Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
5. Februar 1875 - 17. September 1957

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Otto Hornburg mit Enkeltochter Ruth und Ehefrau Emma, vermutlich 1936/37.
Quelle: PA Else Wetzel, geb. Hornburg.

Otto Hornburg mit Enkeltochter Ruth und Ehefrau Emma, vermutlich 1936/37. Quelle: PA Else Wetzel, geb. Hornburg.

Von Jan Christoph Lamontain

Otto Hornburg kam am 5. Februar 1875 als Sohn des Schuhmachers Hermann Hornburg und seiner Frau Luise, geborene Schmidt, in Strausberg zur Welt. Zusammen mit drei Geschwistern wuchs er in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach dem Abschluss der Volksschule erlernte er das Schuhmacherhandwerk und wurde Mitglied des Zentralverbands der Schuhmacher. Da die Schuhindustrie der wichtigste Wirtschaftszweig in Strausberg war, wirkte er, vermutlich als Vertrauensobmann, in der bedeutendsten Gewerkschaftsorganisation seiner Heimatstadt mit.
1895 trat er dem SPD-Ortsverein Strausberg bei. Nach der Gründung des Reichsbanners schloss er sich auch diesem an. In Folge seiner politischen Sozialisierung im Arbeiterbildungsverein und durch den Kontakt zu Strausberger Kommunalpolitikern protestierte er 1906 gegen falsch zusammengestellte Wählerlisten bei der Stadtverordnetenversammlung und erreichte so seine nachträgliche Eintragung.
Sein politisches Engagement beeinflusste auch sein familiäres Umfeld. Alle sechs Kinder, die aus der Ehe mit Emma Engel hervorgingen, wurden Mitglieder der Sozialistischen Arbeiterjugend.
Otto Hornburg galt als Vertreter linkssozialdemokratischer Positionen. Als Gründungsmitglied der Strausberger USPD engagierte er sich für einen an der russischen Oktoberrevolution orientierten Kurs. Nach der Gründung einer KPD-Ortsgruppe durch führende ehemalige USPD-Mitglieder übernahm Otto Hornburg im Dezember 1920 den Vorsitz der örtlichen USPD. Mit den sich abzeichnenden Entwicklungen in der Sowjetunion änderte sich seine politische Auffassung. Er befürwortete daher den Anschluss an die SPD-Ortsgruppe am 28. Oktober 1922.
1923 und 1933 wurde er zum Stadtverordneten gewählt. Im Rahmen dieser Tätigkeit setzte er sich vor allem für soziale Belange ein. Nach der Besetzung des Rathauses durch die Nationalsozialisten am 5. März 1933 und trotz polizeilicher Auflagen setzte er seine politische Tätigkeit fort, unter anderem als Kassierer seiner Partei.
Am 3. August 1933 wurde Otto Hornburg zusammen mit anderen Strausberger Genossen verhaftet und in das Konzentrationslager Oranienburg verbracht. Bei der vorangegangenen Hausdurchsuchung wurden unter anderem Notizen von früheren Reichstagswahlergebnissen beschlagnahmt. Dem Hinweis, dass „diese jetzt hinfällig seien“, entgegnete Otto Hornburg mutig: „Es kommt auch mal wieder anders1.“
Während seiner Haftzeit arbeitete Otto Hornburg nach Aussagen seiner Tochter Else Weitzel als Schuhmacher. Am 30. August 1933 wurde Otto Hornburg auf Veranlassung des Landrats des Landkreises Oberbarnim entlassen. Über sein weiteres Schicksal in der Zeit des Nationalsozialismus ist nichts bekannt.
Nach Kriegsende war er in der Stadtverwaltung bis 1952 als Standesbeamter tätig. Auch politisch blieb er zunächst weiter aktiv. Nachdem er bereits der Vereinigung von SPD und KPD skeptisch gegenüber gestanden hatte, zog er sich schließlich aus dem aktiven politischen Leben zurück.
Otto Hornburg verstarb am 17. September 1957 in Strausberg.

1 Schreiben des Landrates, BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/15, S. 196-199. 

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Quellen:

  • AS, Liste KZ Oranienburg, S. 47.
  • BArch, Kl v. Haftanstalt Oranienburg 3/15.
  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/15, S. 196-199 (Schreiben des Landrats, Protokoll der Hausdurchsuchung).
  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg Nr. 4/2, S. 331-332 (Inhaftierung).
  • Illustrationen, Strausberg 1997, S. 109-111.
  • Interview mit der Tochter Else Weitzel (22. September 2003).
  • Klein, Horst, Geschichte des Ortsvereins der SPD Strausberg 1887 – 1997, Strausberg 2002.
  • Strausberger Nachrichten, 18.8.1906.

Soziale/Regionale Herkunft: Sohn des Schuhmachers Hermann Hornburg; Strausberg

Ausbildung/Berufstätigkeit: Lehre als Schuhmacher

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Zentralverband der Schumacher, Vertrauensobmann

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: 1895: SPD; Später: USPD; Dezember 1920: Vorsitz der örtlichen USPD; 28. Oktober 1922: Anschluss an die SPD; Reichsbanner

Politische Mandate/Aktivitäten: 1923 und 1933: Stadtverordneter

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 3. August 1933 - 30. August 1933: KZ Oranienburg

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: SPD

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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