Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
13. April 1881 – 3. April 1940

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Ernst Heilmann im KZ Oranienburg.

Ernst Heilmann im KZ Oranienburg.

Ernst Heilmann wurde am 13. April 1881 in Berlin als Sohn jüdischer Eltern geboren. Mit 17 Jahren in die SPD eingetreten, widmete er sich zunächst dem Journalismus. In der Weimarer Republik war er zwölf Jahre lang Fraktionsvorsitzender der SPD im preußischen Landtag und zeitweilig auch Mitglied des Reichstages. In seiner politischen wie publizistischen Tätigkeit bekämpfte Heilmann Nationalsozialisten wie auch Kommunisten. Am 26. Juni 1933 wurde Ernst Heilmann von der Gestapo verhaftet. Er war knapp sieben Jahre in mehr als zehn verschiedenen Konzentrationslagern inhaftiert und wurde am 3. April 1940 in Buchenwald ermordet.

Von Meiko Keller

Ernst Heilmann wurde am 13. April 1881 in Berlin als Sohn jüdischer Eltern geboren. Heilmanns Eltern lebten in kleinbürgerlichen Verhältnissen, dennoch war es für ihren Sohn möglich, zwischen 1888 und 1900 das Cöllnische Gymnasium in Berlin zu besuchen und dort das Abitur abzulegen. Seine Abschlussklasse setzte sich aus lediglich sieben Schülern zusammen, von denen sechs jüdischen Glaubens waren und unter denen sich auch Alfred Döblin1 befand. Heilmann war ein sehr guter Schüler und beendete seine Schullaufbahn als Klassenprimus. In seiner Freizeit widmete er sich dem Schachspiel, welches er so gut beherrschte, dass er vor dem Ersten Weltkrieg Berliner Schachmeister wurde2.

Für die Sozialdemokratie engagierte sich Heilmann bereits während seiner Schulzeit. Mit 17 Jahren trat er der SPD bei, wohl wissend, dass diese Entscheidung seinem beruflichen Fortkommen im Kaiserreich Schaden könnte. Nach dem Abitur entschied sich Heilmann für ein Studium der Rechts– und Staatswissenschaften, von dem er allerdings nach dem ersten Staatsexamen 1903 aufgrund seiner Mitgliedschaft in der SPD ausgeschlossen wurde, eine für die Kaiserzeit typische Form des Berufsverbotes3.

Mit dem erzwungenen Ende seiner akademischen Laufbahn begann die berufliche Karriere Ernst Heilmanns innerhalb der sozialdemokratischen Solidargemeinschaft. Als Parlamentsberichterstatter sammelte er nicht nur erste Erfahrungen im journalistischen Bereich, sondern gewann auch tiefere Einsichten über die praktischen Abläufe der alltäglichen Parlamentsarbeit. Dieses Wissen leistete ihm später in seiner Funktion als Fraktionsvorsitzender der SPD im Preußischen Landtag wertvolle Dienste. Ab 1907 arbeitete Heilmann als Redakteur der Chemnitzer Volksstimme. Zwischenzeitlich fungierte er als „Sitzredakteur4“. 19095 wurde er Chefredakteur des Blattes, das als ein Hauptorgan des rechten Parteiflügels galt und in welchem auch andere profilierte Vertreter des rechten Flügels wie etwa Gustav Noske als Redakteure tätig waren6.

Den Ersten Weltkrieg unterstützte Heilmann fast bedingungslos, hier zeigte er sich als Nationalist: Er stritt entschieden für die Genehmigung der Kriegskredite und trat aktiv für den Burgfrieden ein. Folgerichtig meldete sich der Patriot als Freiwilliger und zog für „sein“ Vaterland in den Krieg. Nicht die Internationale zählte für ihn, stattdessen propagierte er den „Sieg der stärksten Gewalt7“ . An der Front wurde Heilmann schwer verwundet und verlor ein Auge. Zurück in Deutschland nahm er sein publizistisches Engagement wieder auf; er gehörte zu den Gründungsmitgliedern des „Reichsbundes der Kriegsbeschädigten“.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges übernahm der erfahrene Journalist zunächst die Internationale Korrespondenz (die bald in Sozialistische Korrespondenz umbenannt wurde), konzentrierte sich aber vor allem auf seine politische und – insbesondere – parlamentarische Karriere. Über die Stadtverordnetenversammlung Charlottenburg zog er 1919 in den Preußischen Landtag ein, welcher für die nächsten knapp 15 Jahre das Zentrum seiner politischen Tätigkeit sein sollte8.

Großen Einfluss auf die politischen Geschicke Preußens entwickelte der polarisierende Politiker schon früh in seiner parlamentarischen Karriere. In der Verfassungsgebenden Versammlung Preußens (1919) stritt Heilmann mit Verve gegen das „Schreckgespenst“ des Parlamentsabsolutismus9, wie es von konservativen und liberalen Staatstheoretikern, z. B. Hugo Preuß, propagiert wurde10. Der ehemalige Parlamentsberichterstatter erkannte früh die Probleme, die die Installation eines übermächtigen Präsidenten für die praktische Parlamentsarbeit mit sich bringen könnte11. Stattdessen verwies er immer wieder auf die Notwendigkeit der Praxistauglichkeit der Verfassung, während der Fokus der anderen Versammlungsteilnehmer auf theoretischen Erwägungen lag.

Auch innerhalb seiner Fraktion übte Heilmann schnell großen Einfluss aus und wurde bereits 1921 Vorsitzender der SPD–Fraktion im Preußischen Landtag. In dieser Funktion erwarb sich der streitbare Politiker nicht nur hohes Ansehen und großen Einfluss, sondern schaffte sich durch seine spitze Feder und seine scharfe Rhetorik viele Feinde auf der extremen linken wie auf der extremen rechten Seite des politischen Spektrums. Politisch arbeitete Heilmann eng mit dem langjährigen Fraktionsvorsitzenden der Zentrumsfraktion im Preußischen Landtag, Dr. Joseph Heß, zusammen. Gemeinsam stabilisierten die beiden die preußische Koalition und legten in vielen politischen Streitfragen mögliche Kompromisslinien ohne eingehende Konsultationen mit ihren Fraktionen fest. Bisweilen stellte sich der Fraktionsvorsitzende der SPD auch gegen die eigene sozialdemokratische Regierung. Insbesondere in Personalfragen versuchte Heilmann, die von ihm favorisierten Kandidaten durchzusetzen. Diese Machtfülle verleitete Zeitgenossen zu der Titulierung Heilmanns als „ungekrönten König von Preußen12“ , der aufgrund seines politischen Einflusses und seines charismatischen Auftretens als „eine der großen politischen Gestalten der Weimarer Republik [gelten könne], der das Leitbild eines parlamentarischen Führers geschaffen13“ habe. Dennoch war Heilmanns politische Ambition begrenzt, ein Regierungsamt kam für ihn nicht in Frage. Sein Talent als „politischer Strippenzieher“ und seine ganze Persönlichkeit eigneten sich nicht für ein Amt mit Repräsentationsfunktion.

Heilmann sah sich selbst im Privaten als ein „Bohème“, er war ein ausgesprochener Lebemann mit vielen weiblichen Verehrerinnen und gutem Einkommen, das er aus Unternehmungen außerhalb des Parlamentes bezog. 1923 gründete er die „Aktiengesellschaft für Buch und Presssausführung“, die zur zentralen Nachrichtenredaktion für alle Sendegesellschaften des Rundfunks der Weimarer Republik wurde. Bis 1933 hielt Heilmann in dieser Institution ein Aufsichtsratsmandat und wurde so auch zu einer bestimmenden Figur der Medienpolitik. Freundschaftliche Verbindungen zu den in einen Finanzskandal verstrickten Brüdern Barmat14 führten dann zur Einrichtung eines Untersuchungsausschusses auf Initiative der DNVP (die hierin von den Nationalsozialisten unterstützt wurde), der Heilmann jedoch keine Verfehlungen in seinen politischen Ämtern nachweisen konnte.

Die Gefahr des Nationalsozialismus erkannte Heilmann früh15. In seinen publizistischen Beiträgen warnte der begabte Autor immer wieder eindringlich vor diesem. Die 1929 neugegründete Zeitschrift Das freie Wort wurde seine Bühne, in der er von Beginn an als Chefredakteur fungierte und allein bis 1933 mehr als 200 Artikel verfasste – dies alles neben seiner ohnehin aufwendigen Tätigkeit als Vorsitzender der SPD–Fraktion im Preußischen Landtag. Besonders in der Ära Brüning redete und schrieb Heilmann energisch gegen die Nazis an: „auf die Theorien des Nationalsozialismus [kommt] es überhaupt nicht an. Ihre politische Praxis ist unbegrenzte Rohheit und zügellose Verleumdung. […] Der Nationalsozialismus ist ein Rückfall in Brutalität und Barbarei16.“

Aber nicht nur gegen die Nationalsozialisten17 wandte sich Heilmann, sondern sah auch die Kommunisten als große Gefahr an. Auch sie wurden im Freien Wort bekämpft: „die Kommunistische Partei ist genau wie die Faschisten Anhängerin des totalen Staates und Verfechterin ihrer totalen Staatsgewalt. Niemals könnte, niemals würde die Kommunistische Partei die Macht teilen können. Wollte sie nicht sich selbst und ihre Grundüberzeugungen aufgeben, müsste sie jeden Sozialdemokraten und die Sozialdemokratie als ganzes so vernichten und ausrotten, daß kein sozialdemokratisches Wort, kein sozialdemokratischer Gedanke übrig bliebe. Denn die Diktatur des Proletariats […] ist eben eine Diktatur des kommunistischen Zentralkomitees über das gesamte Proletariat und alle übrigen Klassen ohne Ausnahme und Ende. Der Versuch, den Wolf zum Vegetarier zu erziehen ist aussichtslos18.“

Eindringlich wandte er sich auch gegen das Mantra der Jugendopposition der eigenen Partei („Republik das ist nicht viel, Sozialismus bleibt das Ziel“): “Wer die Republik nur für einen günstigen Kampfboden hält und sich darüber nicht klar ist, daß die demokratische Republik die Hälfte des Endziels der Sozialdemokratie ist, dem sind sozialdemokratische Grundbegriffe eben noch nicht aufgegangen19“. Vielmehr sei es „für kein Land der Welt […] so sicher wie für Deutschland wahr, daß es ohne feste unerschütterliche Demokratie überhaupt keinen Sozialismus geben kann20“.

Diese Äußerungen können als Kern der reformistischen Position Ernst Heilmanns verstanden werden. Als Vertreter des rechten Flügels der SPD sah er in der demokratischen Organisation der Weimarer Republik und ihrer sozialen Errungenschaften einen Wert an sich, den es unbedingt zu verteidigen galt.

Aber nicht nur mit Worten oder Artikeln verteidigte der SPD–Politiker die Weimarer Republik, auch durch seine praktische Arbeit versuchte Heilmann das demokratische System zu stabilisieren. Bereits seit 1928 engagierte sich er verstärkt in der Reichspolitik und ließ sich in den Reichstag wählen. Gemeinsam mit seinem Vertrauten des Zentrums, Dr. Heß, wollte Heilmann helfen, die Weimarer Republik zu stabilisieren und gleichzeitig die preußische Koalition zum Reich hin absichern. Allerdings blieb sein Einfluss in der regierungskritischen Reichstagsfraktion beschränkt21.

Der Preußische Landtag hingegen verabschiedete im Jahr 1932, insbesondere auf Betreiben von Ernst Heilmann, eine Änderung der Geschäftsordnung, die eine Ablösung des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Otto Braun nur durch die Wahl eines anderen Kandidaten möglich machte. Dieses Instrument, heute als konstruktives Misstrauensvotum bekannt, ermöglichte es Braun, gegen starke Fraktionen der KPD und NSDAP weiterzuregieren, allerdings nur bis zum „Papenstreich“ desselben Jahres22.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 kam auch für Ernst Heilmann unerwartet. Nach dem Wahlausgang 1932 hatte der Fraktionsvorsitzende der SPD im Preußischen Landtag gehofft, die faschistische Gefahr sei gebannt. Im Freien Wort verkündete er noch Anfang 1933: „Die Sozialdemokratie hat allen Grund den Jahresabschluß 1932 für gut zu befinden […] Er [Adolf Hitler] ist abgeschlagen, wir haben wieder festen Boden unter den Füßen23.“

Die einsetzenden Verfolgungen nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler und dem Brand des Reichstages waren für Heilmann nicht unerwartet geblieben, jedoch setzte er seine ganze Hoffnung in die Wahlen vom 5. März 1933. Für ihn stellte diese Wahl die letzte Chance dar: „Geht dieser Wahlkampf verloren, dann ist alle Freiheit dahin, dann überwuchert der Mordgeist das Land24.“

Deutlich sah der SPD–Politiker also die Gefahr und die Gewalt, die auf die politischen Gegner der Nationalsozialisten zukam, dennoch emigrierte er nicht, obwohl er einer der meistgehassten Gegner der Nazis war. Schon 1929 hatte der Fraktionsvorsitzende der NSDAP im Reichstag, Wilhelm Frick, gesagt, seine Partei werde: „im kommenden Dritten Reich auf Grund des Gesetzes gegen Volksverrat und Korruption durch einen deutschen Staatsgerichtshof Herrn Heilmann als ersten in völlig legaler Weise aufhängen lassen25.“ Auch in anderen Sitzungen wurde Heilmann bevorzugte Zielscheibe der Beschimpfungen der Nationalsozialisten, etwa in der Sitzung vom 11. Dezember 1929, in der wiederum Frick seinen Kollegen als „Jude Heilmann“ in herabsetzender Absicht titulierte26. Auch für Hitler persönlich musste Heilmann als Zielscheibe seiner antisemitischen und antirepublikanischen Ausbrüche dienen. Im Völkischen Beobachter vom 25. März 1925 erschien ein Wahlaufruf Hitlers für die Reichspräsidentenwahl, in dem er Heilmann beschuldigte, käuflich – und Mitglied der „Palästina–Judenfront“ – zu sein27. Auch 1929, vier Jahre nach dem „Barmat–Skandal“, titulierte Hitler Heilmann noch als „sozialdemokratischen Schwindler“, der mit Ehre, Anstand und Ehrlichkeit nicht viel zu tun habe28. Diese Hetztiraden gegen den SPD–Politiker von Seiten der Nationalsozialisten blieben nicht ohne Folgen. Nach Aussagen von Heilmanns Sohn Peter soll eine Gruppe der SA bereits im Dezember 1932 versucht haben, Ernst Heilmann zu ermorden, dies sei jedoch von der zu Hilfe gerufenen Polizei verhindert worden29.

Die Frage, warum Ernst Heilmann nach dem Sieg des Nationalsozialismus nicht wie viele andere führende Sozialdemokraten ins Ausland emigrierte, kann nicht abschließend beantwortet werden. Jedoch scheinen hierfür mehrere Faktoren eine Rolle gespielt zu haben. So teilte Heilmann seiner Vertrauten Hedwig Wachenheim30 mit, dass „das nichts ist für mich, im Ausland als Emigrant und Privatmensch [zu] leben31.“ Dem charismatischen Politiker schien die Vorstellung, in ein anderes Land übersiedeln zu müssen und sich dort nicht politisch engagieren zu können, nicht lohnenswert; dazu kam, dass „unsere Mitglieder, die Arbeiter […] auch nicht davonlaufen32“ können.
Die Gründe für Heilmanns Entschluss, in Deutschland zu bleiben, lagen wohl in seiner Persönlichkeit begründet. Seine Vaterlandsliebe, seine Prinzipientreue und auch das Gefühl, „seiner“ SPD und deren Mitgliedern die Treue halten zu müssen, haben wohl eine entscheidende Rolle gespielt.

Dafür spricht auch, dass Heilmann sich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nicht versteckte, im Gegenteil, der Lebemann war nach wie vor in seinem Stammcafé Josty zu finden und nahm auch an der Reichskonferenz der SPD am 19. Juni 1933 im Preußischen Abgeordnetenhaus teil33.

Genau eine Woche nach der Konferenz und nur vier Tage nach dem offiziellen Verbot der SPD am 22. Juni 1933 wurde der 52-Jährige am 26. Juni 1933 im Café Josty am Potsdamer Platz von der Gestapo verhaftet, in das KZ Columbia-Haus verschleppt und schwer misshandelt. Nach einigen Tagen überführte man ihn in das Berliner Polizeipräsidium und brachte ihn von dort in das Gefängnis Plötzensee. Am 8. August verlegten die Nationalsozialisten den SPD-Politiker ins KZ Oranienburg34. Seine Überstellung in das KZ wurde von den Nazis zu einem großen Medienereignis stilisiert, da gemeinsam mit ihm noch weitere hochrangige Funktionäre der Weimarer Republik (darunter Friedrich Ebert jr.) nach Oranienburg gebracht wurden35. SA-Leute zwangen Heilmann und seine Leidensgenossen, sich ihrer Kleidung zu entledigen und sich die Haare scheren zu lassen. Der Führer der Standarte 20836, Schulze-Wechsungen, beschimpfte die Prominenten im ersten Appell nach deren Einlieferung vor allen Häftlingen aufs Schlimmste. So soll er von Heilmann als „diese[m] rothaarige[n] fette[n] Judenschwein“ gesprochen haben37. Bereits von Anfang an war der SPD-Politiker also aufgrund seiner Konfessionszugehörigkeit bevorzugtes Ziel von Misshandlungen. Als Teil der so genannten „Judenkompanie“ im Lager musste er nicht nur die Abortanlagen säubern, sondern wurde auch zu vielen Extraarbeiten herangezogen. Auch nachts war der ehemalige Abgeordnete nicht vor seinen Häschern sicher: Nächtliches Antreten und Exerzieren gehörte ebenso zu den normalen Schikanen wie die körperlichen Misshandlungen durch die SA-Wachmannschaft38.

Die wenige arbeitsfreie Zeit, die Heilmann blieb, verbrachte er u. a. mit Schachspielen, sofern die schikanösen Aufseher dies zuließen. Seger berichtete beeindruckt von so einer Partie, in der der ehemalige Berliner Schachmeister gleich acht Partien simultan spielte39.

Nicht nur bei der Einlieferung der berühmten Repräsentanten der Weimarer Republik versuchten die Nationalsozialisten, aus deren Bekanntheit Kapital zu schlagen, auch später probierte man, Heilmann und andere bekannte Persönlichkeiten in der Öffentlichkeit zu erniedrigen und so den Sieg der Nationalsozialisten über das „Weimarer System“ zu demonstrieren. So musste er gemeinsam mit anderen ehemaligen Abgeordneten die Stadt Oranienburg von den Überresten ehemaliger Wahlkämpfe befreien (Plakat- und Klebereste, etc.). Die Aktion entpuppte sich jedoch als Debakel für die Führung des Konzentrationslagers, da trotz Ankündigung in der lokalen Presse kaum Publikum der „Säuberungsaktion“ beiwohnte40.

Nach etwas über einem Monat, am 13. September 1933, wurde Ernst Heilmann in das Konzentrationslager Börgermoor verlegt41. Auch hier ging sein Martyrium weiter, die Wächter schlugen und verhöhnten Heilmann und seine prominenten Begleiter (unter ihnen wiederum Ebert) gleich nach der Ankunft42. Darüber hinaus wurde er mehrfach in Hundehütten eingesperrt und gezwungen, wie einen Hund zu bellen43. Im September 1933 wurde Ernst Heilmann durch mehrere Schüsse schwer verletzt. Der ständig misshandelte Häftling ging, ohne sich umzuschauen, einfach durch die Postenkette und wurde auch erst angerufen, nachdem er bereits ca. fünfzig Meter zurückgelegt hatte44. Kurz darauf fielen Schüsse, die Heilmann in das rechte Bein trafen und schwer verletzten. Heilmann wurde daraufhin in das Marienhospital Papenburg gebracht; sein Bein soll nach der Entlassung aus dem Hospital um mehr als acht Zentimeter kürzer gewesen sein und schweres Hinken verursacht haben45. Ob der Vorfall als Selbstmordversuch gewertet werden kann46, oder ob es sich um eine Falle der diensthabenden Aufseher handelte47, lässt sich bis heute nicht eindeutig klären48.

Nach seiner Genesung wurde Heilmann im Mai 1934 zwischenzeitlich in das Polizeigefängnis Alexanderplatz gebracht, dort mehrfach von der Gestapo verhört und anschließend in das KZ Esterwegen verlegt, das in unmittelbarer Nähe des KZ Börgermoor lag. Im Oktober 1935 besuchte eine Delegation des Internationalen Roten Kreuzes unter der Leitung des Schweizers Carl J. Burckhardt49 Esterwegen. Burckhardt sprach auch mit Heilmann, der diesem gegenüber seine Situation als „hundsföttisch“ beschrieb, allerdings auf Burckhardt einen „furchtlosen“ Eindruck machte und „eindringlich [von Burckhardt verlangte], daß ihm zu seinem Recht verholfen werde50.“

An dieser Stelle wird sichtbar, dass sich die Schilderungen des Zustands von Heilmann deutlich unterscheiden. Während Langhoff den SPD-Politiker bereits Ende 1933 als gebrochenen Mann darstellte, sah Burckhardt ihn als furchtlosen und stoischen Häftling. Natürlich könnte der zeitliche Unterschied eine Rolle spielen, so liegen die Schilderungen knapp zwei Jahre auseinander. Allerdings scheint unwahrscheinlich, dass sich die Situation Heilmanns in Esterwegen grundlegend verbessert haben könnte51. Wahrscheinlicher scheint, dass Burckhardt bei seinem Besuch Heilmann nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt hat, so ist auch kein Versuch Burckhardts bekannt, sich für den Gefangenen einzusetzen52.

Auch die Familie des SPD-Politikers war Repressionen ausgeliefert; den Kindern Heilmanns wurde der Bildungsweg erschwert. Lediglich die Tätigkeit der Mutter in einer Exportfirma konnte das Überleben der Familie sicherstellen. Die Kontakte zu der Berliner Parteiorganisation brachen schnell ab, nur die Verbindung zu einigen Politikern, die zugleich persönliche Freunde der Familie waren, konnte aufrechterhalten werden53. Trotz der eigenen prekären Situation leistete die Familie Heilmann aktiven Widerstand und versteckte nach eigenen Angaben „mehrere untergetauchte Juden vor dem Zugriff der Gestapo54“.

Im Dezember 1936 kam Ernst Heilmann wieder zurück in die Nähe der Hauptstadt, in das Konzentrationslager Sachsenhausen, und wurde dort in Block 7 untergebracht, der ausschließlich der Unterbringung von jüdischen Gefangenen diente55. Hier war Heilmann unter den jüdischen Gefangenen insofern privilegiert, als dass er regelmäßig Geld für den Einkauf in der Häftlingskantine von seinen Angehörigen erhielt. Diese Zuwendungen behielt er jedoch nicht nur für sich, sondern ließ, im Rahmen eines solidarischen Netzes unter den jüdischen Häftlingen, auch andere Gefangene an seinen finanziellen Mitteln teilhaben56.

Die Verlegung Heilmanns nach Dachau am 12. Februar 1937 stand im engen Zusammenhang mit einer geplanten organisatorischen Neuordnung des Systems der Konzentrationslager. So sollten bestimmte Häftlingsgruppen in einzelnen Konzentrationslagern zusammengefasst werden, die jüdischen in Dachau57. Gemeinsam mit 47 anderen jüdischen Häftlingen kam Heilmann in Dachau an. Dort nahm der hochrangige Politiker wie in den Konzentrationslagern zuvor eine besonders exponierte Stellung ein und wurde zu speziellen Anlässen (z. B. Besichtigungen von nationalsozialistischen Besuchergruppen) von seinen Peinigern besonders verhöhnt und misshandelt58.

Nach Buchenwald wurde Heilmann am 22. September 1938 aus Dachau überführt. Untergebracht wurde er in „einer zum Bersten überfüllten Judenbaracke59“. Der Buchenwald-Häftling Walter Poller berichtete, dass er kurz nach seiner eigenen Einlieferung in das KZ mit dem SPD-Politiker zusammengetroffen sei. Bei diesem Treffen, das am 23. Dezember 1938 stattfand, hat Poller nach eigener Aussage Heilmann kaum erkannt, so sehr sei dieser bereits von der mehr als fünf Jahre andauernden Konzentrationslagerhaft gezeichnet gewesen60. Auch in Buchenwald war es die Prominenz und die Religionszugehörigkeit des ehemaligen Fraktionsvorsitzenden, die ihn beständig in das unmittelbare Blickfeld der Lageraufsicht rückte. So ließ der Schutzhaftlagerführer Arthut Rödl Hunde auf Heilmann hetzen, um einer Besuchergruppe von SS-Leuten die „gute“ Dressur der Wachhunde zu demonstrieren61.

Heilmanns Angehörige ersuchten kurz darauf um Besuchserlaubnis, weshalb der Gefangene dem Lagerarzt zur Untersuchung vorgestellt wurde. Poller spekuliert, dass dieses Nachsuchen um Besuchserlaubnis die Lagerleitung erneut auf ihren prominenten Häftling aufmerksam gemacht habe. Jedenfalls sei Heilmann „einige Zeit später“ in das Arrestgebäude überführt und somit von den anderen Häftlingen abgesondert worden, ohne dass es hierfür eine „äußere Veranlassung“ gegeben hätte. Wenige Tage danach bekam Poller laut eigener Aussage Anweisung, eine Totenmeldung (mit gefälschter Todesursache62) zu schreiben. Als Arztschreiber hatte er die Möglichkeit, die Leiche in der Leichenbaracke zu begutachten und stellte hierbei einen frischen Einstich in Heilmanns rechter Ellenbeuge fest, der nicht von einer ärztlichen Behandlung stammen konnte63. Übereinstimmend wird berichtet, dass der Politiker durch den Bunkerchef Sommer mit einer Injektion Chloralhydrat ermordet wurde64.

Magdalena Heilmann, die Ehefrau des SPD–Politikers, hat die Situation aus Ihrer Sicht anders beschrieben: „1940 fuhr ich mit meiner Tochter Eva nach Buchenwald, um meinen Mann zu besuchen. Doch er war schon nicht mehr am Leben. Um uns zu täuschen hatte man ihn in einem Raum auf den Boden gelegt und rundherum gefegt. Die Bewacher taten so mitleidig. Achselzuckend sagte man zu uns: ‚Ausgesprochene Altersschwäche’. Doch wir drehten den Leichnam um und sahen die Wunde im Rücken65.“

Dem Gedenken an Ernst Heilmann sind insbesondere in Berlin einige Plätze gewidmet. So ist auf dem Stahnsdorfer Friedhof nach Kriegsende ein Ehrengrab für Ernst Heilmann eingerichtet worden sowie eine Brücke (der Ernst-Heilmann-Steg in Kreuzberg) und eine Straße (der Heilmannring in Charlottenburg) nach ihm benannt worden.

Auch im Gebäude des ehemaligen Preußischen Landtags, dem langjährigen Wirkungszentrum von Ernst Heilmann, wird seiner gedacht. Der Sitzungssaal der SPD–Fraktion des Berliner Abgeordnetenhauses, das jetzt im Preußischen Landtag tagt, trägt den Namen Ernst–Heilmann-Saal.

Insbesondere in Berliner Tageszeitungen erschienen seit Kriegsende am Geburts– und Todestag Ernst Heilmanns kurze Würdigungen des SPD–Politikers, die an seine Leistungen und sein Leiden erinnerten66. Zum 100. Geburtstag des Berliners sendete der Deutschlandfunk einen Beitrag zum Leben Ernst Heilmanns unter dem Titel „Preußens ungekrönter König“ und auch im Rathaus Charlottenburg fand eine Gedenkfeier für ihn statt. Dort erinnert seitdem zusätzlich eine Büste an Ernst Heilmann.

Das Gedenken an einen der einflussreichsten Politiker der Weimarer Republik macht jedoch nicht an den Grenzen Berlins halt. Auch in Cottbus, Chemnitz, Forst (Lausitz), Niederheimbach und in Bergkamen sind Straßen nach dem SPD–Politiker benannt.

Auch in der DDR wurde Ernst Heilmanns gedacht. In der Gedenkstätte des KZ Buchenwald erinnerte bereits seit Beginn der 1950er Jahre eine Tafel an den langjährigen Vorsitzenden der SPD–Fraktion im Preußischen Landtag. Die Inschrift der Tafel67 betonte jedoch mehr den angeblichen Fehler Ernst Heilmanns, nicht für eine Einheitsfront eingetreten zu sein und stellte sein Schicksal eher als Lehre dar, aus der für die Zukunft der DDR gelernt werden müsse68. Auch in anderen Fällen war die Haltung der DDR gegenüber dem Schicksal Ernst Heilmanns ambivalent. So wurde seiner Frau am Todestag ihres Mannes im Jahr 1960 der Besuch des Stahnsdorfer Friedhofes untersagt, während sie am selben Tag per Brief vom Buchenwaldkomitee zu einer Gedenkfeier für den Sozialdemokraten Rudolf Breitscheid eingeladen wurde69.

1 Alfred Döblin (1878 – 1957): deutscher Arzt und Schriftsteller. Seine Arbeiten spiegelten den Berliner Alltag in der Weimarer Republik wider. 1933 Emigration in die Schweiz, nach Frankreich und die USA, nach dem Krieg Rückkehr in die Bundesrepublik.  

2 Vgl. Lösche, Peter: Ernst Heilmann, in: Ders./ Scholing, Michael/ Walter, Franz (Hrsg.):Vor dem Vergessen bewahren, Lebenswege Weimarer Sozialdemokraten, Berlin 1988, S. 99-121, hier: S. 100f.  

3 Vgl. ebd. 

4 Der Sitzredakteur war strafrechtlich verantwortlich für die Inhalte der Zeitung (im heutigen Sinn ViSdP) und musste bei Beanstandungen durch die kaiserlichen Behörden gegebenenfalls die Strafe „absitzen“. Vgl. Möller, Horst: Ernst Heilmann, Ein Sozialdemokrat in der Weimarer Republik, in: Jahrbuch des Instituts für Deutsche Geschichte, Universität Tel Aviv 1982, S. 261 – 294, hier: S. 267. 

5 In diese Zeit fiel auch die Hochzeit mit Magdalena Müller, mit der er mehrere Kinder hatte. 

6 Vgl. Möller: Ernst Heilmann, S. 267. 

7 Zit. nach Lösche: Ernst Heilmann, S. 102f 

8 Vgl. Möller: Ernst Heilmann, S. 270. 

9 Als Parlamentsabsolutismus wurde in der Weimarer Republik die Gefahr der Dominanz des Parlamentes über die Regierung bezeichnet. Insbesondere Konservative nutzten den Parlamentsabsolutismus als Kampfbegriff in politischen Debatten über die Ausgestaltung des politischen Systems in der Weimarer Republik. Vgl. Möller, Horst: Parlamentarismus in Preußen 1919-1932, Düsseldorf 1985, S. 86f. 

10 Hugo Preuß (1860 – 1925): Jurist, Mitglied des Preußischen Landtags 1919-1925, Mitglied der DDP, erster Reichsinnenminister zwischen Februar und Juni 1919. Vom Rat der Volksbeauftragten mit der Aufgabe der Entwicklung eines ersten Verfassungsentwurfes für die Weimarer Republik beauftragt. Zwar wurde sein Vorschlag nicht angenommen, dennoch hatte Preuß großen Einfluss auf die Gestaltung der Weimarer Reichsverfassung. Vgl. Dreyer, Michael: Hugo Preuß (1860-1925). Biographie eines Demokraten, Jena 2002. 

11 Vgl. Möller: Ernst Heilmann, S. 270. 

12 So der ehemalige Kulturminister Preußens, Carl Heinrich Becker (parteilos), dessen Ablösung von Heilmann erfolgreich betrieben wurde, um der SPD ein zusätzliches Ministeramt zu sichern. Zit. nach: ebd. 

13 Vgl. Wachenheim, Hedwig: Vom Großbürgertum zur Sozialdemokratie, Berlin 1973, S. 111. 

14 Die Brüder Barmat hatten als jüdische Lebensmittelhändler einen erfolgreichen Export von niederländischen Nahrungsmitteln nach Deutschland aufgebaut und in den 1920er Jahren durch gute Beziehungen zu vielen hochrangigen Sozialdemokraten (unter ihnen Heilmann) Kredite von staatlichen Banken erhalten, die sie aber im Herbst 1924 nicht zurückzahlen konnten. Der Skandal endete mit einer Haftstrafe für Julius Barmat und der Entlassung des Reichspostministers Dr. Höfle. Für einen detaillierten Überblick vgl. Steffani, Winfried: Die Untersuchungsausschüsse des Preußischen Landtages zur Zeit der Weimarer Republik, Bonn 1960, S. 169 – 186.  

15 Bereits 1931 schrieb Heilmann: „Wehe dem deutschen Volk, wenn es diese Erfahrung [der nationalsozialistischen Herrschaft] erst p r a k t i s c h machen müsste“, in: Das Freie Wort, 1931, Heft 6, S.1ff. (Hervorhebung im Original). 

16 Osterroth bezeichnet Heilmann als einen der „wirkungsvollsten Redner im Abwehrkampf gegen den Nationalsozialismus“. Vgl. Osterroth, Franz: Biographisches Lexikon des Sozialismus, Bd. 1, Hannover 1960, S. 119. 

17 Das Freie Wort, 1930, Heft 36, S. 2f. 

18 Das Freie Wort, 1933, Heft 3, S. 12. 

19 Das Freie Wort, 1930, Heft 27, S. 30. 

20 Das Freie Wort, 1932, Heft 25, S. 4. 

21 Vgl. Möller: Ernst Heilmann, S. 277f. 

22 Vgl. Lösche, Peter: Ernst Heilmann, Ein Widerstandskämpfer aus Charlottenburg, Berlin 1981, S. 12f. 

23 Das Freie Wort, 1933, Heft 1, S. 1.  

24 Das Freie Wort, 1933, Heft 5, S. 197. 

25 Verhandlungen des Reichstages, 4. WP, Bd. 425 (85. Sitzung, 13. Juni 1929), online verfügbar bei der Bayrischen Staatsbibliothek unter: http://mdz1.bib-bvb.de/cocoon/rtb2/start.html. 

26 Verhandlungen des Reichstages, 5. WP, Bd. 426 (113. Sitzung, 11. Dezember.1929), online verfügbar bei der Bayrischen Staatsbibliothek unter: http://mdz1.bib-bvb.de/cocoon/rtb2/start.html. 

27 Hitler, Adolf: Deutscher Arbeiter, Deutscher Volksgenosse, Aufruf (25. März 1925), zit. nach: Nationalsozialismus, Holocaust, Widerstand und Exil 1933 – 1945. Online Datenbank K.G. Saur Verlag, Abruf am 23. Januar 2008. 

28 Hitler, Adolf: Politik der Woche, in: Illustrierter Beobachter vom 19. Oktober 1929, zit. nach: Nationalsozialismus, Holocaust, Widerstand und Exil 1933 – 1945. Online Datenbank K.G. Saur Verlag, Abruf am 23. Januar 2008. 

29 Vgl. Sandvoß, Hans-Rainer: Widerstand in Kreuzberg, 2., veränd. und erg. Aufl., Berlin 1997, S. 74ff. 

30 Wachenheim war eine Parteifreundin aus Charlottenburg, zeitweise Kollegin im preußischen Abgeordnetenhaus und emigrierte 1933 in die Schweiz. 

31 Zit. nach: Wachenheim: Vom Großbürgertum zur Sozialdemokratie, S. 111f. 

32 Zit. nach Lösche: Ernst Heilmann, S. 119. 

33 Vgl. Möller: Ernst Heilmann, S. 262f. 

34 Vgl. Lösche: Ernst Heilmann, S. 119. Der Autor gibt als Station nach Plötzensee nicht Oranienburg, dafür aber das KZ Sachsenhausen als Haftort Heilmanns an, er scheint hier der recht häufigen Verwechslung der beiden Konzentrationslager erlegen zu sein. 

35 Vgl. Knop, Martin/ Krause, Henrik/Schwarz, Roland: Die Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg, in: Morsch, Günter (Hrsg.): Konzentrationslager Oranienburg, Oranienburg 1994, S. 47-67, hier: S. 50f. 

36 Diese hatte das Lager eingerichtet und versah dort ihren Dienst. 

37 Seger, Gerhart: Oranienburg : erster authentischer Bericht eines aus dem Konzentrationslager Geflüchteten. Mit einem Geleitwort von Heinrich Mann. Karlsbad, 1934, S. 42. 

38 Vgl. ebd., S. 41f. Seger berichtet außerdem, dass Heilmann aufgrund der andauernden Misshandlungen das normale Gehen schwer fiel und er trotzdem von den Aufsehern des KZ noch über den Hof gejagt wurde. Vgl. ebd, S. 54.  

39 Vgl. ebd., S. 40. 

40 Vgl. ebd., S. 43ff. 

41 Langhoff vermutet, dass nicht „administrative Notwendigkeiten“ für die Verschickung der Prominenten verantwortlich waren, sondern dass diese vielmehr als „’Reklamebonzen’ von Lager zu Lager“ geschickt wurden, um so viele Konzentrationslager an der Bewachung der “Novemberverbrecher“ teilhaben zu lassen. In Esterwegen sei die Vorfreude der Wärter auf die „Bonzen“ auch sehr hoch gewesen. Vgl. Langhoff, Wolfgang: Die Moorsoldaten, 13 Monate Konzentrationslager, Berlin 1947, S. 221f. 

42 Die Misshandlungen nach der Ankunft sollen so schlimm gewesen sein, dass Heilmann am darauf folgenden Tag nach nur noch mühsam gehen konnte. Vgl. ebd., S. 225. 

43 Laut Poller hat Heilmann ihm diese Episode in einem persönlichen Gespräch in Buchenwald erzählt, vgl. Poller, Walter: Arztschreiber in Buchenwald, Offenbach 1960, S. 153 u. 155. Vgl. auch die Aufzählung der Misshandlungen Heilmanns bei Korsthoff, Erich/Walter, Bernd: Konzentrations- und Strafgefangenlager im Emsland 1933 – 1945, Düsseldorf 1985, S. 68f. 

44 Vgl. Langhoff: Die Moorsoldaten, S. 228. 

45 Vgl. Osterroth: Biographisches Lexikon des Sozialismus, S. 119. 

46 Im Konzentrationslager war klar, dass ein Überschreiten der Postenkette mit dem Gebrauch der Schusswaffe beantwortet werden würde. 

47 Diese könnten Heilmann diese Aktion befohlen haben. So eine Vermutung bei Langhoff. 

48 Vgl. Lösche: Ernst Heilmann, S. 119. Lösche interpretiert den Vorgang als Selbstmordversuch. Da dem Autor unveröffentlichte Aufzeichnungen von Heilmanns Ehefrau Magdalena vorlagen, kann die These vom Selbstmordversuch als wahrscheinlicher gelten. 

49 Zu Burckhardts ambivalenter Haltung gegenüber der nationalsozialistischen Bewegung und ihrer Ideenwelt vgl. Stauffer, Paul: Carl J. Burckhardt, Zwischen Hoffmansthal und Hitler, Zürich 1991, insbesondere S. 53-155. 

50 Burckhardt, Carl J.: Meine Danziger Mission, 1937-1939, München 1960, S. 59. 

51 Langhoff schätzte die Situation der Häftlinge in Esterwegen schlimmer ein als die eigene in Börgermoor. Vgl. Langhoff: Die Moorsoldaten, S. 196ff. 

52 Auch könnte man die Aufführung Heilmanns im Namensverzeichnis als „Georg Heilmann“ als symptomatisch für das geringe Interesse Burckhardts an dem „Fall“ ansehen. Zudem soll sich Heilmann als ehemaliger preußischer Staatsminister vorgestellt haben, eine Position die der SPD-Politiker nie inne hatte. Vgl. Burckhardt: Meine Danziger Mission, S. 365. 

53 Darunter Gustav Noske, Friedrich Stampfer und Marie Juchacz. Vgl. Aussage von Magdalena Heilmann, in: Sandvoß: Widerstand in Kreuzberg, S. 74ff. 

54 Ebd. 

55 Vgl. Danckwortt, Barbara: Jüdische Schutzhäftlinge im KZ Sachsenhausen 1936 – 1938. Verfolgungsgeschichten von Kommunisten, Sozialdemokraten und Liberalen, in: Morsch, Günter (Hrsg.): Jüdische Häftlinge im Konzentrationslager Sachsenhausen 1936 – 1945, S. 140 – 163, hier: S. 147. 

56 Vgl. ebd. 

57 Dieses Vorhaben wurde jedoch nie endgültig umgesetzt. Vgl. ebd., S. 153. 

58 Vgl. Schumacher, Martin: MdR, die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus: politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933 – 1945, eine biographische Dokumentation, 3. erheblich erw. u. überarb. Aufl., Düsseldorf 1994, S. 176ff. 

59 Poller: Arztschreiber in Buchenwald, S. 149. 

60 Vgl. ebd., S. 151. 

61 Vgl. ebd., S. 155. 

62 Die offizielle Todesursache wurde mit „ausgesprochener Altersschwäche“ angegeben. Vgl. Lösche: Ernst Heilmann, S. 119. 

63 Vgl. ebd., S. 157. Herzog berichtet dagegen, dass Heilmann durch eine Injektion in die Fußvene getötet worden sei. Vgl. Bwa 30/4 Bericht Dr. Karl Herzog 1945, zit. nach: Röll, Wolfgang: Deutsche Sozialdemokraten im Konzentrationslager Buchenwald 1937 – 1945, Göttingen 2000, S. 100ff. 

64 Vgl. Kogon, Eugen: Der SS – Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager, 13. Aufl. München 1988, S. 206 sowie Bwa 30/4 Bericht Dr. Karl Herzog 1945, zit. nach: Röll: Deutsche Sozialdemokraten, S. 100ff. 

65 Zit. nach Sandvoß: Widerstand in Kreuzberg, S. 75. 

66 Vgl. Tagesspiegel vom 3. April 1946, Hamburger Echo vom 13. April 1946, Berliner Stadtblatt vom 13. April 1951, Berliner Stimme vom 2. April 1960.  

67 „Ernst Heilmann – Vorsitzender der sozialdemokratischen Landtagsfraktion in Preussen. Von der SS am 3.4.1940 nach furchtbaren Tortouren ermordet. Der Sozialdemokrat Heilmann zählt zu den mehr als 600 im Bunker ermordeten Antifaschisten. Sein Tod erinnert uns immer wieder an die wichtige Lehre: Der Faschismus kann nur zur Macht kommen, wenn die Arbeiterklasse gespalten ist.“ Zit. nach: Röll: Deutsche Sozialdemokraten, S. 265. 

68 Vgl. ebd. und Tagesspiegel vom 2. September 2001. 

69 Vgl. Berliner Stimme vom 2. April 1960. 

Soziale/Regionale Herkunft: Sohn einer kleinbürgerlichen jüdischen Familie, geboren in Berlin.

Ausbildung/Berufstätigkeit: 1888 – 1900 Besuch des Cöllnischen Gymnasiums in Berlin, Abitur. 1900 – 1903 Studium der Rechts– und Staatswissenschaften, Ausschluss nach dem ersten Staatsexamen aufgrund der SPD– Mitgliedschaft. Ab 1904 journalistische Tätigkeit bei verschiedenen sozialdemokratischen Zeitungen, darunter die "Chemnitzer Volksstimme" und das „Freie Wort“.

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: keine

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: Seit 1898 Mitglied der SPD.

Politische Mandate/Aktivitäten: Ab 1919 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Charlottenburg. 1919 - 1933 Mitglied des Preußischen Landtags. 1928 – 1933 Mitglied des Deutschen Reichstages.

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: Am 26. Juni 1933 verhaftet und bis zu seiner Ermordung am 3. April 1940 in folgenden Haftstätten inhaftiert: KZ Columbia–Haus, Polizeipräsidium Berlin, Gefängnis Plötzensee, KZ Oranienburg, KZ Börgermoor, Polizeigefängnis Alexanderplatz, KZ Esterwegen, KZ Sachsenhausen, KZ Dachau, KZ Buchenwald.

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: entfällt

Erinnerungskultur/Ehrungen: In Berlin: Ehrengrab auf dem Stahnsdorfer Friedhof, Ernst-Heilmann-Saal im Preußischen Abgeordnetenhaus, Ernst-Heilmann-Steg in Kreuzberg, Heilmannring in Charlottenburg, Gedenkbüste im Rathaus Charlottenburg. Außerhalb Berlins: Benennung von Straßen nach seinem Namen in Forst, Bergkamen, Cottbus, Chemnitz und Niederrheimbach. Gedenktafel im KZ Buchenwald. Regelmäßige Würdigungen zum Todes– und Geburtstag in regionalen wie nationalen Zeitungen. Sendung des Deutschlandradios zum 100. Todestag von Ernst Heilmann.

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