Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
14. Oktober 1873 - 30. September 1956

Dokumente und Bilder
(zum Vergrößern anklicken)

Das Symbol des EVMB.

Das Symbol des EVMB.

Hugo Koischwitz (auch Köschwitz) wurde am 14. Oktober 1873 in Neumark geboren. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg schloss er sich der SPD an, der er bis 1922 angehörte. 1932 wurde er KPD-Mitglied. Dem Einheitsverband der Metallarbeiter Berlins (EVMB) gehörte er seit Februar 1931 an. Hugo Koischwitz übte dort die Funktion eines Sekretärs im Bezirksbüro aus. Für die illegale KPD und den EVMB betätigte sich Koischwitz im Widerstand. Nach Kriegsende lebte er in Berlin (West). Koischwitz starb am 30. September 1956.

Von Marek Voigt

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten war er in der von Rudolf Lentzsch angeführten illegalen EVMB-Widerstandsgruppe aktiv. Nachdem die Organisation schon im Dezember 1933 (wahrscheinlich durch einen Spitzel) hochging, stellte die Gestapo im „Schlussbericht“ vom 13. Januar 1934 die Arbeit wie folgt dar: „Im November 1930 wurde nach dem Metallarbeiterstreik der EVMB (Einheitsverband der Metallarbeiter Berlins), der die kommunistisch eingestellten Metallarbeiter in sich vereinigte, gegründet. Mit der nationalen Revolution und der damit verbundenen Auflösung der KPD wurde auch der EVMB verboten. Schon in den folgenden Monaten fanden sich ehemalige Führer des EVMB zusammen, um eine Neugründung des EVMB vorzunehmen. Mit Hinsicht darauf, dass der EVMB eine Unterorganisation der RGO darstellte, von der man eine illegale Weiterarbeit erhoffte, versprachen sich die Führer des illegalen EVMB auch durch die Neuorganisation des Einheitsverbandes Erfolg.“ (Schlussbericht der Gestapo, 13.01.1934, BArch, R 58/3329)

Hugo Koischwitz selbst äußerte sich zur Arbeit der Gruppe im Bürgenbericht für seinen ehemaligen Kollegen im Bezirksbüro des EVMB, Karl Bienert: „Nach der Machtergreifung Hitlers stellten wir illegale Zeitschriften mit dem Abziehapparat her. Außerdem wurde auch noch kassiert für die Partei und den Verband.“ (Unterlagen in OdF-Akte von Karl Bienert, LA Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 23195) Diese Tätigkeit blieb jedoch nicht unentdeckt, und so wurde Hugo Koischwitz verhaftet und vernommen. Der Abschlussbericht der Ermittlungen vom 13. Januar 1934 hielt fest: „Im Januar 33 wurde er wegen Flugblattverteilung festgenommen, jedoch wieder entlassen. Er behauptet, nicht illegal tätig gewesen zu sein. In Anbetracht seiner langjährigen politischen Tätigkeit werden seine Aussagen bezweifelt. Über ihn ist Schutzhaft verhängt worden.“ (Schlussbericht der Gestapo, 13.01.1934, BArch, R 58/3329)

Hugo Koischwitz wurde am 11. Dezember 1933 erneut verhaftet, dann zuerst in der Prinz-Albrecht-Straße 8 (Gestapo) und später im Gefängnis am Alexanderplatz gefangen gehalten. Ab dem 13. Dezember 1933 war er im Konzentrationslager Columbia-Haus inhaftiert und vom 5. bis 19. Januar 1934 im Konzentrationslager Oranienburg. „Wir wurden während unserer Haft schwer misshandelt“, erinnerte er sich später. (Unterlagen in OdF-Akte von Karl Bienert, LA Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 23195) Ob er, wie es der Ermittlungsbericht der Gestapo nahe legt, auch danach noch in „Schutzhaft“ blieb, lässt sich nicht mehr klären. 1948 wohnte er in Berlin-Wedding (Schulstraße 91-97). Weitere Informationen über sein Leben im Nationalsozialismus und nach Kriegsende ließen sich nicht ermitteln. Am 30. September 1956 verstarb Koischwitz in Berlin-Kreuzberg.

— — —

Quellen:

  • BArch, R 58/3329 (Schlussbericht der Gestapo, 13.01.1934).
  • BArch, R 58/742 (Sistierbuch KZ “Hausgefängnis” der Gestapo).
  • LA Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 23195 (OdF-Akte von Karl Bienert).
  • Das „Hausgefängnis“ der Gestapo-Zentrale in Berlin. Terror und Widerstand 1933-1945, Berlin 2005, S. 223.
  • Fieber, Hans-Joachim, Widerstand in Berlin gegen das NS-Regime 1933-1945. Ein biographisches Lexikon, Bd. 4, Berlin 2002-2005, S. 142.
  • Sandvoß, Hans-Rainer, Widerstand in Pankow und Reinickendorf, Berlin 1994, S. 110.
  • Schilde, Kurt/Tuchel, Johannes, Columbia-Haus. Berliner Konzentrationslager 1933-1936, hrsg. vom Bezirksamt Tempelhof, Berlin 1990, S. 171.
  • Stiftung Topographie des Terrors, Personendatei.
  • Auskunft des Landesamtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten, Berlin, 25.01.2006.

Soziale/Regionale Herkunft: Neumark

Ausbildung/Berufstätigkeit: nicht bekannt

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: 1931: EVMB-Mitglied; Sekretär im EVMB-Bezirksbüro

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: SPD; 1932: KPD

Politische Mandate/Aktivitäten: nicht bekannt

Widerstandsaktivitäten: 1933: Betätigung im illegalen EVMB

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: Januar 1933: Schutzhaft; 11. Dezember 1933: Gestapo-Hausgefängnis; 13. Dezember 1933 - 5. Januar 1934: KZ Columbia-Haus; 5. bis 19. Januar 1934: KZ Oranienburg, anschl. Polizeigefängnis Berlin-Alexanderplatz

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: nicht bekannt

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

Impressum