Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
22. Februar 1891 - ?

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Von Stefan Müller

Fritz Ilse wurde am 22. Februar 1891 in Egeln (Wansleben) geboren, lebte und arbeitete dann in Rathenow. Ilse war Sozialdemokrat und Mitglied des örtlichen sozialdemokratischen Wahlvereins. Zudem war Ilse Vorsitzender des freigewerkschaftlichen Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes (ADB).
Ilse wurde am 27. Juni 1933 als „Schutzhäftling“ in das KZ Oranienburg eingewiesen, aber schon kurze Zeit später, am 19. Juli 1933, entlassen. Ilse war damit einer von Tausenden von Sozialdemokraten, Gewerkschaftern und Kommunisten, die im Sommer 1933 von den Nationalsozialisten zur Abschreckung und Terrorisierung der Arbeiterorganisationen inhaftiert wurden. Allein in Rathenow wurden innerhalb einer Woche, zwischen dem 26. Juni und dem 3. Juli 1933, 93 Personen in „Schutzhaft“ genommen. Bekannt ist weiterhin, dass sich Fritz Ilse während seiner kurzen Haftzeit bei der Lagerleitung um Literatur bemühte: um die Bücher „Die Seele des Alltags“ und „Die Psychologie. Der Charakter des Deutschen Volkes und seiner Kultur“ von Müller-Freienfels.
Ob sich Fritz Ilse am Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligte, ist nicht bekannt. Auch konnte das Todesdatum von Fritz Ilse nicht ermittelt werden. Zumindest ist bekannt, dass er Faschismus und Weltkrieg überlebte, nach 1945 zunächst in der DDR blieb und am 30. Oktober 1953 nach West-Berlin zog.

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Quellen:

  • AS, Liste KZ Oranienburg, S. 48.
  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/16.
  • Mitteilung des Archiv Havelland vom 27.8.2003.
  • Handbuch des Vereins Arbeiterpresse, hrsg. vom Vorstand des Vereins Arbeiterpresse, Berlin 1927, S. 525.

Soziale/Regionale Herkunft: Egeln (Wansleben)

Ausbildung/Berufstätigkeit: nicht bekannt

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Vorsitzender des freigewerkschaftlichen Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes (ADB)

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: SPD; Mitglied des örtlichen sozialdemokratischen Wahlvereins

Politische Mandate/Aktivitäten: nicht bekannt

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 27. Juni 1933 - 19. Juli 1933: KZ Oranienburg

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: nicht bekannt

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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