Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg

Seit 1933 gehörten willkürliche Verhaftungen auf offener Straße zum Alltag. Die Festgenommenen kamen in Polizeigefängnisse und Folterkeller oder wurden direkt in die Konzentrationslager eingeliefert. Die Familien wussten zunächst nichts über das Schicksal ihrer Angehörigen. Da nach der Verhaftung weder Lohn noch Arbeitslosenunterstützung weiter ge-zahlt wurden, mussten die Angehörigen bei den NS-Behörden um finanzielle Hilfe betteln. Die meisten Familien der KZ-Häftlinge lebten daher am Rande des Existenzminimums; Söhne und Töchter verloren ihre Lehr- und Ausbildungsstellen.

Prinzipiell war es in den frühen Lagern noch möglich, die Häftlinge zu besuchen, anfangs sogar mehrmals in der Woche. Später wurde die Besuchszeit im KZ Oranienburg auf den Sonntag beschränkt. Häufig aber entzog die KZ-Verwaltung die Besuchserlaubnis plötzlich wieder. Daher geschah es oft, dass Frauen, die ihre Männer besuchen wollten, am Tor des KZ Oranienburg durch die SA-Wachen zurückgewiesen wurden. Nervenzusammenbrüche und Weinkrämpfe waren nicht selten die Folge. Die Zusammenkünfte der Häftlinge mit ihren Angehörigen fanden unter strenger Beobachtung der Wachmannschaften statt.

Prinzipiell erlaubte die KZ-Verwaltung, mehrmals im Monat Briefe zu schreiben und Päckchen zu empfangen. Gerne jedoch verhängte sie Postverbote als Strafmaßnahme. Dann brach der Kontakt der Häftlinge mit ihren Familienangehörigen über Monate hinweg ab.

Impressum

* Mit dankenswerter Genehmigung durch die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten entnommen aus: Gegen das Vergessen. Häftlingsalltag im KZ Sachsenhausen 1936-1945, CD-ROM, Systema 2004.