Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
6. Juni 1886 - ?

Dokumente und Bilder
(zum Vergrößern anklicken)

Von Zoé Sona

Am 6. Juni 1886 wurde Walter Smolka als Sohn einer Landarbeiterfamilie in Bronischewitz (Plessen) geboren. Er erlernte den Beruf des Glasbläsers und wurde durch sein Engagement in der Sozialistischen Arbeiterjugend und im Arbeitersportverein Fichte politisiert. Im Ersten Weltkrieg diente er in der Kaiserlichen Kriegsmarine auf dem Panzerkreuzer „Göben“ und nahm im November 1918 am Kieler Matrosenaufstand teil. Schon 1917 wurde er Mitglied der USPD. Nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft Ende 1920 trat er mit dem linken Flügel der USPD der KPD bei. Er wohnte und arbeitete zu diesem Zeitpunkt als Glasbläser in Briesen/Mark (Kreis Lebus). 1921 heiratete er die Landarbeiterin Johanna Riedel. In Briesen gründete er die erste KPD-Zelle und den Roten Frontkämpferbund. In beiden Gruppen übernahm er den Vorsitz. 1924 wurde er zum Gemeindevertreter der KPD und 1926 zum Kreistagsabgeordneten im Kreis Lebus gewählt.
Nach seinem Wechsel zur Bakelite AG in Erkner im Jahr 1928 zog er mit seiner Frau nach Neu Zittau und gründete dort die erste Ortsgruppe der KPD. In dieser Zeit schloss er sich dem Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands an. Die Arbeiter der Bakelite AG wählten Smolka zum Betriebsratsvorsitzenden. Anlässlich der Forderung nach einer Schmutzzulage und wegen seiner kommunistischen Einstellung entließ man ihn jedoch schon am 21. Februar 1931. Zu diesem Zeitpunkt wohnte Smolka bereits in Erkner. Arbeitslos geworden, engagierte er sich stärker politisch und wurde Mitglied der Unterbezirksleitung der KPD in Fürstenwalde.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 ging Smolka in die Illegalität. Zusammen mit Paul Hein, Rolf Baschin und anderen bildete er eine KPD-Widerstandsgruppe, die Flugblätter verteilte und den „Moskauer Sender“ hörte. Um der unmittelbaren Gefahr einer Verhaftung zu entgehen, hielt Smolka sich jetzt in Berlin und Blankenfelde auf. Er konnte sich seiner Festnahme aber nicht sehr lange entziehen und wurde am 17. Mai 1933 ins KZ Sonnenburg eingeliefert. Am 4. Juli 1933 entlassen, wurde er schon am 24. Juli 1933 ins KZ Oranienburg (Häftlingsnummer 985) überstellt, wo er bis zum 7. Oktober 1933 inhaftiert war.
Wieder in der Freiheit schloss er sich, obwohl er unter Polizeiaufsicht stand, abermals dem Widerstand an und gründete die illegalen Gruppen Briesen und Erkner und Umgebung. 1936 wurde er erneut verhaftet und nach dreimonatiger Untersuchungshaft in Berlin-Moabit wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Seine Haftzeit verbrachte er bis 1938 im Zuchthaus Brandenburg-Görden und darauf bis zum 17. November 1939 im Zuchthaus Amberg/Oberpfalz. Smolka wurde danach aber nicht entlassen, sondern auf Anweisung der Gestapo Potsdam ins KZ Sachenhausen überwiesen, wo er vom 13. Januar 1940 bis zum 29. September 1942 inhaftiert war. Er hatte die Häftlingsnummer 16234 (alte Häftlingsnummer 6530) und war in Block 5 untergebracht. Im KZ Auschwitz war er von 1942 bis 1944 inhaftiert (Häftlingsnummer 5574). Er wurde dort dem Strafbataillon Dirlewanger 512 zugeteilt und gilt nach seiner letzten Nachricht aus dem Tatragebirge als verschollen.
In Erkner wurde eine Straße nach Walter Smolka benannt, die auch heute noch seinen Namen trägt.

— — —

Quellen:

  • AS, Liste KZ Oranienburg, S. 113.
  • AS, JSU 1/96, Bl. 278 (Veränderungsmeldung).
  • AS, JSU 1/95, Bl. 268 (Veränderungsmeldung).
  • AS, D 1 A/1196, Bl. 16 (Sonderliste).
  • BArch, M 1600 (Das Bakelite-Paradies).
  • BArch, 84 B 229 (Berliner Handelsregister).
  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 2/3, Bl. 461.
  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/31, Bl. 291-296.
  • BLHA, Rep. 2 A I Pol., Nr. 1177 (Häftlingsliste).
  • BLHA, Rep. 2 A I Pol., Nr. 2242 (Häftlingsliste).
  • SAPMO-BArch, DY 55 V 278/6/1610 (VVN-Fragebogen).
  • SAPMO-BArch, DY 55 V 278/5/47 (VVN-Fragebogen).
  • SAPMO-BArch, NJ 8126 (NS-Justizakte).
  • SAPMO-BArch, NJ 2116 (NS-Justizakte).
  • SAPMO-BArch, R 58/2021 (Verhandlungsakte Gestapo).
  • SAPMO-BArch, R 58/2385 (Reichssicherheitshauptamtakten).
  • SAPMO-BArch, R 58/2072 (Reichssicherheitshauptamtakten).
  • Arbeitskreis Ehemaliges KZ Sonnenburg (Hrsg.), Sonnenburg – Slonsk. Bausteine zu einer Liste der Sonnenburger Häftlinge in der Zeit vom 4. April 1933 bis 23. April 1934, Berlin 1991, S. 29f.
  • Bezirksleitung Frankfurt/O. der SED, Kommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung (Hrsg.), Siegesbewußt. Standhaft. Unbezwingbar. Beiträge zur Geschichte des antifaschistischen Widerstandskampfes in Städten, Gemeinden und Betrieben des Bezirks Frankfurt/O., Frankfurt/Oder 1978, S. 24, 65, 68.
  • Bezirksleitung Frankfurt/Oder der Sozialistischen Einheitspartei Deutschland, Bezirkskommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung (Hrsg.), ...ihr Kampfgenossen all – Lebensbilder revolutionärer Kämpfer aus dem Bezirk Frankfurt/Oder, Frankfurt/Oder 1976, S. 58.
  • Bezirksleitung Frankfurt/Oder der SED (Hrsg.), Über das Wirken der KPD im heutigen Bezirk Frankfurt (O.), Frankfurt/Oder 1969, S. 13.
  • Damit der Mensch ein Mensch werde, Peter Seidlitz (Heimatkundliches Archiv Erkner).
  • Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR, Bezirkskomitee Potsdam in Zusammenarbeit mit den Bezirkskomitees Cottbus und Frankfurt/O (Hrsg.), Antifaschistischer Widerstandskampf in der Provinz Brandenburg 1933 – 1939, Potsdam 1982, S. 166.
  • Neuer Tag, 7.11.1988, S. 3 (Heimatkundliches Archiv Erkner).

Soziale/Regionale Herkunft: Sohn einer Landarbeiterfamilie; Bronischewitz (Plessen)

Ausbildung/Berufstätigkeit: Ausbildung zum Glasbläser

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands ; Betriebsratsvorsitzender

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: 1917: USPD; 1920: KPD; Vorsitzender der KPD in Briesen; Mitglied der Unterbezirksleitung der KPD in Fürstenwalde

Politische Mandate/Aktivitäten: 1924: Gemeindevertreter in Briesen; 1924: Kreistagsabgeordneter im Kreis Lebus

Widerstandsaktivitäten: KPD-Widerstandsgruppe

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 17. Mai 1933 - 4. Juli 1933: KZ Sonnenburg; 24. Juli 1933 - 7. Oktober 1933: KZ Oranienburg (Häftlingsnummer 985); 1936: Dreimonatige Untersuchungshaft in Berlin-Moabit; Bis 1938: Zuchthaus Brandenburg-Görden; Bis zum 17. November 1939: Zuchthaus Amberg/Oberpfalz; 13. Januar 1940 bis zum 29. September 1942: KZ Sachsenhausen (Häftlingsnummer 16234, Block 5); 1942-1944: KZ Auschwitz (Häftlingsnr. 5574, Strafbataillon Dirlewanger 512)

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: entfällt

Erinnerungskultur/Ehrungen: in Erkner wurde eine Straße nach Walter Smolka benannt.

Impressum