden vom FDGB-Provinzialvorstand Brandenburg unter der Leitung von Franz Moericke bereits 1945 kritischer eingeschätzt. Im Informationsblatt Nr. 1 vom 12. August 1945 heißt es hinsichtlich der „Berechtigung zur Arbeit für den Gewerkschaftsaufbau: Der Neuaufbau der Gewerkschaften ist eine Angelegenheit der Organe des FDGB und der Verbände! […] Eventuell schon bestehende Betriebsräte oder antifaschistische Betriebskomitees sind zu Betriebs- oder Betriebsblockausschüssen der Verbände umzugestalten. Wo diese Ausschüsse gebildet sind, hat die Tätigkeit der Betriebsräte und Komitees ihr Ende36“. Diese Formulierungen verdeutlichen, eine eigenständige Betriebsrätebewegung war von den führenden Mitgliedern des Vorbereitenden Ausschusses zur Schaffung des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes für die Provinz Brandenburg nicht vorgesehen. Auch wenn Franz Moericke 1947 in einem Zeitungsartikel unter der Überschrift: „Ein Jahr Gewerkschaftsarbeit in der Provinz Brandenburg“ die Tätigkeit der Betriebsräte zum Teil lobend erwähnte: „Bei der Durchführung der Denazifizierung in Betrieben und den Verwaltungen haben unsere Betriebsräte und Gewerkschaftsfunktionäre sich rege beteiligt. Ganz besonders aber ist es unseren aktiven Gewerkschaftern gelungen, bei der Ingangsetzung der durch den Hitler-Faschismus zerstörten Betriebe sich hervorragend zu betätigen. Rund zehntausend Betriebsräte, die im vergangenen Frühjahr gewählt wurden, förderten den Aufbau unserer Wirtschaft und erkämpften sich das Mitbestimmungsrecht durch betriebliche Vereinbarung37“.
Die Etablierung des demokratischen Zentralismus im FDGB, die Unterordnung unter die SED, der Funktionswandel des FDGB zu einer Organisation zur Förderung der Arbeitsproduktivität und der Planerfüllung, diese und andere Faktoren verschärften zunehmend die Kontroversen und Spannungen mit den Betriebsräten, die organisatorisch und politisch weder der SED noch dem FDGB untergeordnet waren. Die Abschaffung der Betriebsräte 1948 durch die Bitterfelder Beschlüsse und ihrer Ersetzung durch Betriebsgewerkschaftsleitungen des FDGB waren der Versuch, dieses Spannungsverhältnis institutionell und machtpolitisch zu lösen, eine Politik, die auch von Franz Moericke mitgetragen wurde38.
Hinsichtlich gewerkschaftspolitischer Aktivitäten blieben auch in Brandenburg 1945/46 die Möglichkeiten traditioneller Interessenvertretung begrenzt. Die Herstellung und Sicherung von Versorgung und Ernährung und die Bekämpfung des großen Wohnraummangels beherrschten das Alltagsgeschäft der Gewerkschaften. Als Vorsitzender der FDGB-Landesorganisation von Brandenburg trug Franz Moericke dazu bei, alle Kräfte für die Frühjahrsbestellung und die Sicherung der Ernte zu mobilisieren39 und Reparaturkolonnen für landwirtschaftliche Geräte und Selbsthilfeaktionen zur Verbesserung der Ernährungslage zu organisieren40. Unter seiner Führung leitete der FDGB-Brandenburg zum Beispiel auch eine „Aktion Brachland“ ein, die Betriebsarbeitern Land zum Gemüseanbau zur Verfügung stellte. Der Bewältigung der Alltagsprobleme der Arbeitnehmer dienten auch die in vielen Betrieben eingerichteten Nähstuben, Schuhreparaturwerkstätten, Werkküchen und Kindergärten41. Dass traditionellen Aufgabenfeldern wie zum Beispiel der Tarifpolitik 1945/46 geringere Bedeutung zukam, lag auch an dem von den Alliierten verhängten Lohnstopp und zum Teil am Fehlen von Tarifpartnern wegen des Organisationsverbotes für Arbeitgeberverbände in der SBZ. Hinsichtlich Tarifvereinbarungen war der FDGB hier auf die Industrie- und Handelskammern, die Handwerkskammern und staatliche Institutionen verwiesen. Kam dennoch in den Anfangsjahren der Tarifpolitik eine gewisse Bedeutung zu, wurde diese zentrale Aufgabe und Funktion der Gewerkschaften seit 1947 in den Hintergrund gedrängt. Der FDGB akzeptierte weitgehend die zentralen und betrieblichen Planungen und Vorgaben und machte mit Hilfe von Propaganda, Wettbewerb und materiellen Anreizen die Arbeitsmobilisierung im Interesse der Produktionssteigerung zu seiner Hauptaufgabe. Die Verwirklichung der Volkswirtschaftspläne trat in den folgenden Jahren in den Vordergrund des Interesses der FDGB-Funktionäre. Das gilt auch für Franz Moericke: „Wir sind uns der Rolle und der großen Verantwortung bewußt, die besonders die Gewerkschaften bei der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung zu übernehmen haben. [...] Die ständige Verbesserung der Produktionsmethoden und die restlose Ausnützung der Leistungsfähigkeit aller Betriebe setzt den aktiven Einsatz aller gewerkschaftlichen Kräfte voraus. Gleichzeitig wünschen wir, daß der FDGB stärker als bisher bei der Kontrolle der Produktion und bei ihrer Verteilung herangezogen wird42.“
Am 8. Juli 1948 beschloss der Geschäftsführende Landesvorstand des FDGB von Brandenburg Franz Moericke aus Gesundheitsgründen als Vorsitzenden abzuberufen. Nach einem Lebenslauf Moerickes vom 15. Oktober 1950 übte er die Funktion des Vorsitzenden noch bis September 1948 aus43. Nach einem längeren Kuraufenthalt in Karlsbad übernahm er vorübergehend die Funktion eines Sachbearbeiters für agrarpolitische Fragen in der Wirtschaftsabteilung des FDGB-Bundesvorstandes44. Ob außer den gesundheitlichen Gründen andere Faktoren bei seiner „Abberufung“ eine Rolle spielten, ließ sich nicht ermitteln. Da Moericke 1950 auf dem Dritten FDGB-Kongress nicht wieder in den Bundesvorstand des FDGB gewählt wurde, spricht einiges für diese Vermutung. Dafür spricht auch, dass das Beschlussprotokoll der Sitzung des Geschäftsführenden Bundesvorstandes des FDGB vom 5. Juli 1948 bereits die Abwahl von Franz Moericke unter der Rubrik „durchgeführte Beschlüsse“ erwähnt45.
1949 wurde Moericke Chefredakteur der Zeitschrift „Land und Forst“, dem offiziellen Organ der Gewerkschaft Land und Forst im FDGB, und gehörte in dieser Funktion bis 1955 dem Sekretariat des Zentralvorstandes seiner Gewerkschaft an. Auch wenn es – wie Kurt Baller in seiner Biographie über Franz Moericke hervorhebt – „kaum eine Nummer der Zeitung ‚Land und Forst’ [gab], in der sich nicht der Chefredakteur Franz Moericke zu Wort gemeldet hätte46“, blieb – verglichen mit der Phase des Gewerkschaftsaufbaus 1945/46 – sein Einfluss auf die Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung in der SBZ in dieser Phase seines gewerkschaftlichen Engagements eher begrenzt.
Am Ende seiner Gewerkschaftskarriere erhielt Franz Moericke neben anderen Auszeichnungen (Vaterländischer Verdienstorden, Fritz-Heckert-Medaille) auch den Karl-Marx-Orden.
Franz Moericke verstarb am 29. Mai 1956 in Berlin. Seine Beisetzung erfolgte in der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde.

1 Zu Robert Uhrig vgl. Kraushaar, Luise, Berliner Kommunisten im Kampf gegen den Faschismus 1936 bis 1942: Robert Uhrig und Genossen, Berlin 1981; ferner Sandvoß, Hans-Rainer, Widerstand in Wedding und Gesundbrunnen, Berlin 2003, S. 155ff. 

2 Zur Gruppe Saefkow-Jacob-Bästlein vgl. Nitzsche, Gerhard, Die Saefkow-Jacob-Bästlein-Gruppe: Dokumente und Materialien des illegalen antifaschistischen Kampfes (1942 bis 1945), Berlin 1957. Vgl. ferner zum Kontakt von Franz Moericke zu dieser Widerstandsgruppe Hochhuth, Ursel, Illegale KPD und Bewegung „Freies Deutschland“ in Berlin und Brandenburg 1942-1945. Biographien und Zeugnisse aus der Widerstandsorganisation um Saefkow, Jacob, Bästlein (Schriften der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, hrsg. von Steinbach, Peter/Tuchel, Johannes), Berlin 1998, S. 55, 199. 

3 Alle biographischen Daten Franz Moerickes sind – soweit nicht anders angegeben – den folgenden Biographien entnommen: Baller, Kurt, Franz Moericke. Ein Lebensbild 1885 – 1956, hrsg. vom Bezirksvorstand Potsdam des FDGB, Potsdam 1987; Herbst, Andreas, Biographische Skizzen Brandenburger Gewerkschafter. Situation im Jahre 1945, in: Befreiung. Das Erbe des Nationalsozialismus aus gewerkschaftlicher Sicht, hrsg. von Hermann Nehls, Kurt Schilde, Berlin 1996, S. 97 – 108; Weber, Wandlung, S. 224f. 

4 BArch, DY/34, 26256, Kaderakte des Bundesvorstandes des FDGB, Lebenslauf Franz Moericke, Bl. 1. 

5 BArch, DY/34, 26256, Bl. 1. Baller macht aus der Entlassung allerdings einen Akt des Widerstands: In seiner Biographie wird Moericke aufgrund eines von ihm nur simulierten Herzleidens kriegsuntauglich geschrieben, vgl. dort S. 15. 

6 Ebd. Baller gibt in seiner Moericke-Biographie das „linientreuere“ Datum von 1914 an, vgl. dort S. 15. 

7 BArch, DY 34/26256, Lebenslauf Franz Moericke, Bl. 1.  

8 Vgl. Protokoll des I. Reichskongresses der revolutionären Gewerkschaft-Opposition Deutschland, am 30. November und 1. Dezember 1929 in Berlin, Berlin 1930. 

9 Vgl. ebd., S. 43. 

10 Der Ostkrongreß. Die Kampftagung des ostpreußischen Industrie- und Landproletariats in Königsberg Pr., 1. u. 2. Februar 1930, hrsg. vom Bezirks-Komitee der revolutionären Gewerkschaftsopposition Ostpreußen, o.O. o.J., S. 12. 

11 Vgl. Baller, Moericke, S. 18f.  

12 Vgl. SAPMO-BArch, DY 34 262 56, Personalfragebogen des FDGB vom 1.12.1946. 

13 Mithäftling Hans Werner, zit. nach: Baller, Moericke, S. 28. 

14 BArch, NJ 10 090, zit. nach: Schumacher, MdR, S. 305. 

15 Vgl. Hochmuth, Ursel, Illegale KPD und Bewegung „Freies Deutschland“ in Berlin und Brandenburg 1942-1945, Berlin 1998, S. 199. 

16 Franz Moericke, zit. nach: Baller, Moericke, S. 29. Die Mitarbeit in der Gruppe Uhrig ist sowohl bei Baller (Moericke, S. 29) als auch bei Schumacher (MdR, S. 325) erwähnt, genaue Angaben zu den Tätigkeiten, die Moericke in dieser Widerstandsorganisation übernahm, werden aber bei beiden nicht gemacht. 

17 Vgl, Hochmuth, Illegale KPD, S. 55.  

18 Vgl. Schumacher, MdR, S. 325; Baller, Moericke, S. 29. 

19 Vgl. Hochmuth, Illegale KPD, S. 200. 

20 Vgl. Baller, Moericke, S. 29. 

21 Vgl. Ganz, Ingo, Robert Neddermeyer, in: Gewerkschafter in den Konzentrationslagern Oranienburg und Sachsenhausen, Bd. 2, hrsg. v. Siegfried Mielke in Verbindung mit Günther Morsch, S. 329. 

22 Vgl. Baller, Moericke, S. 29; Hochmuth, Illegale KPD, S. 200. 

23 Vgl. ebd.; Baller (S. 30) und Schumacher (S. 325) nennen als Verhaftungsdatum den 6.8.1944. 

24 Zit. nach Schumacher, MdR, S. 325f. 

25 Zit. nach: Baller, Moericke, S. 31. 

26 Vgl. Baller, Moericke, S. 33. Am 30. Mai 1946 wurde Franz Moericke auf der Ersten Delegiertentagung der Industriegewerkschaft Land- und Forstwirtschaft als Vorstandsmitglied wiedergewählt. Vgl. Die Freie Gewerkschaft, 2. Jg., Nr. 129, 5.6.1946, S. 4, „Landarbeiter wählten ihre Industriegewerkschaftsleitung“.  

27 Herbert Warnke, der Vorsitzende des FDGB-Bundesvorstandes, schrieb 1954 in einem Brief an Franz Moericke: „Nach 1945 hast Du einen bedeutenden Anteil am Entstehen und an der Fertigung des großen einheitlichen Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes“ gehabt, zit. nach: Baller, Moericke, S. 63. 

28 Baller, Kurt, Gewerkschaftlicher Neubeginn in Brandenburg 1945/46, Potsdam 1996, S. 11; vgl. ferner Befreiung: Das Erbe des Nationalsozialismus aus gewerkschaftlicher Sicht; eine Schrift der DGB-Jugend-Bildungsstätte Flecken-Zechlin, hrsg. von Nehls, Hermann / Schilde, Kurt, Berlin 1966. Zur Entwicklung des FDGB in der SBZ vgl. Gill, Ulrich, Der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB). Theorie – Geschichte – Organisation – Funktion – Kritik, Opladen 1989; ders., FDGB. Die DDR-Gewerkschaft von 1945 bis zu ihrer Auflösung 1990, Köln 1991; Müller, Werner, Freier Deutscher Gewerkschaftsbund (FDGB), in: Broszat, Martin/Weber, Hermann, SBZ-Handbuch. Staatliche Verwaltung, Parteien, Gesellschaftliche Organisationen und ihre Führungskräfte in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands 1945 – 1949, München 1990, S. 626-664; vgl. ders., Zur Entwicklung des FDGB in der sowjetischen Besatzungszone nach 1945, in: Matthias, Erich/Schönhoven, Klaus (Hrsg.), Solidarität und Menschenwürde. Etappen der deutschen Gewerkschaftsbewegung von den Anfängen bis zur Gegenwart, Bonn 1984, S. 325-347; Gewerkschaftlicher Neubeginn. Dokumente zur Entwicklung des FDGB und zu seiner Entwicklung von Juni 1945 bis Februar 1946, hrsg. u. eingel. von Bednareck, Horst/Behrendt, Albert/Lange, Dieter, Berlin 1975. 

29 Baller, Moericke, S. 34. 

30 Baller, Neubeginn, S. 22. 

31 Baller, Moericke, S. 37; vgl. ferner S. 43. 

32 Auf der Delegiertenkonferenz des FDGB in Groß-Potsdam sorgte der Hauptmann der Roten Armee Leo M. Freidson, Referent für Gewerkschaftsfragen bei der SMAD, selbst dafür, dass die sozialdemokratischen Gewerkschafter nicht die Überhand in den Gewerkschaften erhielten. Nach seiner Intervention stellte er zufrieden fest: „Auf diese Weise errangen wir einen Sieg für die kommunistischen Gewerkschafter“; zit. nach Baller, Neubeginn, S. 100. 

33 Zum Gewerkschaftsaufbau in Brandenburg vgl. Brunner, Detlev, Sozialdemokraten im FDGB. Von der Gewerkschaft zur Massenorganisation, 1945 bis in die frühen 1950er Jahre, Essen 2000, S. 65ff.  

34 Von führenden sozialdemokratischen Gewerkschaftsfunktionären wurde Willi Wolf bereits 1945 nicht mehr als SPD-Vertreter anerkannt; vgl. Brunner, Sozialdemokraten im FDGB, S. 101. Hinsichtlich des Verhältnisses von sozialdemokratischen und kommunistischen Gewerkschaftern spricht einiges für die These von Kurt Baller: Dass die „Schwierigkeiten“ mit sozialdemokratischen Gewerkschaftern „immer geringer“ wurden, „dafür sorgte“ neben der SMAD „Franz Moericke und die Mannen um ihn“; Baller, Neubeginn, S. 29. 

35 1. Geschäftsbericht des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes Groß-Berlin 1946, hrsg. vom Vorstand des FDGB Groß-Berlin, Berlin 1947, S. 12. 

36 Zit. nach: Baller, Neubeginn, S. 59. 

37 Baller, Moericke, S. 48. 

38 Zur Entwicklung der Betriebsrätebewegung in der SBZ vgl. Suckut, Siegfried, Die Betriebsrätebewegung in der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands (1945 – 1948), Frankfurt/Main 1982; zu Moerickes Haltung zur Betriebsrätefrage vgl. Baller, Moericke, S. 51ff. 

39 Vgl. ebd., S. 50. 

40 Vgl. ebd., S. 49ff.  

41 Vgl. ebd., S. 49. 

42 Zit. nach: ebd., S. 48. 

43 Vgl. Lebenslauf vom 15.10.1950 in der Personalakte, in: SAPMO-BArch, NY 4471/3. 

44 Vgl. ebd.; ferner Baller, Moericke, S. 69. 

45 Danach muss die Entscheidung über Moerickes Abberufung bereits auf der Sitzung des Geschäftsführenden Bundesvorstandes am 28.6.1948 erfolgt sein; vgl. Protokolle in: Zentralarchiv FDGB (heute BArch), Signatur 4012, Kopie in: PA S. Mielke. 

46 Baller, Moericke, S. 57.
 

Soziale/Regionale Herkunft: Sechstes von acht Kindern des Sattlers Gustav Moericke

Ausbildung/Berufstätigkeit: Lehre als Modelltischler; Anstellung in den Jenaer Zeiss-Werken

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: 1904: Deutscher Holzarbeiterverband; Beisitzers der Ortsverwaltung des DHV; Sekretär des DHV; RGO

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: 1902: SPD; 1917: USPD; Unterbezirkssekretärs des Kreises Halberstadt – Oschersleben – Wernige-rode der USPD; 1920: KPD; Unterbezirkssekretärs des Kreises Halberstadt – Oschersleben – Werni-gerode der KPD; Bezirksleitung der KPD in Magdeburg-Anhalt;

Politische Mandate/Aktivitäten: 1924 und 1928: MdL in Preußen

Widerstandsaktivitäten: Kontakt mit der Widerstandsgruppe um Robert Uhrig und der führenden kommunistischen Wider-standsgruppe von Franz Jacob, Anton Saefkow und Bernhard Bästlein

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 1. März 1933 - 13. März: Haft in Berlin-Spandau; 6. September 1933: KZ Columbiahaus; Frühjahr 1934 - ?: KZ Oranienburg; 27. November 1934 - 27. November 1935: Zuchthaus in Luckau; 26. Juli 1944 - 27. April 1945: Zuchthaus Brandenburg-Görden

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: 1945 - 48: Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Gewerkschaft der Land- und Forstarbeiter in Berlin; Erster Vorsitzender des Provinzial- bzw. Landesverbandes Brandenburg des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB); Ab Februar 1946: Mitglied des FDGB-Bundesvorstandes

Erinnerungskultur/Ehrungen: Vaterländischer Verdienstorden, Fritz-Heckert-Medaille, Karl-Marx-Orden, Beisetzung in der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde

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