Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg

Die Entstehung der Sturmabteilung (SA) geht auf das Jahr 1921 zurück. Die SA formierte sich aus Soldaten der Münchner Reichswehr, die Hauptmann Ernst Röhm einsetzte, um die politischen Gegner bei Saal- und Straßenschlachten zu terrorisieren. Neben Ernst Röhm waren hohe Offiziere des rechtsradikalen Geheimbunds des Freikorpsführers Erhardt maßgeblich am Aufbau der SA beteiligt. Unter der Führung von Hans-Ulrich Klintzsch wurde die SA während des sogenannten Ruhrkampfes in die Landesverteidigung einbezogen. Als Gegengewicht zur wachsenden Macht der SA bildete Hitler 1925 die Schutzstaffel (SS).

Selbst ein vorübergehendes Verbot der SA (von April bis Juni 1932) schränkte ihre brutalen Aktivitäten nicht ein. Diese nahmen vielmehr einen bürgerkriegsähnlichen Zustand an, der sich bis zur Machtübernahme Hitlers immer mehr verschärfte. Nach der Machtergreifung verfolgte die SA ihre politischen Gegner auf äußerst brutale Weise. Bis zum Herbst 1933 wurden etwa 70.000 Menschen in die verschiedensten Konzentrationslager und Folterkeller verschleppt.

Am 21. März 1933, am „Tag von Potsdam“, verhaftete der Oranienburger SA-Sturm 208, der von SA-Sturmbannführer Werner Schäfer kommandiert wurde, etwa 40 NS-Gegner und verschleppte sie in eine leerstehende ehemalige Brauerei, die mitten in der Kleinstadt Oranienburg lag. Die spontane Gründung des Konzentrationslagers wurde bald schon durch das preußische Innenministerium genehmigt. Die Anzahl der Häftlinge stieg schnell an, weshalb die KZ-Verwaltung die Anzahl der SA-Wachmänner von 50 auf 170 erhöhte. Bei Übernahme des KZ im Juli 1934 durch die SS bestand die SA-Wachmannschaft nur noch aus 74 Männern. Wenige Monate zuvor, im März 1934, löste SA-Sturmbannführer Hörnig Schäfer als Kommandant des KZ Oranienburg ab.

Den steigenden Machtansprüchen der SA trat Hitler jedoch entschieden entgegen. Während der Röhm-Affäre (30. Juni 1934) ermordete die SS im Auftrag Hitlers neben Röhm etwa 50 SA-Führer. Dies gab den Anlass zur Entwaffnung der SA-Mannschaft des KZ Oranienburg durch eine Einheit der Landespolizeigruppe in der Nacht zum 2. Juli 1934. Zwei Tage darauf rückten 150 SS-Männer unter dem Kommando des Inspekteurs der Konzentrationslager, Theodor Eicke, in das KZ Oranienburg ein und lösten die SA-Männer ab. Am 13. Juli wurden die Gefangenen in das KZ Lichtenburg transportiert.

Impressum

* Mit dankenswerter Genehmigung durch die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten entnommen aus: Gegen das Vergessen. Häftlingsalltag im KZ Sachsenhausen 1936-1945, CD-ROM, Systema 2004.