Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
22. August 1893 - ?

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Von Tobias Willms

Ernst Rabe wurde am 22. August 1893 in Rathenow geboren. Über seine Schulausbildung und seinen frühen Werdegang ist nichts bekannt. Während des Ersten Weltkrieges arbeitete Rabe als Oberheizer auf dem Hilfskreuzer „Wolf“, im Februar 1918 kehrte er nach Rathenow zurück.
Anfang der 1920er Jahre arbeitete Rabe als Schlosser und gehörte 1921 der erweiterten Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes (DMV) in Rathenow an. Er nahm 1921 als Delegierter des Bezirks Brandenburg an der Generalversammlung des DMV in Jena teil. Auf der Generalversammlung stimmte er gemeinsam mit der Mehrheit der Delegierten gegen die „Oppositionsbestrebungen“ der KPD innerhalb des gewerkschaftlichen Verbandes. Aus den namentlichen Abstimmungen geht hervor, dass Rabe den Antrag der KPD-Fraktion „betreffend Russenhilfe“ ablehnte, in dem die Generalversammlung des DMV den Vorstand beauftragen sollte, „sofort aus dem Bestand der Hauptkasse pro Mitglied 1.- Mark bedingungslos für die Rußlandhilfe zur Verfügung zu stellen1“. Rabe stimmte des Weiteren mit der Mehrheit der Delegierten gegen einen Änderungsantrag, der die „Ablehnung einer Beteiligung an den Arbeitsgemeinschaften2“ vorschlug. Diese Arbeitsgemeinschaften zielten auf eine Kooperation zwischen Gewerkschaften und Unternehmerverbänden ab.
Am 27. Juni 1933 wurde Ernst Rabe in das KZ Oranienburg verbracht. Vor seiner Inhaftierung war er als Hilfsarbeiter in einem Büro angestellt. Während seiner Inhaftierung im KZ Oranienburg beantragte Rabe Arbeitslosen-Unterstützung, die mit Verweis auf seine Mitgliedschaft in der SPD abgelehnt wurde. Am Tag seiner Entlassung aus dem KZ Oranienburg am 14. August 1933 musste Ernst Rabe eine „Erklärung“ unterschreiben, in der es unter anderem heißt, „daß ich mich nie gegen den neuen Staat oder seine Einrichtungen in Rede und Schrift wenden werde. Ich erkläre ferner, daß ich, sobald mir Handlungen gegen das jetzige Staatswesen bekannt werden, dieses sofort der Behörde melden werde3.“
Mitte der 1930er Jahre fand Ernst Rabe wieder eine Beschäftigung als Hilfsarbeiter in einem Büro. Der Todestag ist nicht bekannt.

1 Protokoll der 15. ordentlichen Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes in Jena 1921. Abgehalten vom 12. bis 18. September im Saale des Volkshauses, (hrsg. vom Deutschen Metallarbeiterverband), Stuttgart 1921, S. 88. 

2 Ebd., S. 92. 

3 BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg. 

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Quellen:

  • AS, Liste KZ Oranienburg, S. 88.
  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 4/6.
  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/27.
  • KA Friesack, Aktenzeichen Chronik, „Entwicklung der Stadt Rathenow“, zeitlicher Umfang 1915-1931.
  • Adressbuch für Rathenow sowie die Orte Neufriedrichsdorf und Neue Schleuse, Rathenow 1935.
  • Geschäftsbericht 1921, hrsg. von der DMV-Verwaltungsstelle Rathenow, o.O. o. J.
  • Protokoll der 15. ordentlichen Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes in Jena 1921. Abgehalten vom 12. bis 18. September im Saale des Volkshauses, (hrsg. vom Deutschen Metallarbeiterverband), Stuttgart 1921.

Soziale/Regionale Herkunft: Rathenow

Ausbildung/Berufstätigkeit: Schlosser

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes (DMV) in Rathenow

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: SPD

Politische Mandate/Aktivitäten: nicht bekannt

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 27. Juni 1933 - 14. August 1933: KZ Oranienburg

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: nicht bekannt

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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