Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
27. Juli 1892 - 18. März 1977

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Von Tobias Willms

Am 27. Juli 1892 wurde Hermann Otto, Sohn von Alwine und Wilhelm Otto, in Rathenow geboren. Verheiratet war er mit Gertrud Otto, geb. Siwek. Hermann Otto erlernte den Beruf des Brillenmachers und arbeitete als solcher zumindest Ende der 1920er Jahre bei der Firma Optiker Ruhnke. Hier betätigte sich Otto als Mitglied des Betriebsrates, gewerkschaftlich organisiert war er im Deutschen Metallarbeiterverband (DMV). Vom 7. bis 24. März 1932 nahm er an einem Betriebsrätekurs der DMV-Wirtschaftsschule in Bad Dürrenberg teil.
Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage kam es am 21. Juni 1932 bei der Firma Optiker Ruhnke zu einer Stilllegungsverhandlung, bei der Otto als Vertreter des Betriebsrates anwesend war. Im Verlauf der Verhandlungen lehnte der DMV einen von der Firma entworfenen Manteltarifvertrag ab, da „in bezug auf Überstunden, Akkordarbeit und Urlaub unannehmbare Bestimmungen darin enthalten waren. So war unter anderem bezüglich der Überstunden das Mitwirkungsrecht des Arbeiterrats ausgeschaltet1“. Nach der erfolgten Stilllegung des Betriebes waren nur noch 16 von ehemals 93 Arbeitnehmern beschäftigt. Der Geschäftsbericht hält jedoch fest, dass „auch für diese Firma der allgemein verbindlich erklärte Tarifvertrag für die optische Industrie Rathenows gilt. Eine Änderung der Löhne trat nicht ein, da von keiner Vertragspartei der Lohntarif gekündigt wurde2.“
Neben seiner gewerkschaftlichen Tätigkeit arbeitete Otto im Vorstand der Zuschusskasse der Allgemeinen Ortskrankenkasse in Rathenow. 1928 wurden auf einer Versammlung die „aus dem Vorstand ausscheidenden Herren Karl Schmidt und Hermann Otto durch Zuruf wiedergewählt3“.
Hermann Otto wurde am 28. Juni 1933 mit ungefähr 60 anderen Funktionären der Arbeiterbewegung aus Rathenow in das KZ Oranienburg eingeliefert. Die Männer wurden „im Morgengrauen von der SA aus den Betten geholt, verhaftet und zunächst in der Turnhalle des Lyzeums in der Schleusenstraße untergebracht“. Otto wurde am 19. Juli 1933 aus dem KZ Oranienburg entlassen. Ab 1948 lebte Otto in Nennhausen bei Rathenow, wo er am 18. März 1977 starb.

1 Geschäftsbericht 1932, hrsg. von der DMV-Verwaltungsstelle Rathenow, o.O. o.J., S. 18, Hervorhebung im Original. 

2 Ebd. 

3 Rathenower Tageblatt vom 4. April 1928. 

4 Dannehl, Gerhard: „Meine Erinnerungen an die braune Barbarei in Rathenow“, in „Rathenower Heimatkalender“, Rathenow 1973, S. 35. 

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Quellen:

  • AS, Liste KZ Oranienburg, S. 81.
  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 4/6, S. 470.
  • KA Friesack, Rathenower Tageblatt, 4. April 1928.
  • Gerhard Dannehl, „Meine Erinnerungen an die braune Barbarei in Rathenow“, in „Rathenower Heimatkalender“, Rathenow 1973.
  • Geschäftsbericht 1932, hrsg. von der DMV-Verwaltungsstelle Rathenow, o.O. o.J.
  • Adreßbuch für Rathenow sowie die Orte Neufriedrichsdorf und Neue Schleuse, Rathenow 1929.

Soziale/Regionale Herkunft: Rathenow

Ausbildung/Berufstätigkeit: Lehre als Brillenmacher

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: DMV; Betriebsratsmitglied bei der Firma Optiker Ruhnke

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: nicht bekannt

Politische Mandate/Aktivitäten: nicht bekannt

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 28. Juni 1933: KZ Oranienburg - 19. Juli 1933

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: nicht bekannt

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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