Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
28. Juni 1873 - ?

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Differenziert man die gewerkschaftlichen Häftlinge nach der Altersstruktur, dann gehörte Johann Hackbarth zur Gruppe der Generation der Gewerkschaftsgründer, das heißt der zwischen 1860 und 1875 Geborenen, die 1933 ihre gewerkschaftlichen Funktionen zum Teil bereits niedergelegt hatten und nicht im Mittelpunkt des Interesses der NS-Verfolger standen.

Von Siegfried Mielke

Der Arbeiter Johann Hackbarth, am 28. Juni 1873 in Brünow/Pommern geboren, lebte während der Weimarer Republik in Hohenferchesar in der Nähe von Rathenow, Dorfstraße 43b. In welchen Unternehmen er beschäftigt war, konnte nicht ermittelt werden. Eine Gestapo-Liste von 1935 über ehemalige sozialdemokratische Gewerkschaftsfunktionäre der Weimarer Republik verzeichnet ihn als Funktionär der Zahlstelle Rathenow des Verbandes der Fabrikarbeiter Deutschlands.
Während zahlreiche Rathenower Gewerkschafter und Parteifunktionäre der SPD bereits im Juni 1933 ins KZ Oranienburg „verbracht“ wurden, blieb Hackbarth – vermutlich wegen seines fortgeschrittenen Alters – zunächst von Verfolgungen und Inhaftierungen verschont. Da er sich nach der Machtergreifung jedoch des Öfteren kritisch zum Nationalsozialismus äußerte, wurde er wegen „staatsfeindlicher Äußerungen im Sinne der SPD“ am 20. September 1933 verhaftet und am 23. September dem Konzentrationslager Oranienburg „zugeführt1“. Seine Entlassung aus dem Konzentrationslager Oranienburg erfolgte auf Veranlassung des Landrates bereits am 2. Oktober 1933. Obwohl Hackbarth die übliche Erklärung unterschrieben hatte, sich nicht „gegen den neuen Staat oder seine Einrichtungen in Rede und Schrift“ zu wenden und sobald ihm „Handlungen gegen das jetzige Staatswesen bekannt werden, diese sofort der Behörde“ zu melden, überführte ihn die Gestapo am gleichen Tag in das Konzentrationslager Sonnenburg2. Das weitere Schicksal von Johann Hackbarth konnte nicht ermittelt werden.

1 BLHA, Rep. 2 A I Pol. Nr. 1184, Bl. 21. 

2 BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/12, Bl. 54. 

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Quellen:

  • AS, Liste KZ Oranienburg, S. 37.
  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/12, Bl. 57-59.
  • BLHA, Rep. 2 A I Pol. Nr. 1184 und 1206 „Ehemalige SPD-Gewerkschaftsfunktionäre“ (Gestapa II, 112875/35 vom 1.8.1935).

Soziale/Regionale Herkunft: Brünow/Pommern

Ausbildung/Berufstätigkeit: Funktionär der Zahlstelle Rathenow des Verbandes der Fabrikarbeiter Deutschlands

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands, Funktonär der Zahlstelle

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: SPD

Politische Mandate/Aktivitäten: nicht bekannt

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 23. September 1933 - 2. Oktober 1933: KZ Oranienburg; 2. Oktober 1933 - ?: KZ Sonnenburg

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: nicht bekannt

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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