Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
23. Oktober 1902 - 28. August 1978

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Von Marcel Nikolov

Bernhard Moder entstammte einer sozialdemokratischen Arbeiterfamilie und wurde am 23. Oktober 1902 als Sohn des Maurers Karl Moder und dessen Ehefrau Emilie in Berlin geboren. Im Jahre 1919 begann Moder eine Ausbildung zum Landvermesser an der Staatlichen Baugewerksschule in Berlin-Neukölln, wo er 1924 die Befähigung als Ingenieur für Vermessungstechnik erwarb. In den folgenden Jahren war er als Vermessungstechniker in Berlin tätig und zeitgleich Gasthörer an der Deutschen Hochschule für Politik in Berlin. In den Jahren von 1927 bis 1933 arbeitete er bei der Reichswasserstraßenverwaltung in Fürstenberg/Oder. 1928 trat Moder in die SPD ein; ein Jahr später kandidierte er auf der Liste seiner Partei und wurde zum Stadtverordneten und Stadtrat von Fürstenberg/Oder gewählt.
Während dieser Zeit war Moder auch gewerkschaftlich aktiv. Er gehörte der Fachgruppe Metallindustrie des Bundes der technischen Angestellten und Beamten an, der zu den bedeutendsten Gewerkschaften des Allgemeinen freien Angestellten-Bundes (Afa-Bund) zählte. Zudem hatte er den Vorsitz des Ortskartells des Afa-Bundes in Fürstenberg/Oder inne, der sich als Dachorganisation weitgehend selbständiger Einzelgewerkschaften verstand.
Im Jahre 1933 siedelte Moder nach Havelberg/Oder über. In diesem Jahr wurde er aufgrund seiner mündlichen Agitation gegen das nationalsozialistische Regime im Rahmen seiner politischen und gewerkschaftlichen Tätigkeit am 1. Juli desselben Jahres aus dem Staatsdienst entlassen und wenige Tage später aufgrund eines Haftbefehls des Landrats von Perleberg in Havelberg/Oder in „Schutzhaft“ genommen. Auf Veranlassung des damaligen Bürgermeisters von Fürstenberg/Oder saß er zunächst im KZ Oranienburg ein, bis er am 7. September 1933 ins KZ Sonnenburg überführt wurde. Dort blieb Moder bis zum Tage seiner Entlassung am 3. Februar 1934. Anschließend war er bis Dezember 1938 als Landvermesser in Naumburg angestellt. Sein beruflicher Weg führte ihn im Januar 1939 weiter nach Bitterfeld, wo er die Leitung eines Vermessungsbüros übernahm. Während des Zweiten Weltkrieges wurde er in der Zeit von Oktober 1943 bis Dezember 1944 bei der Flugabwehr im Raum Bitterfeld eingesetzt.
Nach Kriegsende organisierte er zusammen mit anderen ehemaligen Partei- und Gewerkschaftsfunktionären die Neugründung der SPD in Bitterfeld. Als Erster Vorsitzender der SPD im Kreis Bitterfeld wurde Moder am 1. September 1945 zum Ersten Bürgermeister der Stadt gewählt. Nach dem Zusammenschluss von SPD und KPD zur SED blieb er weiterhin politisch aktiv und wurde Mitglied des ersten Kreisvorstandes der SED in Bitterfeld. Allerdings konnte die SED bei den Kommunalwahlen im Jahre 1946 mit 15 Mandaten gegenüber 21 Mandaten der Liberaldemokratischen Partei Deutschlands (LDPD) und der CDU keine Mehrheit erringen, worauf Moder am 27. September 1946 seinen Rücktritt als Bürgermeister erklärte. Seine politische Laufbahn brach trotzdem nicht ab: Am 20. Dezember 1946 wählte ihn die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Zeitz zum Oberbürgermeister. Im Zusammenhang mit Untersuchungen der SED gegen „Schumacher-Agenten“ wurde ihm 1948 die Niederlegung seines Amtes seitens der SED nahegelegt, obwohl gegen ihn keine negativen Untersuchungsergebnisse vorlagen. Tatsächlich trat er dann am 9. September 1948 von seinem Amt als Oberbürgermeister zurück.
Über seinen weiteren Lebenslauf ist fast nichts bekannt. Bis zu seiner Abberufung am 18. Juli 1968 arbeitete er in verschiedenen Niederlassungen der „Deutschen Handelszentrale Kohle“.
Bernhard Moder starb am 28. August 1978.

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Quellen:

  • AS, Liste KZ Oranienburg, S. 73.
  • BArch, DY 55/V 278/2/104, Bl. 108 (VVN-Ermittlungsdienst).
  • BArch, R 58/3311, Bl. 99, 117 (Rundverfügung des Reichssicherheitshauptamtes).
  • StA Zeitz, Bestand Rat der Stadt Zeitz, Kaderabteilung, M 55.
  • Heyde, Ludwig (Hrsg.), Internationales Handwörterbuch des Gewerkschaftswesens, Bd. 1, Berlin 1931, S. 32-36.
  • Menzel, Kurt, Personen der Arbeiterbewegung im Kreis Bitterfeld 1900 bis 1952 – Kommentiertes Verzeichnis, Bitterfeld 2003.

Soziale/Regionale Herkunft: Berlin; Sozialdemokratische Arbeiterfamilie

Ausbildung/Berufstätigkeit: Ausbildung zum Landvermesser

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Fachgruppe Metallindustrie des Bundes der technischen Angestellten und Beamten; Vorsitz des Ortskartells des Afa-Bundes in Fürstenberg/Oder

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: 1928: SPD

Politische Mandate/Aktivitäten: 1929: Stadtverordneter und Stadtrat von Fürstenberg/Oder

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: Juli 1933: KZ Oranienburg; 7. September 1933 - 3. Februar 1934: KZ Sonnenburg

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: Erster Vorsitzender der SPD im Kreis Bitterfeld; 1. September 1945 - 27. September 1946: Erster Bürgermeister in Bitterfeld; Mitglied des ersten Kreisvorstandes der SED in Bitterfeld; 20. Dezember 1946 - 9. September 1948: Oberbürgermeister in Zeitz

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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