Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
21. Januar 1893 - ?

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Von Juliane Küchholz

Johannes Leopold Albert Kostera kam am 21. Januar 1893 als Sohn des Maschinisten Johann Kostera und dessen Ehefrau Luise, geborene Bath, in Oranienburg zur Welt. Nach dem achtjährigen Besuch der Volksschule in Sachsenhausen arbeitete er zunächst auf Schleppdampfern. Anschließend begann er eine Ausbildung zum Werkzeughärter bei der Firma Weber am Kottbusser Ufer in Berlin. Im März 1912 wurde Kostera Mitglied im Deutschen Metallarbeiterverband (DMV). Er arbeitete in der Berliner Firma, bis er im Dezember 1914 zum Militär eingezogen wurde. Von Februar 1915 bis zum November 1918 kämpfte Kostera an verschiedenen Abschnitten der Westfront. Am 15. Oktober 1917 heiratete er Lisa Milger, mit der er zwei Kinder hatte.
Nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg wohnte er mit seiner Familie in der Wilhelmstraße in Sachsenhausen. Im November 1918 trat er in die USPD ein. In seinem Lebenslauf schreibt er: „War stets sehr aktiv innerhalb unserer Ortsgruppe Sachsenhausen1.“ 1922 trat diese Ortsgruppe geschlossen zur SPD über. Über zwei Wahlperioden wurde Johannes Kostera in die Gemeindevertretung gewählt, letztmalig am 5. März 1933.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten erlebte auch Kostera die von der NS-Führung angeordneten massiven „Schutzhaft“-Maßnahmen gegen sozialdemokratische und gewerkschaftliche Funktionsträger. Der drohenden Verhaftung durch die SA entkam er zunächst mit Hilfe von Freunden, die ihm die Flucht nach Berlin ermöglichten. Dort wurde er jedoch erkannt „und mußte nun den Weg übers Polizeipräsidium nach [dem Gefängnis, J. K.] Plötzensee antreten2.“ Er blieb etwa vier Wochen in Polizeihaft, bevor er am 24. April 1933 ins Konzentrationslager Oranienburg gebracht wurde. Zu seiner Haft schreibt er: „Hier wurde ich dann in der zweiten Nacht dermaßen verprügelt, ich sollte ein Geständnis ablegen [...], die Genossen verraten, die im Besitz von Waffen wären. Ein Verräter meiner Idee und meiner Genossen bin ich trotz aller Prügel nicht geworden3.“ Kostera gibt in seinem Lebenslauf und im Aufnahmeantrag in die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) den 17. Juni 1933 als Entlassungsdatum an. Die Liste des Konzentrationslager Oranienburg belegt den 11. Mai 1933. Letzteres erscheint als Entlassungsdatum schlüssiger, weil ein bestätigtes Freilassungsgesuch des Landrates vom 11. Mai 1933 vorliegt. Kostera blieb bis 1945 unter ständiger Polizeikontrolle.
Nach seiner Freilassung und Arbeitslosigkeit zwischen Oktober 1933 und August 1934 begann er am 2. August 1934 bei einer Grünberger Metallgesellschaft als Werkzeughärter zu arbeiten. Obwohl er nach eigenen Angaben seine Arbeit als Vorarbeiter zur Zufriedenheit seiner Vorgesetzten ausführte, wurde er 1937 entlassen. Kostera wurde als „politisch nicht zuverlässig“ beurteilt, weil er den wiederholten Aufforderungen des Betriebobmanns, der NSDAP oder der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) beizutreten, nie Folge geleistet hatte. Später arbeitete er ein Jahr lang als Rohrleger, bis er wieder Arbeit in seinen Beruf als Werkzeughärter bei einer Zahnradfabrik in Berlin-Wittenau fand. Dort war er bis zum Ende des Krieges beschäftigt.
Nach eigenen Angaben war Kostera 1945 aktiv am Aufbau der Gemeindeverwaltung von Sachsenhausen beteiligt. Er gehörte dem dortigen Zehnerausschuss an. Seit dem 1. Juli 1945 war er Verwaltungsangestellter der Gemeinde. Ebenfalls seit Juli 1945 war Kostera wieder Mitglied der SPD, seit dem 1. Mai 1946 Mitglied der SED. Am 1. August 1945 trat er dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) bei. 1946 wurde er in die Gemeindevertretung gewählt. Am 15. März 1951 wurde Kostera erster Sekretär der SED-Ortsgruppe Sachsenhausen.
Aus einem Schreiben des Kreissekretariats der VVN vom 3. März 1952 geht hervor, dass Johannes Kostera zu diesem Zeitpunkt schwer erkrankt war; weitere Informationen über seinen Lebenslauf liegen nicht vor.

1 Lebenslauf, BLHA, Rep. 333, Nr. 1099. 

2 Ebd. 

3 Ebd. 

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Quellen:

  • AS, Liste KZ Oranienburg, S. 57.
  • BLHA, Rep. 333, Nr. 1099.
  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/18.

Soziale/Regionale Herkunft: Sohn des Maschinisten Johann Kostera; Oranienburg

Ausbildung/Berufstätigkeit: Ausbildung zum Werkzeughärter

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: 1912: DMV

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: 1918: USPD; 1922: Übertritt zu SPD

Politische Mandate/Aktivitäten: nicht bekannt

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: Vier Wochen Polizeihaft; 24. April 1933 - 11. Mai 1933: KZ Oranienburg

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: Aufbau der Gemeindeverwaltung von Sachsenhausen; SPD; SED; FDGB; 1946: Gemeindevertretung Sachsenhausen; 1951: Erster Sekretär der SED-Ortsgruppe Sachsenhausen

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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