Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
3. Juli 1890 - 9. November 1957

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Von David Frechenhäuser

Obschon Paul Peisker dem Ortsauschuss des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) in Dahme (Brandenburg) vorsaß, sind über sein Leben und Wirken nur wenige Daten und Fakten aufzufinden. Peisker wurde am 3. Juli 1890 in Golßen (Brandenburg) geboren. Im Geburtenbuch des Standesamtes Golßen unter der Reg.-Nr. 36/1890 ist er als Friedrich Paul Peisker eingetragen. Peisker lebte in den 1920er Jahren in der Schlossstraße 11 in Dahme. Überliefert ist auch, dass er dort heiratete und als Handelsmann und Zigarrenmacher seinen Lebensunterhalt verdiente.
Die Tabakindustrie spielte für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Dahme seit dem 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle. Noch bis zum Zweiten Weltkrieg besaß Dahme zahlreiche Zigarrenfabriken.
Zu Beginn der Diktatur der Nationalsozialisten taucht der Name Paul Peisker wieder in Zossen (Brandenburg) auf: Am 29. Juni 1933 wurden 52 Mitglieder der KPD, sechs der SPD und 32 weitere bekannte Nazigegner aus Zossen auf dem Gelände der heutigen Berufsschule zusammengetrieben, misshandelt und verhört. 32 Kommunisten und Sozialdemokraten wurden als so genannte Rädelsführer benannt und noch in derselben Nacht in das Konzentrationslager Oranienburg verschleppt. Darunter befanden sich auch Peisker und ein weiterer Paul Peisker – wahrscheinlich sein Sohn. Nach der Personenbeschreibung einer Akte aus dem Konzentrationslager Oranienburg wurde dieser als Paul Wilhelm Peisker am 9. Juli 1912 in Zossen geboren und arbeitete dort als Friseur. Als letzter Arbeitsaufenthalt der beiden Peiskers ist jedoch die Kolonie Zementfabrik Zossen angegeben.
Die „Schutzhaft“ von Paul Peisker senior wurde am 11. Juli 1933 aufgehoben, so dass er am nächsten Tag nach Hause zurückkehren konnte. Sein Sohn wurde fünf Monate später, am 18. Dezember 1933, aus dem Konzentrationslager Oranienburg entlassen.
Paul Peisker senior verstarb am 9. November 1957 in Dahme.
An die misshandelten und verschleppten Zossener Bürger erinnert noch heute eine unscheinbare Gedenktafel. Sie wurde Anfang der 1980er Jahre auf dem Gelände der ehemaligen Berufsschule angebracht.

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Quellen:

  • AS, Liste KZ Oranienburg, S. 82.
  • BLHA, Potsdam, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 2/3; Nr. 3/25; Nr. 4/1/1; Nr. 5.
  • Korrespondenzblatt des ADGB, Jg. 1922, Adressenbeilage Nr. 1, 22.4.
  • Brief der Ortschronistin Jutta Melzer vom 22.7.2003.
  • Brief vom Standesamt Golßen vom 17.10.2003.

Soziale/Regionale Herkunft: Golßen (Brandenburg)

Ausbildung/Berufstätigkeit: Handelsmann, Zigarrenmacher

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Vorsitzender des Ortsauschusses des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) in Dahme (Brandenburg)

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: nicht bekannt

Politische Mandate/Aktivitäten: nicht bekannt

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 29. Juni 1933 - 12. Juli 1933: KZ Oranienburg

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: nicht bekannt

Erinnerungskultur/Ehrungen: Gedenktafel für die misshandelten und verschleppten Zossener Bürger

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