Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg

Gerhart Seger beschreibt in seinem Buch, wie er vom Dessauer Polizeigefängnis zum KZ Oranienburg transportiert wurde. Mit ihm saßen gut 40 weitere “Schutzgefangene” im Zug zu dieser “Kulturstätte des Dritten Reiches” (Seger), überwiegend KPD-Mitglieder und -Sympathisanten. Am Bahnhof Oranienburg angekommen, wurden sie vor den Augen der Oranienburger Bevölkerung zum Konzentrationslagers geführt, das in einer ehemaligen Brauerei notdürftig eingerichtet worden war. Eine SA-Mannschaft kam dem Häftlingstross entgegen und umschloss ihn auf den letzten Schritten zum “Konzentrationslager der Standarte 208”.

Ähnlich erging es 1933 vielen Menschen, die sich in den Jahren der Weimarer Republik durch ihre politische Haltung in Gegnerschaft zum Nationalsozialismus gebracht hatten. Auf Grundlage der Reichstagsbrandverordnung vom 28. Februar 1933 konnten politische Gegner scheinbar legal in Haft genommen werden. Der Begriff “Schutzhaft” sollte den Inhalt der rechtlosen Maßnahme verschleiern – sie galt keinesfalls dem Schutz der Betroffenen vor dem “Volkszorn”, sondern lediglich der Ausschaltung missliebiger Personen, anfangs vor allem Kommunisten und andere Angehörige der Arbeiterbewegung.

Schon bei ihrer Ankunft erfuhren die Häftlinge, was der KZ-Alltag bedeutete: Sie wurden ins Lager gejagt, dort häufig beschimpft oder verprügelt oder mussten stundenlang strammstehen. Die SA-Männer fotografierten die Häftlinge wie für eine Verbrecherkartei, nahmen ihnen Fingerabdrücke ab und hielten auf einem Formblatt besondere Merkmale schriftlich fest. Viele Häftlinge wurden im Vernehmungsraum ‘Zimmer 16’ verhört und oftmals mit Gummiknüppeln misshandelt.

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* Mit dankenswerter Genehmigung durch die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten entnommen aus: Gegen das Vergessen. Häftlingsalltag im KZ Sachsenhausen 1936-1945, CD-ROM, Systema 2004.