Die politischen Häftlinge des Konzentrationslagers Oranienburg
1. Juli 1881 – 27. Januar 1970

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Emil Koitz im Garten (Quelle: Heimatmuseum Luckenwalde)

Emil Koitz im Garten (Quelle: Heimatmuseum Luckenwalde)

Der Lehrer und Schulrektor Emil Koitz aus Luckenwalde war ein engagierter und bekannter Heimatforscher. Er verfasste Hörspiele, Gedichte und Theaterstücke und war der Herausgeber unterschiedlicher heimatkundlicher Beiträge über Luckenwalde und die Region. Aufgrund seines politischen Engagements als Stadtrat und Dezernent für die SPD wurde er von den Nationalsozialisten verfolgt und im KZ Oranienburg inhaftiert. Nach 1945 war er wieder er als Pädagoge, Stadtrat und Kreisschulrat in Luckenwalde tätig und wurde Ehrenbürger der Stadt.

Von Sebastian Bödeker

Emil Friedrich Koitz wurde am 1. Juli 1881 in Berlin-Rummelsburg geboren. Er wuchs im Weberviertel im Osten Berlins auf1. Von 1887 bis 1895 besuchte er die 136. Berliner Gemeindeschule2. Bereits in jungen Jahren verdiente Emil Koitz nach den Schulstunden etwas dazu, um seine Familie finanziell zu unterstützen. Nach dem Besuch der Volksschule und seiner ersten und zweiten Lehrerprüfung besuchte er verschiedene Lehrerbildungsanstalten und legte die Prüfung für Rektoren an Volksschulen ab3. Zusätzlich erwarb er die Befähigung zur Erteilung von Sprechheilunterricht. Von 1910 bis 1920 arbeitete Emil Koitz als Lehrer und von 1920 bis 1933 als Rektor. Nebenberuflich war er in dieser Zeit als Vertrauensmann der Provinzial Lebensversicherungsanstalt Brandenburg aktiv. Während seiner Tätigkeit besuchte Koitz weiterhin Fortbildungen und schrieb sich als Hörer der Berliner Universität für Ferienkurse ein4.

Schon als junger Mann interessierte sich Emil Koitz für politische Themen und trat 1918 der SPD bei. Bereits 1919 wurde er Stadtverordneter. Er setzte sich nach eigenen Angaben für die Verbesserung des ländlichen Schulwesens ein und kritisierte die Lebensverhältnisse von Guts- und Bergarbeitern, was ihm des Öfteren Ärger mit vorgesetzten Stellen einbrachte. Im Juli 1930 wurde er Dezernent für das Wohlfahrtsamt in Luckenwalde. Im März 1933 legte Emil Koitz sein Amt als Stadtrat nieder5.
Ab 1927 war Koitz außerdem Mitglied des Reichsbanners und der Eisernen Front. Auch als Lehrer zeigte er sich sehr engagiert. Emil Koitz war eines der führenden Mitglieder des Ortslehrerverbandes, Vorstandsmitglied des Gauverbandes, Mitglied des Orts-, Kreis-, und Bezirkslehrerrats, Vorsitzender des Arbeitskreises Sozialdemokratischer Lehrer der Provinz Brandenburg, Mitglied des Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft zur Fortbildung der Lehrer und Lehrerinnen, u.v.m6.

Im Zuge des nationalsozialistischen „Gesetztes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ wurde im Jahre 1933 gegen Emil Koitz ein Prüfverfahren eingeleitet. Er wurde aus dem Schuldienst entlassen, bekam drei Monate lang sein Gehalt weiter und wurde anschließend verhaftet und in das Konzentrationslager Oranienburg gebracht. Weitere Informationen über seine Verfolgung und Haft konnten nicht ermittelt werden7.

Auch über die Zeit nach seiner Entlassung aus dem KZ im Juli 1933 bis zum Ende der nationalsozialistischen Herrschaft ist wenig bekannt – lediglich, dass Emil Koitz während des Krieges als Heimkrieger im Ersatz Bataillon Infanterie Regiment 261 eingesetzt wurde8.

Emil Koitz hatte sich bereits während seiner Ausbildung für Heimatkunde interessiert und sein Interesse in den folgenden Jahren weiter ausgebaut. Zusammen mit einem Kollegen gab er vor 1933 die „Fläminghefte“ heraus, in denen heimatkundliche Beiträge veröffentlicht wurden. Er schrieb Theaterstücke, Lieder und Gedichte und verfasste 1930 eine „Chronik von Luckenwalde“.Auch nach 1945 machte er sich als Heimatforscher in Luckenwalde und der umliegenden Region einen Namen.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs beteiligte Koitz sich in politischen Ämtern am Wiederaufbau und war weiterhin als Chronist und Heimatforscher aktiv. 1945 wurde er Vorsitzender der IG Lehrer und Erzieher. Als er jedoch im gleichen Jahr als Dezernent in der Stadt- und Kreisverwaltung anfing, legte er den Vorsitz nieder9.
Emil Koitz war Mitbegründer der Luckenwalder Ortsgruppe der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische-Freundschaft und nach 1945 in zahlreichen Organisationen und Vereinen in unterschiedlichen Funktionen aktiv10.

Koitz setzte sich außerdem für den Land- und Naturschutz ein und war Leiter der Kreisstelle für Naturschutz- und Naturdenkmalpflege. Nebenbei war er Dozent an der Volkshochschule in Luckenwalde für Deutsch-, Heimat- und Volkskunde.
Auch nach 1945 schrieb Emil Koitz weiterhin Gedichte, Hörspiele und Theaterstücke. In den 50er Jahre wurden mehrere seiner Stücke in Luckenwalde aufgeführt11.

Emil Koitz wurde aufgrund seines politischen und gesellschaftlichen Engagements mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet, darunter eine Medaille für ausgezeichnete Leistungen, verliehen 1953 vom Rat des Kreises und die Ehrenbürgerschaft der Stadt Luckenwalde, die er 1956 verliehen bekam12.

Als bekannter Heimatforscher und vielfach ausgezeichneter Luckenwalder Bürger verstarb Emil Koitz am 27. Januar 1970 in seinem Heimatort.

1 Vgl. BLHA, Rep. 2A, Regierung Potsdam II Pers., Nr. K852, Personalakte Emil Koitz Potsdam. 

2 Vgl. BLHA, Rep. 8, Luckenwalde Pers. 589, Personalakte Emil Koitz Luckenwalde. 

3 Vgl. Personalakte Emil Koitz Potsdam. 

4 Vgl. ebd. 

5 Vgl. ebd. 

6 Vgl. Heimatmuseum Luckenwalde, selbst verfasster Lebenslauf von Emil Koitz. 

7 Vgl. ebd. 

8 Vgl. ebd. 

9 Vgl. ebd. 

10 Vgl. ebd. 

11 Vgl. Heimatmuseum Luckenwalde, Gedichte und Skripte von Emil Koitz. 

12 Vgl. Heimatmuseum Luckenwalde, Urkunden und Auszeichnungen von Emil Koitz. 

Soziale/Regionale Herkunft: Berlin-Rummelsburg

Ausbildung/Berufstätigkeit: 1887 – 1895: 136. Berliner Gemeindeschule; 1. und 2. Lehrerprüfung; Prüfung für Schulrektoren; Tätig als Lehrer; 1921: Berufung zum Rektor an der evangelischen Volksschule „Steinschule“

Mitgliedschaft und Funktionen in der Gewerkschaftsbewegung: Mitglied des Ortslehrerverbandes; Vorstandsmitglied des Gauverbandes; Mitglied des Orts-, Kreis-, und Bezirkslehrerrats

Parteizugehörigkeit/-funktionen, politische Vorfeldorganisationen: 1919 – Februar 1933: SPD; ab 1927: Eiserne Front; ab 1927: Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold

Politische Mandate/Aktivitäten: Stadtrat und Dezernent für Wohlfahrtspflege in Luckenwalde

Widerstandsaktivitäten: nicht bekannt

Haft in Konzentrationslagern/ Zuchthäusern/Gefängnissen: Juni 1933 bis Juli 1933: KZ Oranienburg

Politisches und gewerkschaftliches Engagement nach 1945: Vorsitzender der IG Lehrer und Erzieher; ab 1945: Dezernent in der Stadt- und Kreisverwaltung

Erinnerungskultur/Ehrungen: Ehrenbürgerschaft der Stadt Luckenwalde

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