Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
17. März 1872 - ?

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Von Florian Moritz

Emil Lohmann wurde am 17. März 1872 in Lüdenscheid geboren. Spätestens ab 1907 wohnte er zusammen mit seiner Mutter und einem Werkmeister namens Paul Lohmann, bei dem es sich wahrscheinlich um seinen Vater handelte, in der Waldstraße 62 in Oranienburg. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann er als „Wassermeister“ im Wasser- und Elektrizitätswerk Oranienburg zu arbeiten, wo er bis zu seiner Verhaftung 1933 beschäftigt war. Gewerkschaftlich organisiert war Lohmann im Deutschen Werkmeisterverband (DWV). In Oranienburg gründete sich 1911 eine Ortsgruppe des DWV. 1912 hatte die Ortsgruppe 18 Mitglieder. Wann genau Lohmann dem DWV beitrat, ließ sich nicht ermitteln, bis einschließlich 1919 hatte er jedenfalls keine wichtige Funktion in der Oranienburger Gewerkschaft. 1920 – die Ortsgruppe war mittlerweile auf 45 Mitglieder angewachsen – wurde Lohmann Vorsitzender des DWV in Oranienburg. Lohmann behielt diese Funktion insgesamt 14 Jahre bis einschließlich 1933.
Als 61-Jähriger wurde Lohmann am 12. Oktober 1933 auf Anordnung des stellvertretenden Bürgermeisters von Oranienburg in „Schutzhaft“ genommen und ins KZ Oranienburg eingeliefert. Als Vorwand für die Verhaftung diente der Vorwurf, Lohmann habe einen Werkmeister namens Bruno Z. denunziert, der ebenfalls im Wasser- und Elektrizitätswerk Oranienburg gearbeitet hatte und aufgrund der Denunziation entlassen worden sei. Außerdem habe er einen Kommunisten bestochen, um ihn zur Abgabe einer falschen Erklärung zu bewegen. Während Lohmanns Zeit im KZ Oranienburg versuchten Bekannte wiederholt, seine Freilassung oder eine bevorzugte Behandlung zu erreichen. So sagte Rudolf Huttig bereits am 18. Oktober 1933 aus, Bruno Z. sei durch die Werksleitung ohne Lohmanns Zutun entlassen worden und Lohmann habe dem mutmaßlich bestochenen Kommunisten nur deshalb fünf Reichsmark gegeben, weil er dessen Notlage gekannt habe. Außerdem sei Lohmann schwer krank und müsse deshalb von der Haft verschont werden.
Auch Oberarzt Dr. Kurt Strauß vom Stadtkrankenhaus Moabit schrieb am 19. Oktober in seiner Eigenschaft „als untersuchender Arzt der Gestapo1“ einen Brief an den untersuchenden Arzt im KZ Oranienburg Dr. Lazar. Dort führte er aus, er sei von Dr. Martin Claus, dem Leiter des Großberliner Ärztebundes gebeten worden, sich für Lohmann einzusetzen. Claus kenne Lohmann „durch einen alten Bekannten2“. Er bitte, Lohmann wegen seines Bruchleidens aus gesundheitlichen Gründen „eine etwas schonende Behandlung zukommen zu lassen3“.
In einem Antwortschreiben wies ein Mitarbeiter des KZ-Arztes Lazar darauf hin, dass nur die Leitung des Konzentrationslagers für Entlassungen zuständig sei und Lohmann wegen seines Gesundheitszustandes „nur mit leichten Hausarbeiten4“ beschäftigt werde. Weiter heißt es: „Da ich Lohmann als Oranienburger seit Jahrzehnten kenne, halte ich einen Aufenthalt, wenn auch nicht von längerer Dauer, im Konzentrationslager durchaus für angebracht. Er war stets ausgesprochener Marxist, Mitglied des Reichsbanners und trat häufig als unser übelster Gegner in Erscheinung. Beweise hierfür könnte ich unzählige aufführen5.“ Durch eine vom Landrat verfügte Entlassung kam Lohmann schließlich am 27. Oktober 1933, nach 15 Tagen im KZ Oranienburg, frei. Nach seiner Entlassung lebte Lohmann mindestens bis 1939 weiter in der Waldstraße 62 in Oranienburg. Sein Sterbedatum konnte nicht ermittelt werden.

1 BLHA, Rep. 356, Nr. 3/21. 

2 Ebd. 

3 Ebd. 

4 Ebd. 

5 Ebd. 

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Quellen:

  • AS, Liste KZ Oranienburg, S. 65.
  • BLHA, Rep. 356, Nr. 3/21.
  • StA Oranienburg, Rep 1, Nr. 363/03 (Baupolizei Oranienburg, Waldstraße 62).
  • Adreßbuch für Oranienburg und Umgegend 1939/1940, hrsg. von Möller, Wilhelm, Oranienburg 1939.
  • Handbücher für die Vereinsvorstände und Mitglieder des Deutschen Werkmeister-Verbandes für die Geschäftsjahre 1912 – 1933, Düsseldorf o.J.

Soziale/Regionale Herkunft: Lüdenscheid

Ausbildung/Berufstätigkeit: „Wassermeister“ im Wasser- und Elektrizitätswerk Oranienburg

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Vorsitzender des DWV in Oranienburg

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: nicht bekannt

Politische Mandate/Aktivitäten: nicht bekannt

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 12. Oktober 1933 - 27. Oktober 1933: KZ Oranienburg

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: nicht bekannt

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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