Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
25. Februar 1897 - 27. April 1955

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Von Maik Bethke

Emil August Waßmann, Mitglied in der KPD und im Deutschen Metallarbeiterverband (DMV), gehörte zu den Gewerkschaftern, die schon frühzeitig in den Konzentrationslagern inhaftiert wurden.
Er wurde am 25. Februar 1897 in Wunstorf, einer kleinen Ortschaft westlich von Hannover, geboren. Emil Waßmann war verheiratet, allerdings ist nichts über seine Ehe bekannt.
Nach seiner Schulzeit erlernte er in Wunstorf den Beruf des Formers. Former arbeiteten als Fachleute in den Gießereien der Metallindustrie. Im Jahr 1919 ging Waßmann nach Cottbus und lebte dort bis 1930. Es ist anzunehmen, dass er auch in Cottbus als Former oder in einem ähnlichen Beruf arbeitete, denn er wurde 1924 als Mitglied der Erweiterten Bezirkskommission des DMV in Brandenburg geführt.
Als er Anfang der 1930er Jahre wieder nach Niedersachsen zurückkehrte, engagierte er sich auch politisch in Wunstorf und wurde KPD-Ortsgruppenvorsitzender in seiner Heimatstadt. Wegen dieser Mitgliedschaft und des Verdachts auf verräterische Handlungen wurde Waßmann am 3. März 1933 kurz nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten verhaftet und am 21. März in „Schutzhaft“ genommen.
In einem Bericht des Bürgermeisters von Wunstorf – in seiner Eigenschaft als Vorsteher der Ortspolizeibehörde – an den Landrat wurde Emil Waßmann als „großer Schreier in den öffentlichen Versammlungen“ bezeichnet und sollte auch an den „Hetzartikeln in der ,Roten Fackel’“ beteiligt gewesen sein1. Dies alles führte wohl zu seiner Verhaftung. Im Sommer 1933 wurde er in das Konzentrationslager Moringen in der Nähe von Göttingen überführt. Dort protestierten die Häftlinge, unter ihnen auch Emil Waßmann, Ende Juni mit einem Hungerstreik für bessere Haftbedingungen.
Nachdem einige Insassen zusammengebrochen waren und ärztlich versorgt werden mussten, beendeten sie den Streik nach fünf Tagen. Im November 1933 wurde das Konzentrationslager aufgelöst und in ein „Frauen-KZ“ umgewandelt. Daraufhin verteilte man die männlichen Häftlinge auf andere Lager. So kam Waßmann Ende November 1933 in das Konzentrationslager Oranienburg. Da er schon seit Anfang der 1930er Jahre Invalide war, wurde er während seines Aufenthaltes in Oranienburg mehrfach in die Krankenabteilung des Konzentrationslagers Brandenburg verlegt. Ab März 1934 bis Anfang September 1934 war Waßmann Häftling im Konzentrationslager Lichtenburg bei Torgau.
Er selbst und seine Ehefrau stellten mehrfach Anträge auf Entlassung aus der Haft. Diese wurden mit der Begründung abgelehnt, dass die „Entlassung […] ungeheure Erregung in der nationalgesinnten Bevölkerung auslösen“ würde, und die von Waßmann und anderen in Wunstorf begangene kommunistische „Hetze […] eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Allgemeinheit“ bedeutet hätte2. Selbst die Entlassungsverfügung vom Juni 1934 wurde in Absprache mit dem Konzentrationslager Oranienburg und der Staatspolizeistelle Hannover aufgrund der „schlechten Führung“ und der Gefahr, dass Waßmann sich wieder „staatsfeindlich“ betätigten könnte, noch länger hinausgezögert3. So wurde seine Entlassung erst Ende August 1934 veranlasst. Am 13. September desselben Jahres meldete sich Emil Waßmann bei der Ortspolizei-Behörde in Wunstorf aus dem Konzentrationslager zurück.
Weitere Aktivitäten nach seiner Entlassung, während des Zweiten Weltkrieges und danach sind nicht bekannt. Emil August Waßmann starb am 27. April 1955 in Wunstorf.

1 StA Wunstorf, Bericht des Bürgermeisters vom 26. September 1933. 

2 Ebd. 

3 Ebd., Abschrift eines Briefes des Leiters des Konzentrationslagers Oranienburg an die Staatspolizeistelle Hannover 

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Quellen:

  • BLHA, Rep. 35 G, KZ Oranienburg, Nr. 3/42, 4/2 und 4/6.
  • StA Wunstorf, ohne Signatur (diverse Schreiben des Bürgermeisters an den Landrat, Briefverkehr zwischen den Konzentrationslagern und dem Bürgermeister und Listen über die Schutzhäftlinge).
  • Jahr- und Handbuch für Verbandsmitglieder des Deutschen Metallarbeiterverbandes 1924, Vorstand des Deutschen Metallarbeiterverbandes (Hrsg.), o.O. 1924, Anhang, S. 46.
  • Adreßbuch der Städte und Ortschaften des Kreises Calau 1929 und 1930, Cottbus o.J.

Soziale/Regionale Herkunft: Wunstorf, westlich von Hannover

Ausbildung/Berufstätigkeit: Lehre als Former

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Mitglied der Erweiterten Bezirkskommission des DMV in Brandenburg

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: KPD-Ortsgruppenvorsitzender in Wunstorf

Politische Mandate/Aktivitäten: nicht bekannt

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: 3. März 1933: Verhaftung; 21. März 1933: Schutzhaft; Sommer 1933: KZ Moringen; Ende November 1933: Konzentrationslager Oranienburg; März 1934 bis Anfang September 1934: Konzentrationslager Lichtenburg

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: nicht bekannt

Erinnerungskultur/Ehrungen: nicht bekannt

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