Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
10. Mai 1912 - 7. Juni 1994

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Bruno Poeck Quelle: LA Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 19042

Bruno Poeck Quelle: LA Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 19042

Bruno Poeck wurde am 10. Mai 1912 als Sohn des Arbeiters Fritz Poeck und dessen Ehefrau Henriette in Gilsdorf bei Strausberg geboren. Später siedelte er nach Berlin-Mitte über und absolvierte eine Ausbildung zum Werkzeugmacher. Ab 1931 engagierte er sich für den EVMB. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten war er als Kassierer und Kurier für den illegalen Verband tätig. Nach KZ- und Untersuchungs-Haft wurde Poeck zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Er lebte nach Kriegsende in Berlin (Ost), wo er am 7. Juni 1994 starb.

Von Marcel Nikolov

Poeck gehörte seit Februar 1931 dem Einheitsverband der Metallarbeiter Berlins (EVMB) an, der eine eigenständige Organisation der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition (RGO) war. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten ging auch ein Verbot dieser Organisation einher. Gleichwohl blieb Poeck gewerkschaftlich aktiv: Neben der Entrichtung regelmäßiger Beitragszahlungen übte er die Funktionen eines Kassierers und Kuriers für den EVMB aus. Dies wurde ihm am 12. Dezember 1933 zum Verhängnis: An jenem Tag verhafteten ihn Gestapo-Angehörige wegen Verbreitung illegalen Materials und brachten ihn in die Zentrale in der Prinz-Albrecht-Straße. Bis zum 5. Januar 1934 war er im Konzentrationslager Columbia-Haus und die darauf folgenden zwei Wochen im Konzentrationslager Oranienburg inhaftiert. Anschließend kam er ab dem 22. Januar 1934 in Untersuchungshaft, die er in Berlin-Moabit verbrachte. Im Juni desselben Jahres verurteilte ihn das Kammergericht Berlin zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Poeck Pakete, in denen sich illegales „Informationsmaterial des EVMB“ befand, in bewusster Kenntnis über deren Inhalte annahm und übermittelte. Er wurde zusammen mit weiteren Mitgliedern des EVMB des Verbrechens der Vorbereitung eines „hochverräterischen Unternehmens“ für schuldig erklärt.

Poeck verbüßte seine Haft in der Strafanstalt Berlin-Tegel und wurde am 16. Dezember 1935 entlassen. Seine Frau Gerda, die er am 24. September 1938 heiratete, wusste nur wenig über die illegalen Tätigkeiten ihres Mannes.

Am 16. Februar 1942 wurde Poeck zur Wehrmacht einberufen. Die zehnwöchige Grundausbildung leistete er bei den Panzergrenadieren ab und wurde anschließend an der Ostfront eingesetzt. Vier Monate später kehrte er aufgrund einer Kriegsverletzung nach Deutschland zurück. Nach seiner Genesung wurde er erneut in den Einsatz geschickt. Im Oktober 1944 lief er zur Roten Armee über und geriet in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1947 freikam. In diesem Jahr trat er auch in die SED ein und war ab 1948 bei der Volkspolizei beschäftigt. Am 14. April 1965 erhielt Poeck einen Bescheid über die Gewährung einer Ehrenpension, die zuvor vom Ministerrat der DDR für Widerstandskämpfer während der nationalsozialistischen Diktatur beschlossen wurde. Über seinen weiteren Lebensweg ist nichts bekannt. Bruno Poeck starb am 7. Juni 1994 in Berlin-Lichtenberg.

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Quellen:

  • AS, Liste KZ Oranienburg, S. 85.
  • BArch, NJ 15018 (Anklageschrift B gegen Willi Schulz u.a., 28.03.1934).
  • BArch, NJ 15018 (Urteil des Kammergerichts Berlin gegen Willi Schulz u.a., 26.06.1934).
  • BArch, R 58/3329, Fiche 1 (Schlussbericht der Gestapo, 13.01.1934).
  • BArch, R 58/742 (Sistierbuch „Hausgefängnis“ der Gestapo).
  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 2/3, Bl. 177; Nr. 3/26, Bl. 150; Nr. 3/26/1, Bl. 192 ff. (Unterlagen zur Haft im KZ Oranienburg).
  • LA Berlin, C Rep. 118-01, Nr. 19042.
  • Fieber, Hans-Joachim, Widerstand in Berlin gegen das NS-Regime 1933-1945. Ein biographisches Lexikon, Bd. 6, Berlin 2002-2005, S. 67.
  • Sandvoß, Hans-Rainer, Widerstand in Mitte und Tiergarten, Berlin 1994, S. 101.

Soziale/Regionale Herkunft: Sohn des Arbeiters Fritz Poeck; Gilsdorf bei Strausberg

Ausbildung/Berufstätigkeit: Ausbildung zum Werkzeugmacher; tätig als Werkzeugmacher

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: 1931-1933: EVMB-Mitglied

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: nicht bekannt

Politische Mandate/Aktivitäten: nicht bekannt

Widerstandsaktivitäten: 1933: Kurier und Kassierer für den illegalen EVMB

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 12. Dezember 1933: Gestapo-Hausgefängnis; 12. Dezember 1933 - 5. Januar 1934: KZ Columbia-Haus; 5. Januar - 19. Januar 1934: KZ Oranienburg; anschl. Polizeigefängnis Berlin-Alexanderplatz; Juni 1934 bis 16. Dezember 1935: Strafgefängnisse Plötzensee und Tegel

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: Mitglied der SED

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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